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Traumfabrik oder vom Sternchen zum Killerkomet

Gestern lief einer dieser Schmelzfilme aus Hollywood, der am folgenden Tag für eine Überflutung von Anwaltskanzleien, Reisebüros und Therapeutensofas sorgt, oder zumindest für tränennasse Schnäuztücher und ein demoliertes Sahnekännchen aus Schwiegermutters Kaffeeservice.
Wenn Russell Crowe zärtlich über die Leinwand flüstert, dann drängt sich erbarmungslos die Frage auf, warum und wann genau das Wölkchen an unserer Seite zum Gewitter mutiert war, der Spatz zum Flugsaurier, die Prinzessin zur Königinmutter und das Igelchen zur Stachelkeule. Denn, sind wir doch mal ehrlich, mit dem einfühlsamen George Clooney, dem Marathoncharmeur, wäre doch alles ganz anders gelaufen. Und mit dem heldenhaften Daniel 'Bond' Craig hätte die ekstatische Leidenschaft kein Ende genommen, das können Sie glauben.
Beim Frustputz auf dem Dachboden spielt mir dann die Vorsehung das verstaubte Foto einer einstigen Jugendliebe in die Hände. Alte Liebe rostet nicht, schmachte ich! Und nach brieflichen Erste-Hilfe-Maßnahmen lässt der verjährte Romeo durchblicken, dass wir eigentlich nie eine richtige Chance hatten. Eben, Hauptgewinn, sag ich doch! Kurz darauf schlägt er ein Treffen vor, an einem Ort, "wo wir auch mal Zeit für uns haben".
Er ist nicht mehr so windschnittig wie ehedem, aber auch meine Kurven sind Aufschüttungsarbeiten zum Opfer gefallen und geben Anlass zu gelegentlichen Schweigeminuten.
Er lächelt mich an und ich lächle zurück, dann zieht er einen Taschenkamm mit seinen Initialen aus der Dehnbundhose, widmet sich gründlich der Frisurpflege, und eins, zwei, drei sind wir an dem Ort, "wo wir auch mal Zeit für uns haben".
Nach einer Weile, die es braucht, um ein Spiegelei zu braten, erzählt er, was er seit der Erfindung des Schneebesens alles erlebt hat. Von einer bisexuellen Freundin, die seine Vorliebe für Swingerclubs teilte, berichtet er besonders weitschweifig. Und nachdem er mal mit einem Psychologen schwatzte (oder aus der Ferne einen laufen sah?), ist er fortan sehr an diesem Fachgebiet interessiert, verschlingt Freud, Jung und die ganzen Seelenschürfer. Zwischendurch ist sein gezahnter Begleiter immer wieder im Rettungseinsatz.
Im Zug, auf dem Rückweg, erfahre ich aus einer vergessenen Illustrierten, dass Telefonrowdy und Nikotinteufel Russell Crowe, wenn seine Frau den Raum verlässt, im Blutrausch der Trennung wackeres Hotelpersonal klinikreif prügelt, dass Flachs-Bond Daniel Craig, dieser Schuft, nicht Auto fahren kann, Weichspüler geschüttelt trinkt und über zwei weggedroschene Zähne waschlappig heult wie Kullertränchen von Mattel, und dass Drehbuchmopser George Clooney ein rücksichtsloser, rüpelhafter Dorfschreck ist, der mit Partysprengsätzen eine unschuldige italienische Gemeinde unterjocht.
Atemlos blättere ich schnell zum Kino-Highlight dieser Woche:
'Legenden der Leidenschaft' mit Brad Pitt.

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