Föhr - die grüne Frikadelle

Das kleine Eiland liegt geschützt hinter den Inseln Sylt und Amrum mitten im Nationalpark Wattenmeer. Der weiße Sandstrand (Kurtaxe!), der unverwechselbare Duft des Meeres (Fisch!), das gesunde und milde Reizklima (Rentner!), die malerischen Inseldörfer und ein (im wahrsten Sinne des Wortes) Scheiß-Autoaufkleber locken viele Touristen nach Föhr.

Ja, finanzieller Ruin, Fischgeruch, Kurschatten und dieser komische Autoaufkleber sind die Nebenwirkungen föhr alle, die Nordseeinsel-Urlaub lieben. Ach so, dummdoofe Wortspiele springen ihnen natürlich schon aus dem Urlaubsprospekt des „Föhr Touristik e.V.“ entgegen:

“Föhr alle, die meer erleben wollen.“
“Föhr alle Jahreszeiten.“
“Je Frühjahr Sie Föhr erleben, desto besser.“
“Der Winter: wärmstens zu empfehlen.“ …

Die Katalogtexter hangeln sich von Wortspiel zu Wortspiel, was den Lesespaß enorm erhöht. Außerdem zeigt der Katalog jede Menge bunte Bilder, die natürlich hauptsächlich von der Quedens-Bande fotografiert, untertitelt und manipuliert wurden. Der alte Herr Quedens ist ungefähr so etwas wie der Yeti von Föhr, oder so!

Eigentlich ist Föhr den meisten Menschen total egal, es verlängert die Fahrt nach Amrum um eine halbe Stunde und neben den eingangs genannten Nebenwirkungen gibt es, nach meinen Informationen, noch nicht mal eine anständige Freikörperkultur. Gegenbeweise bitte in Farbe festhalten und an die Redaktion schicken!

Warum Föhr? Koksen kann man am besten auf Sylt, sich am Strand blank machen und Ärsche gaffen in jedem Ost(see)bad und Rentner rempeln mittlerweile überall im Rudel. Es gibt also keinen guten Grund auf dieser 82 qkm-großen Insel Urlaub zu machen, oder?

Doch es gibt einen Grund!

Es sind genau diese 82 qkm Wald und Sandstrand, die die Natur zu einem unspektakulären Haufen Insel haben werden lassen, oder besser: Es ist der Umfang dieser kleinen Nordseeinsel, der mich zu dieser Hassliebe treibt. Jahrhunderte hat die gewaltige Kraft des Meeres hier ein Stück Föhr genommen und da ein Stück Föhr angespült bis es in dem jetzigen Zustand einer Frikadelle, einer klumpigen Himmelswolke oder einem Möwenschiss gleicht.

Der gemeine Inselurlauber hat sich nach 2 Wochen Fahrradurlaub auf Föhr jedoch noch nicht an Wolken, Möwenscheiße und klumpigen Frikadellen satt gefressen, weswegen er auf der Rückfahrt einen Autoaufkleber in Form des Föhrer Umrisses kauft. Nach 20-minütiger Familiendiskussion ist ein passender Platz auf der Kofferraumklappe gefunden und ein weiterer deutscher Arsch sitzt auf seinem Auto samt klumpigem Möwenschiss am Heck.

Sylt, Amrum und das Phantasialand haben ja noch einen gewissen optischen Reiz, aber Föhr kommt mir nicht auf die Karre. Da ist sowieso gar kein Platz mehr, also bleib ich doch lieber zu Hause und überleg mir ein paar Werbeslogans, die ich dann dem ’Föhr Touristik e.V.’ anbiete:

“Föhr alle, denen das Wasser im Osten zu dreckig ist.“,
“Der Ingenieur steht voll auf Föhr.“,
“Ficken föhr umsonst.“,
oder die absolut brutalstmögliche Wortspielwurst:
“Föhr im Meer und ewyk auf Föhr!“


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