»Entsorgung« ist nicht nur ein neues Wort der deutschen Sprache, sondern auch ein neues Problem, dem die Menschheit auf ihrem bisherigen Entwicklungsweg noch nie begegnet ist. Man darf daher annehmen, dass die Wortbildung, die Wortwahl einen Anhaltspunkt für das Problem und seine beabsichtigte Lösung bietet.
Zunächst spiegelt das Wort die »Sorge«, die man sich macht und wahrscheinlich auch machen muss. Es ist aber nicht die Vorsorge, die beabsichtigt ist und die man ins Auge fassen sollte und wollte, und auch nicht die Nachsorge, die nachträgliche Sorge über das, was man angerichtet hat, sondern die Beseitigung der Sorge, die Rückkehr zu der alten Sorglosigkeit, die da war, bevor das Problem auftrat. Wenn man enteignet wird, hat man sein Eigentum verloren. Wenn der Atommüll entsorgt wird, hat er seine Sorgen verloren, falls er vorher welche gehabt hat. Gemeint ist aber wahrscheinlich, dass wir uns keine Sorgen mehr zu machen brauchen. Das ist unverhülltes Wunschdenken, eine Aufforderung, ein Befehl, denn Entsorgungsprobleme sind von hoher gesellschaftlicher Brisanz. Verantwortlich für die Entsorgung sind Wirtschaftsunternehmen, die durch bestechliche Manager nicht nur ins Gerede gekommen sind, sondern uns die Sorgen zurückgebracht haben, die die Entsorgung verursacht hat. Gibt es eine Entwarnung für unsere Sorgen? Zunächst gibt es dafür keinen Grund. Eher haben die Sorgen noch zugenommen. Die Entsorgung hat sich als ein großer Schwindel herausgestellt, möglicherweise der größte Schwindel unseres Jahrhunderts, den unsere Urenkel noch zu spüren bekommen. Die Entsorgung hat uns auf diese Weise mit unerwarteten Sorgen versorgt, die weit in die Zukunft reichen und von Generation zu Generation weitergegeben werden, einige zehntausend Jahre, viel länger als unsere aufgezeichnete Kulturgeschichte in die Vergangenheit reicht. Wahrlich ein gut gewähltes Wort!
|