Da war er schon wieder. In jedem Feuilleton hatte ich schon das Gesicht dieses angeblich "jungen Künstlers" gesehen, dessen offenstehender Mund mich sowohl an einen leicht zurückgebliebenen Bekannten aus Kindertagen erinnert, als auch an einen Erziehungsspruch meiner österreichischen Großmutter: "Mach's Moi zu, sonst spuck i dir eini." Nie ist mir bis dahin Adam Greens Musik bewusst zu Ohren gekommen. Aus dem Feuilleton wusste ich nur, dass er Musik macht (wie viele andere auch), dass er Bush doof findet (wie viele andere auch), dass er zu Pornos onaniert (wie viele andere auch), dass seine Urgroßmutter mit Franz Kafka verlobt war und dass er wie ein leicht zurückgebliebener meiner Bekannten aus Kindertagen aussieht. Das einzige, was ihn also vom gemeinen Pöbel unterscheidet, ist eine gescheiterte Verlobung seiner Urgroßmutter und die war nicht einmal sein eigener Verdienst. Dann stand er bei Harald Schmidt und ich dachte: endlich bekomme ich mal das zu hören, was das Feuilleton in helle Aufregung versetzt. Warum die ARD Showband ihn überhaupt begleitete, bleibt zu erkunden. Green sang Humba Humba Emily und ich fühlte mich an ein leicht zurückgebliebenes Keyboard aus Kindertagen erinnert, das damals schon Emily spielte, wenn man auf die Taste drückte, unter der 'Demo' stand. Ich wusste damals nicht, was Demo bedeutet, kannte das Wort nur aus dem Fernsehen und erwartete eigentlich Sirenengeheul, Wasserwerfer und die Durchsage "Lösen Sie sich auf, sonst wird der Platz geräumt". Tatsächlich spielte das leicht zurückgebliebene Keyboard aber ein Lied, das ich seitdem noch hundertmal gehört habe und von dem jeder behauptete, er habe es selbst geschrieben: Tonika, Dominante, Subdominante und von vorn. Erst jetzt musste ich feststellen, dass es von Adam Green geschrieben wurde, der damals wie heute auch nicht viel älter als ich gewesen war. Für einen zehnjährigen war schon Tonika, Dominante, Subdominante genug Songwriting. Er trägt seinen Vornamen zu recht, er macht Musik wie der erste Mensch. Deshalb darf das Feuilleton auch behaupten, Green habe sich seine Kindlichkeit bewahrt. Jetzt steht Demo für 'Dance Emily My Orsch'. Ich bin überzeugt, der alte Zerlett hätte sich derlei Kinderkram nicht bieten lassen. Außerdem schreibt der Adam Gedichte, die beim Suhrkrampf Verlag verlegt werden. "Der Vogel... nackt... jung... tot." Und die finstere Ulla, oder welcher Praktikant auch immer das Programm geschrieben hat, ist sich nicht zu blöde, zu behaupten, vielleicht könne da ja auch seine Urgroßmutter durch die Verse flüstern. Was soll das heißen? Wer flüstert da wo durch? Fünfundzwanzigjährige Jungfrauen, die auf paranoide Versicherungsangestellte mit Vaterkomplex und Angst vorm Ficken stehen? Na vielen Dank. Dann doch lieber den leicht zurückgebliebenen Bekannten aus Kindertagen. Der hat wenigstens Ruhe gegeben wenn ich sagte: "Martin, halts Maul!"
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