Sexy Ratzinger...

Sexy Ratzinger oder Wie werde ich Papst in 78 Jahren?

Nachdem sich die erste Euphorie über die Wahl des deutschen (oder bayerischen, ich frag' ja nur?) Kardinals Ratzinger zum neuen Papst gaaanz, ganz langsam wieder zu legen beginnt, gilt es das Augenmerk ein wenig stärker auf die Zukunft zu richten. Noch sind wir uns dessen gar nicht richtig bewusst, aber diese Papstwahl wird einschneidende gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen. Vor allem bei der Jugend. Die wird sich nämlich fragen, was dieser Papst hat, was sie nicht haben, und dabei zwangsläufig zur richtigen Einschätzung kommen: Einen krisensicheren Job!
Und da das heutzutage (und wohl auch in Zukunft) alles andere als selbstverständlich ist, wird das allgemeine Interesse an diesem Amt rapide zunehmen. Wollten junge Menschen früher noch Automechaniker, Astronauten oder Lokführer werden, so wird jetzt das Berufsbild des Papstes unweigerlich dazukommen. Und das stellt uns Erwachsene vor ein großes Dilemma! Man kann ja schlecht offen sagen, dass derlei Berufsaussichten bei dem krassen Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage von vornherein gen null tendieren. Schließlich will man ja nicht, dass der enttäuschte Nachwuchs irgendwelche Dummheiten begeht, sich z.B. von Brücken stürzt oder seine eigene verschrobene Sekte gründet. Und schon gar nicht sollte man sich zu der Bemerkung hinreißen lassen "Es kann nun mal nur einen geben!", weil das in wirren Gehirnen Reaktionen hervorrufen könnte, die man hinterher zutiefst bedauert. Gut, natürlich würde das der darnieder liegenden Schwertindustrie ein unverhofftes Comeback bescheren, aber trotzdem...
Nein, in dieser verfahrenen Situation gibt es nur eine Lösung: Gnadenlos auf Zeit zu spielen! Das lässt sich bei einem Zeitraum von 78 Jahren ja auch ziemlich gut machen und vermittelt den jungen Aspiranten die vage Hoffnung, dass aus dem angestrebten Berufsziel am Ende doch was werden könnte. Überhaupt ist Hoffnung das Wichtigste, denn die stirbt ja nicht nur zuletzt, sondern ist zudem eine fundamentale Grundlage des Glaubens. Daneben schadet es aber sicher nicht, eine Art Stufenplan bereit zu halten, um – eher später als früher – in Amt und Würden zu kommen und dabei Kardinalsfehler (sic!) zu vermeiden. Hier die essentiellen steps auf einen Blick:

1. Sein Ziel festlegen

Drum prüfe, wer sich ewig bindet! Diese alte Weisheit behält gerade beim Papstjob ihre uneingeschränkte Gültigkeit. Deswegen sollte man sich schon frühzeitig sehr gut überlegen, ob man diesen Posten wirklich anstrebt – erstens wegen der langen Anlaufzeit, zweitens wegen diverser Nachteile (u.a. Zölibat, kein Kondome beim und eigentlich überhaupt kein G..........verkehr). Ganz dumm wäre es nämlich, wenn man mit 55 auf einmal feststellt: "Och, ich hab's mir anders überlegt, jetzt will ich doch nicht mehr Papst werden!" Dann ist man auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar. Und das ist dann wirklich die Hölle.

2. Sich realistische Zwischenziele setzen

Gott sei Dank hat sich die katholische Kirche für solche Fälle eine eigene Hierarchie geschaffen, in der man so etwas wie Karriere machen kann. Man fängt als kleiner Priester an und bringt es irgendwann zum Bischof, Erzbischof, vielleicht sogar Kardinal. Das hat gleich mehrere Vorteile: Man lernt seine potentiellen Mitbewerber schon mal kennen und kann im Laufe der Jahre Strategien entwickeln, die unliebsame Konkurrenz auszuschalten. Außerdem erfährt man einiges darüber, wie man Gottes unbestechlichem Willen hier und da ein wenig auf die Sprünge hilft. Und falls es zu guter Letzt doch nicht bis ganz nach oben reichen sollte, war man in der Zwischenzeit wenigstens ordentlich beschäftigt. Das kann bestimmt nicht jeder Arbeitnehmer von sich behaupten!

3. Sich im richtigen Umfeld (Dunstkreis) bewegen

Ganz heikel, in der Tat! Wer da Fehler begeht, hat fast schon verloren, bevor er überhaupt richtig angefangen hat. Deshalb hier einige Punkte im Überblick:

In
- in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen zu sein
- sich frühzeitig im kirchlichen Umfeld betätigt zu haben (z.B. als Messdiener, Gitarrenklimperer, Teufelsaustreiber)
- wissen, wie man das Vaterunser betet und Sünden vergibt
- Geld zu sammeln für die Portokasse des Papstes
- Abweichler zu maßregeln

Out
- sich zu Karneval als Atheist zu verkleiden
- G..........verkehr zu haben
- beim G..........verkehr auch noch Kondome zu benutzen
- nach G..........verkehr ohne Kondome auch noch uneheliche Kinder zu haben
- sich mit Kirchenkritikern oder Befreiungstheologen zum Kaffeekränzchen zu treffen
- sich zu oft mit Gemeinsamen-Abendmahlsbefürwortern sehen zu lassen

nicht direkt out, aber ziemlich mutig
- sich wie ein Pater Braun aus Langeweile als Hobbydetektiv zu betätigen
- einen großen Enthüllungsroman über sein Leben in der Gemeinde XY zu schreiben

Jedoch gilt bei all diesen und anderen Punkten: Änderungen nicht kategorisch ausgeschlossen! Deshalb sollte man sich immer hübsch auf dem Laufenden halten, bevor man einen bleibenden Karriereknick riskiert.

