Wohin es führt, wenn man aus Eitelkeit und krankhafter Gier seinen Kragen nicht voll kriegen kann, weiß normalerweise jedes Kind aus dem Märchen 'Der Fischer und seine Frau' von den Grimm-Brüdern.
Die Ilsebill ist so eine Frau mit Haaren auf den Zähnen, der man nie irgendwas recht machen kann, die den lieben langen Tag in ihrer Fischerhütte hockt und herummault, wenn ihr Mann vom Fischen heimkommt. Ihr Mann ist aber auch ein antriebsloser Dussel, der blöd genug ist, einen verwunschenen, sprechenden Zauber-Butt-Fisch entwischen zu lassen, ohne sich vorher die Aktienkurse von kommender Woche sagen zu lassen. Es ist alles ein ziemliches Desaster.
Jedenfalls treibt die Hexe den Dussel noch vor der Tagesschau mehrfach in die stockdunkle Nacht an den – vermutlich – radioaktiven Tümpel zurück, um zu retten, was zu retten ist. "Meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich gern will", nölt der Dussel am Biotop rum. Damit weckt er natürlich den schlafenden Butt. Weil der im Freien schläft, wie jeder Fisch seine Nachtruhe braucht und es um fünf schon wieder hell wird, sind sie schnell handelseinig. Um Ruhe zu haben spendiert der Zauberfisch ein paar Tonnen Gold, ein Loire-Schlößchen und alles, was man sonst noch zum Leben braucht.
Anstatt jetzt den Rest des Lebens Orgien zu feiern und sich die schwieligen Fischerinnen-Flossen maniküren zu lassen, wird die Ilsebill größenwahnsinnig und möchte der liebe Gott sein, worauf der Zauber-Butt, aus Angst vor der göttlichen Bratpfanne, ihnen alles wieder wegnimmt.
Dabei ist 'lieber Gott' an und für sich vermutlich kein übler Job, eine ruhige Kugel gewissermaßen, so wie Filmdiva oder Großmogul. Das hatte die Ilsebill sicherlich im Hinterkopf. Aber nicht nur die Ilsebill, jeder, auch die Männchen, anonym befragt, träumen von der ruhigen Kugel, das deutet im Märchen schon der zusammengesetzte Name aus 'Ilse' und 'Bill' an.
Gibt es also nicht nur raffgierige Ilses, sondern ebensolche Bills? Die Grimms, die uns die Suppe eingebrockt haben, kann keiner mehr fragen. Sie haben noch schnell die 'Brothers Grimm' abgedreht und sich nach Drehschluss in die ewigen Jagdgründe abgesetzt.
Aber Edmund 'Bill' Stoiber, den liebenswürdigen, charmanten, immer rücksichtsvollen und, besonders in der Reichshauptstadt, allseits beliebten Oberbayerngermanen könnte man fragen, wen er in der Nacht immer zum Dynamitfischen an den Butt-Tümpel schickt. Normales Angeln ist ja viel zu uneffektiv.
Wir hören in den Tagesthemen schon die Wasserschutzpolizei, gefilmt von einer wackeligen Amateurkamera, die ein Liebespärchen fürs Bewerbungsvideo ins hohe Gras am See mitgenommen hat: Herr Glos, was tun sie da mit dem Dynamit? Ich? Gar nichts. Ich möchte nur Licht machen, damit sich kein Fischlein im dunklen Schilf verirrt.
Trotzdem ist es schön, wenn man in der allgemeinen Depression mal jemanden wie Edmund 'Bill' Stoiber mit einem gesunden Ehrgeiz sieht, der nicht verlogen so ein einfacher Minister-Schlappi, sondern ehrlich gleich 'Superminister' werden will. Erstmal. Möchte vernünftigerweise den anderen Trantüten im Kabinett von vorne herein wegnehmen, was die eh nicht können. Was will die Schavan eigentlich mit der Forschung in ihrem Haus? Wär' die nicht als Strick- und Häkel-Beauftragte im Heimarbeits-Ministerium viel besser aufgehoben?
Das neue Superministerium braucht unbedingt auch ein 20-Meter hohes, drehbares, blinkendes Neon-Superman-'S' auf dem Dach, damit man auch nachts sieht, dass was passiert. Das blaue Superman-Leibchen und der knuffige rote Umhang für Stoiber sind bestimmt auch schnell geschneidert. Da könnte sich Kollegin Schavan schon mal mit der Nähmaschine vertraut machen.
Zur Königslösung fehlt dann nur noch die Showtreppe vor dem Superministerium. Da könnte der Herr Superminister dann in seinem neuen Outfit jeden Tag morgens, mittags und abends mit erhobenem Zeigefinger von hinten vorpreschen, zu Operettenmusik herunterlaufen und mit Kampfgrinsen sagen, wem er als Nächstes was wegnehmen will. Die japanischen Touristen werden begeistert sein, und mit Beifall schmerzt die Bratpfanne an der Rübe auch nicht so.
|