Der Himmel ist viergeteilt!

Als ich eines Nachts wach wurde, stand eine merkwürdige Gestalt an meinem Bett. Merkwürdigerweise hatte ich aber keine Angst und fragte ihn, was er von mir wolle. Er winkte mir, drehte sich um und ging in mein Wohnzimmer, wohin ich ihm folgte. Da ich mich irgendwie als Gastgeber fühlte, bot ich ihm eine Gläschen Wein an. Und so kamen wir ins Gespräch.

"Eigentlich", sagte er, "greifen wir im Himmel ja gar nicht mehr ins irdische Geschehen ein." Aber weil er bemerkt hätte, wie intensiv meine Bemühungen gewesen seien, mir eine Vorstellung vom Himmel mit den vielen miteinander verfeindeten Göttern zu machen, konnte er nicht widerstehen, mir dabei zu helfen.

Und dann erzählte er mir, dass es auch im Himmel eine Evolution gegeben hätte. Ursprünglich kamen die Götter auch immer wieder mal auf die Erde, manche schliefen sogar mit den dortigen Frauen und zeugten Halbgötter. Doch dann kam es unter ihnen zu einem Streit, wer denn nun das Sagen hätte, wem die irdischen Wesen in alle Ewigkeit anvertraut seien. Das konnte auch auf Erden nicht ohne Wirkung bleiben, denn von den vielen Religionen konnte ja wohl nur eine die rechte sein.

Aus dem friedlichen Himmel wurde ein Schlachtfeld – und auf der Erde auch, weil jeder Gott im Himmel natürlich seine Gefolgstreuen hatte. War die Rechtgläubigkeit der Menschen nicht auch ein Beweis, dass ihrem Gott auch im Himmel die Vorherrschaft zukam? Aber der Himmel mit seinen unsterblichen Göttern als ein Dauerschlachtfeld in alle Ewigkeit ohne Chance, dass wieder Frieden einkehrt? Das halten auch die Götter nicht aus! Und so wurde beschlossen, sich jeglicher Einmischung auf der Erde zu enthalten und für die Gläubigen, die ja auch ein Recht auf den Himmel hatten, einen viergeteilten Himmel zu schaffen: einen Christlichen, einen Moslemischen, einen für diejenigen, die nur an die Vernunft und Moral der Menschen glaubten, und einen Multi-Kulti-Himmel für Esoteriker, Wundergläubige aller Schattierungen u.a.

Auf diese Weise kam es zu einem friedlichen Zusammenleben zwischen den vier Himmelregionen und den in ihnen beheimateten Göttern. Nur bis auf die Erde hatte sich diese Fortentwicklung des Himmels nicht herumgesprochen. Statt eines Teilhimmels wollten die gläubigen Menschen den ganzen Himmel für sich. Also musste man für diese störrischen Esel noch einen fünften Bereich schaffen. Den nannte man die Hölle. Mochten sie sich da mit ihresgleichen herumschlagen, denn gemeinsam war ihnen ja ihr Fundamentalismus, die fehlende Toleranz, Andersgläubige überhaupt zu dulden. Es ist wahrlich die größte vorstellbare Höllenqual, sich bis in alle Ewigkeit mit den verbohrten Andersgläubigen herumschlagen zu müssen!

In jeder Religion gibt es die tolerant Gläubigen, die nach ihrem Tode in ihren Teil des Himmels kommen, und die Fundamentalisten, die Fanatiker, die schnurstracks in die Hölle geschickt werden. So begannen auch die Menschen – nicht alle, aber einige – das Problem mit dem Himmel wenigstens zu erahnen und sich entsprechend zu verhalten.

"Meinst Du", fragte mich der Abgesandte der Himmels-Koalition, "dass die Menschen im Laufe ihrer weiteren Entwicklung auch auf Erden das begreifen könnten?"

"Wahrscheinlich", sagte ich, "sind sie wohl noch in der Minderheit, aber den Glauben an den Glauben von der Viergeteiltheit des Himmels sollte man wohl nie aufgeben."


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