4. Lange genug am Leben bleiben

Bei dieser Empfehlung werden manche die Stirn runzeln und sich fragen: Was hat das denn mit zielstrebiger Planung zu tun? Na, aber hallo! Werden Sie erst mal alt genug, um Papst zu werden; so selbstverständlich ist das auch heutzutage noch keineswegs. Die durchschnittliche Lebenserwartung des Mannes liegt auch in Deutschland mit knapp 76 Jahren immer noch unter dem geschätzten Papsteintrittsalter von 78 Jahren. Vielerlei Fallstricke warten bis dahin auf einen, die für ein vorzeitiges Karriereende sorgen könnten. Schnell kann man von einem Auto überfahren, einem Amokläufer über den Haufen geknallt oder einem herabstürzenden Klavier erschlagen werden. Zwar kann man sich als gläubiger Katholik hinterher immer damit trösten, dass es wohl Gottes Wille gewesen war, aber ein schaler Beigeschmack bleibt dennoch zurück. Und die hoffentlich abgeschlossene Lebensversicherung nützt in diesem Fall nur noch Ihrer offiziell nicht existierenden Familie, aber nicht mehr Ihnen selber. Da bleibt nur eins: Sich rechtzeitig absichern! Strategien zum Überleben entwickeln! Es würde den Rahmen dieser Story sprengen, alle nur denkbaren Eventualitäten aufzuzeigen, deshalb an dieser Stelle ein paar allgemeine Anregungen:

- Schaffen Sie sich wieder einen Vorkoster an! Erstens würden Sie damit einen Arbeitslosen sehr glücklich machen, und zweitens sichern Sie sich auf diese Weise gegen allerlei Ungemach ab, das aus Ihrer Küche kommen könnte. Quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen! Und sollte Ihr Vorkoster doch einmal wider Erwarten in Erfüllung seiner Pflicht aus dem Leben scheiden, wäre dies für beide Seiten nicht allzu tragisch: Sie können Ihr Lebenswerk fortsetzen - und er wollte ja ohnehin nicht Papst werden.

- Legen Sie sich für Ausflüge in der Gemeinde ein Papamobil zu! Natürlich dürfen Sie es nicht so nennen, um dem Heiligen Vater keine Konkurrenz zu machen, aber abgesehen davon spricht nichts gegen die Anschaffung eines solchen Rennschlittens. Im Gegenteil, die Leute kennen ein solches Gefährt bereits zur Genüge aus dem Fernsehen und werden es daher keineswegs ungewöhnlich finden, wenn man Sie damit durch die Gegend flitzen sieht. So kommen Sie sicher und dazu noch überaus bequem durch die Widrigkeiten des Alltags.

- Nehmen Sie Beichten nur noch in Anwesenheit von Zeugen ab! Das wird zwar zunächst unter Ihren Schäfchen für einige Irritationen sorgen, aber lassen Sie sich dadurch nicht beeindrucken. Diese Maßnahme ist unbedingt notwendig, denn sonst kann im Streitfall niemand beweisen, wer was genau gesagt hat. Und nichts ist der nervlichen Gesundheit so abträglich wie ein jahrelanger Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang. Vom Imageschaden einmal ganz zu schweigen.

5. Man darf nicht Papst werden wollen!

Zu guter Letzt kommen wir zum größten Fallstrick überhaupt: Sein ganzes Leben lang arbeitet man zielstrebig auf dieses Amt hin, aber am Ende bekommt man es nur dann, wenn man es gar nicht haben will! Was, werden viele Leser jetzt verwirrt fragen, wie soll das denn gehen? Zugeben, das ist ein wenig widersprüchlich, aber so sind nun mal die Voraussetzungen. Kardinal Ratzinger wollte nämlich gar nicht Papst Benedikt XVI. werden, aber dann hat Gott ihn angeraunzt (so ähnlich wie der Schröder seine Minister): "Mach' das mal!" Warum Gott das so arrangiert hat, weiß kein Mensch, aber Gottes Wege sind ja bekanntlich unergründlich. Wir lernen daraus jedenfalls für unsere eigenen Ambitionen: Wenn wir es erst einmal soweit gebracht haben, dass wir das Amt schon in Reichweite haben, dann sollten wir uns möglichst desinteressiert geben. Am Besten wäre es, gelangweilt in der Runde der Kardinale seinen Tee zu schlürfen, zwischendurch ein paar gute Bücher zu lesen und so zu tun, als sei man nur zufällig hier, weil man gerade nichts Besseres vorgehabt hatte. Wenn man es schafft, das überzeugend genug rüberzubringen, dann kann auf dem Weg zum Heiligen Stuhl eigentlich nichts mehr schief gehen. Halleluja!


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