Was geschah tatsächlich am 16.11.2004 in einer Moschee in Falludscha?
MILITÄRRICHTER: Ich möchte eingangs mein Bedauern darüber kundtun, dass es in diesen, zu recht vaterländisch gestimmten, Zeiten für nötig befunden wurde, dem heldenhaften Abwehrkampf der Vereinigten Staaten von Amerika einen Krieger zu entziehen, der wohl auch jetzt an der Seite seiner mit trotzigem Mut kämpfenden Kameraden besser aufgehoben wäre. Dennoch gebietet es meines Amtes Pflicht und Würde, etwaigen Gerüchten und Anschuldigungen nachzugehen, für die unsere haßerfüllten Gegner so gerne wie notorisch das Wort 'Kriegsverbrechen' zu bemühen sich gedrängt fühlen. So muss ich Sie denn fragen, Herr Jack Dabbelju Hackensack, ob es bei Ihrem, mit Sicherheit lebensgefährlichen, Einsatz am 16. November dieses Jahres in einer Moschee in Falludscha zu gewissen Unregelmäßigkeiten gekommen sein könnte?
SOLDAT: Euer Exzellenz, Euer Ehren! Ich darf mich, auch nach dem Urteil meiner Vorgesetzten, als der untertänig-gehorsamste Diener unseres amerikanischen Vaterlandes bezeichnen. Ich versichere Ihnen, dass ich mein Leben den Vereinigten Staaten und ihren Werten geweiht habe. Als Angehöriger der Krieger-Kaste stehe ich mit eben diesem meinem Leben für all das ein, was uns Amerikanern heilig ist.
MILITÄRRICHTER: Dessen bin ich gewiss. Dennoch – gern würde ich anderes sagen – möchte das Gerücht nicht so recht verstummen, dass es von Ihrer Seite aus möglicherweise zu einer Handlung gekommen sei, die sich nicht völlig und reibungslos mit den sogenannten und allseits geschätzten 'Genfer Konventionen' vereinbaren lasse. Diese Konventionen sind Ihnen ein Begriff?
SOLDAT: Selbstverständlich, Euer Ehren! Selbstverständlich sind mir diese kohabitierenden Genfer Konventionen bekannt. Ich darf hier einmal nachdrücklich ein Lob auf unsere Armeeführung ausbringen, die es ebensogut versteht, dass männlich-harte Geschäft des Tötens zu lehren, wie auch internationale Kriegsregeln uns einfachen aber wissbegierigen Soldaten zu vermitteln und einzuschärfen.
MILITÄRRICHTER: Ich zweifele nicht daran, junger Freund. Ich werde ebenso glücklich sein wie Sie, wenn wir diese, vermutlich rein verleumderische, Sache vom Tisch haben, und ich Sie wieder dort hingestellt weiß, wo das Vaterland Sie braucht. Erzählen Sie mir einfach, was an diesem 16. November passiert ist; ich bin sicher, dass wir unser kleines Tête-à-tête zu einem raschen und beiderseitig zufrieden stellenden Ende bringen werden.
SOLDAT: Zu Ihren Diensten, Euer Ehren! Gerne will ich Auskunft geben über jenen koitierenden Tag, der unsere Einheit in einer Bataille sondergleichen sah. Im Nebel des verschossenen Pulvers rangen wir mit dem hochmütigen arabischen Feinde. Wild rannte er immer wieder gegen uns an, doch vermochte es auch sein schier grenzenloser Zorn nicht, über unsere Entschlossenheit zu triumphieren. Endlich schlugen wir ihn in die Flucht, der Sieg war unser, Falludscha war unser! Doch galt es wachsam zu bleiben, Heimtücke und Hinterlist hatte uns der irakische Krieger zu oft bewiesen. So durften wir keinesfalls sicher sein, alle Gebäude des geschlechtlich verkehrenden Falludscha leer vorzufinden, sondern mussten im Gegenteil damit rechnen, dass der Feind kleine Gruppen todesmutiger Kämpfer zurückgelassen haben würde, die Sieger des Tages aus dem Hinterhalt zu attackieren. Zuvörderst galt es also, wachsam und gespannten Hahnes, die Bauten des ob unserer Kanonen mächtig erschütterten Falludscha zu inspizieren. Die Gruppe, der anzugehören ich die Ehre hatte, erhielt die Ordre, eine Moschee in Augenschein zu nehmen, aus der schon während der stattgehabten Schlacht das Feuer auf uns eröffnet worden war, wie ja der Iraker es keineswegs verschmäht, selbst das Haus seines Gottes als Schild im Kampfe zu gebrauchen. Hier nun, im Tempel der Heiden, bot sich ein trauriges Bild.
MILITÄRRICHTER: Ich wäre dem Herrn G.I. verbunden, wenn er es über sich vermöchte, seinen Bericht ein wenig zu raffen. Dann schaffen wir es bis zur Mittagspause, und die würde ich nur sehr ungern verschieben wollen.
SOLDAT: Selbstverständlich, Euer Ehren, ich will mich bemühen. Ich fahre fort und erwähne der zerschlagenen Krieger nicht weiter, die wir dort in der Moschee vorfanden. Vorsicht war allerdings weiterhin geboten, denn die schon erwähnte Heimtücke des irakischen Kombattanten hatte uns bereits unschöne Beispiele von sich bloß tot stellenden Kämpfern aufgeführt. Einen ebensolchen aber hatte ich nun vor mir! Obschon mit manch amerikanischer Kugel gespickt, sah ich doch seinen Atem gehen, und einer meiner Kameraden bestätigte mir lauten Rufs, hier eines camouflierenden Feiglings ansichtig geworden zu sein! Ich hielt meine Geschlechtsverkehr ausübende Flinte im Anschlag, bereit den kohabitierenden Araber in die koitierende Hölle zu übersenden, sollte er es wagen, seine Hand gegen mich zu erheben. Dann aber geschah etwas, das mir den Atem benahm. Seine Mystifikation aufgebend schlug der Besiegte die Augen auf, um auf der braunen Iris die vier koitierenden apokalyptischen Reiter aufzuführen! Rote Strahlen zuckten sodann aus seinen koitierenden Augen, welche mir im nächsten Moment ein brechendes Himmelsgewölbe vorspiegelten und frech behaupteten, dass die koitierende Erde hier unten nicht mehr fest liege! Zweifelsohne irgendein mieser defätistischer Trick, den der Sterbende zu unserem Schaden hier noch auszuführen gedachte! Längst verwohnter Schauer fasste mich, hemmte mir alle Lebensregung, ängstigte Exkremente aus mir raus! Mein koitierender Sinn war zu, mein koitierendes Herz war tot, da schoß ich meine koitierende Flinte ab.
MILITÄRRICHTER: Also ganz zweifellos Notwehr, ich hab´s ausführlich wohl vernommen. Den Orientalen ist ja selbst im Tode nicht zu trauen, selbst im Abgang belieben sie noch zu brouillieren. Also schön, erledigt, Schluss mit Genuss. Stärken Sie sich, Soldat! Bevor Sie sich wieder in die Phalanx Ihrer Kameraden einreihen. Die Kantine bietet heute einen formidablen Hackbraten mit Hopfenkeim und jung Gemüs'. Begleiten Sie mich?
SOLDAT: Mit dem größten Vergnügen, Euer Ehren! Hackbraten! Ist wie die Quelle allen Lebens, sag' ich immer.
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