Drogentest in den USA und warum Pinkeln manchmal gar nicht so einfach ist.
Schon mal versucht, einen Job in den USA zu bekommen? Ja, es heißt das Land der Unbegrenzten Freiheiten und jetzt weiß ich auch warum! Weil Arbeitgeber sich beim Einstellen unbegrenzte Freiheiten herausnehmen dürfen. So musste ich für eine Stelle als Buchhalterin zum Drogentest.
Manche werden das jetzt gerechtfertigt finden: "Also wenn ich high bin, so richtig knülle, da kann ich auch keine Bücher mehr halten, die fallen dann alle zu Boden und der Almanach der Dummheit, der fällt auf den großen Zeh und ich bin für Wochen krank geschrieben!" Genau. Daher fuhr ich auch recht freiwillig in diese vom Arbeitgeber designierte Gesundheitsklinik. Auf direktem Weg, das wurde explizit erwähnt. Ich durfte auf gar keinen Fall irgendwo anhalten, zwischendurch tanken oder über Los gehen und zweihundert Dollar kassieren. Hinfahren, pinkeln, zurückfahren und die Quittung abgeben, sonst ist der Test ungültig und der Große Böse Wolf frisst meine Großmutter.
Um den Fahrtweg zu überprüfen, gibt es wahrscheinlich in jeder Firma eine Position, die sich 'Drugtest-Timer' nennt. Da sitzt dann einer und zählt die Minuten, bis der potentielle Kandidat erleichtert zurückkommt. Und wehe, der hat sich verfahren oder kann nicht auf Kommando! Ich hätte mir ja zwischendurch sonst irgendwo Ersatzurin besorgen können. Womöglich bei Walmart, da gibt es bewiesenermaßen alles zu kaufen. Destillierter, sauberer Urin, $ 5.99 pro Gallone, Gang 14, gleich neben dem Apfelsaft. Das hätte ich allerdings gut verstecken müssen, denn bevor ich und der Becher ins stille Kämmerlein durften, musste ich erst meine Taschen leeren.
Das ist in meinem Fall immer peinlich. Ich horte in meinen Jeanstaschen Dinge, mit denen andere Menschen nicht einmal das Innere ihrer Mülltonnen beschmutzen würden. Tampons, die eine unangenehme Begegnung mit einem halbgelutschten Bonbon hatten, Kaugummi aus dem Gründungsjahr der Firma Wrigley's, unlesbar gewordene gelbliche Quittungen auf Thermopapier und andere Dinge, die meine Finger verkleben, wenn ich in die Hosentasche greife, die aber inzwischen schon nach Paragraph 937 auf Ersitzung klagen könnten, wenn ich versuchen würde, sie rauszuholen.
Mit heraushängendem Taschenfutter und voller Blase schritt ich also zur Aktion. Ich wollte ja den Job und ich wollte von Anfang an alles richtig machen. Und wenn meine erste Tat für das Amerikanische Volk Wasser lassen bedeutete, dann sollte es so sein. Mittelstrahl, blumiges Bukett, nachhaltiger Abgang. Kurz: ein edler Tropfen, auf den ich stolz sein konnte. Vor der Tür wachte der Arzthelfer. Ich hatte strikte Anweisungen, mir nicht die Hände zu waschen oder abzuspülen, das musste unter seiner Aufsicht geschehen und erst, wenn er das flüssige Gold sicher in den Händen hielt.
Entweder der Helfer gehörte zu der perversen Sorte, die sich ab und zu in Arztpraxen herumtreiben (er hatte wahrscheinlich einen beeindruckenden Urintest) oder aber die spinnen, die Amis. Jedenfalls durften weder er noch ich den fast randvoll gefüllten Testbecher aus den Augen lassen, einer von uns Beiden könnte ja irgendetwas reinschütten. Koks, Gift, Vitamintabletten, Frostschutzmittel, wasweissich.
Wir bugsierten also den heiligen Gral zurück ins Labor, wo ich überwachen durfte, wie zwei Röhrchen abgefüllt, mit meinen Initialen versehen und versiegelt wurden. Fertig! Ich gab die Quittung ab und war sicher, dass ich etwas Derartiges für eine Weile nicht mehr über mich ergehen lassen müsste.
Denkste! Zwei Tage später kam der Anruf, ich solle den Drogentest wiederholen, die Probe war von der Temperatur her zu kalt. Diesmal musste der Test überwacht stattfinden, dass heißt, dass es in der Toilettenkabine gesellig wurde. Ich hätte ja beim ersten Mal das Ergebnis mit dem Inhalt der Kloschüssel verwässern können. Vielleicht war der Urin aber auch nur etwas unterkühlt, weil ich frigide sein könnte? Schon mal daran gedacht, hm? Aber nein, soweit geht die Fantasie in der Praxis von Dr. Perverso nicht. - Hätte ich doch mal lieber etwas Frostschutzmittel reingetan.
Da hing ich also erneut über der Schüssel, die arme - immerhin weibliche - Praxishilfe, die mir zusehen musste, stand mit schamgerötetem Gesicht in der Ecke, wusste nicht wo sie hinschauen sollte und murmelte "SOWAS musste ich noch NIE machen!". Ja denkste denn, ich mach' das zum Vergnügen jeden Tag, gute Frau?
Wir brachten das Ganze hinter uns, ich würde lügen, wenn ich behauptete, es sei auch nur einigermaßen würdevoll gewesen, aber ich muss da ja nicht mehr hin. Hoffentlich. Wenn der Test wieder zurückkommt, mit dem Ergebnis, die Probe sei vom Geschmack her zu süß und würde vom Gelbton nicht zu den DIN-genormten Farbtafeln passen; ich müsse noch mal, diesmal vor der gesamten Belegschaft, dann pfeife ich auf den Job und wandere aus.
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