Studienführer Teil 9 - Medizin
Wir tun was für den wirtschaftlichen Aufschwung! Jetzt und exklusiv im Herbst gibt es den ersten ehrlichen Studienführer Deutschlands!
Es war einmal ein Arzt, der wollte sich darum kümmern, dass Kranke wieder gesund werden. Er diagnostizierte, er empfahl Prophylaxe, er therapierte, und immer war ihm das Wohl seiner Mitmenschen das höchste Gut.
Diese Märchenzeiten sind vorbei. Die Halbgötter in Weiß sind ein Stoff für Kitschromane und Seifenopern, in der Realität sind solche Idealisten eine veraltete Minderheit armer Irrer, die sich in Selbsthilfegruppen wie 'Ärzte ohne Grenzen' organisieren und nie so recht auf einen grünen Zweig kommen.
Der moderne, erfolgreiche Arzt von heute ist ein Fließbandarbeiter, der möglichst schnell möglichst viele Patientenkarten durchzieht, ein Spieler, der überhöhte Tarife bei Privatpatienten herauspokert, ein Schnellschreiber, der Formulare nahezu automatisch ausfüllt, während er dem nächsten todkranken Patienten eine teure Therapie ausredet, die ihm zuviel Arbeit und dem Opfer nur eine 70%ige Chance auf ein paar weitere Lebensjahre bieten würde. Der erfolgreichste Arzt denkt zuerst an seine Abrechnung und zuletzt an die Patienten, die bei der Gewinnmaximierung eigentlich nur stören. Ideal qualifiziert sind Techno-, Rave- und Loveparade-geprüfte Menschen, die gerne ihren Berufsalltag wie ein Beamter mit permanenten Doppelschichten und unter dem ständigen Einfluss von Speed verbringen.
Ein besonderes Wort noch zum Zahnarztstudium. Es handelt sich dabei um eine der wenigen Studiengänge für passionierte Sadisten, und ist zugleich eine Spezialisierung, mit der Gehälter sehr viel besser ausgewürfelt werden können als bei den klassischen Arztberufen. Aber auch hier muss man wohl damit leben, dass viel Geld nur mit einer inakzeptabel hohen Anzahl von Wochenstunden zu erreichen ist.
Und deshalb muss das Märchen von heute anders lauten:
Es war einmal ein Arzt, der fuhr dreimal im Jahr in Urlaub. Er machte keine Hausbesuche, keine Notdienste, keine Überstunden. Dieser Arzt war Schönheitschirurg und hatte sich seinen Doktortitel in Russland gekauft, sein Handwerk hatte er als Assistent eines Alkoholikers ohne Lizenz erworben, aber die Reichen und Schönen schworen auf seine geheimen Hautverjüngungstechniken. Dass diese Techniken unter anderem mit radioaktiver Strahlung und einem stark erhöhten Krebsrisiko einher gingen war zum Glück nur ihm selbst bekannt.
Dieser Arzt hatte eines verstanden: Die Gesundheit des Menschen ist gratis und muss dummerweise in der heutigen scheißliberalen Zeit bei arm und reich gepflegt werden. Deshalb beschäftigen sich nur die Handwerker unter den Ärzten mit solchen Trivialitäten und werden entsprechend mager belohnt. Die Schönheit und die Eitelkeit hingegen gedeihen am Besten auf den Feldern, die mit viel Geld und reichlich Dummheit gedüngt sind. Hier lässt es sich gut, gerne und vor allem reichlich ernten. Der allerseits angehimmelte Märchenprinz im weißen Ärztekittel ist heutzutage weder der geniale Forscher noch der hyperaktiv-geniale Retter von Menschenleben, sondern der selbstbewusste, sonnenverbrannte Schönheitschirurg. Falls Ihnen der Einstieg in diese Szene verwehrt bleibt, können Sie leider nur noch in das weite Feld des professionellen Dopings einsteigen, wo Gerüchten zufolge ebenfalls recht gute Gagen verdient werden können. Allerdings haben Sie dabei ständig mit Sportkanonen, sprich pubertierenden Gehirnamputierten, zu tun, die trotz ihrer kargen Geisteswelt das Selbstbewusstsein eines Nobelpreisträgers haben. Und wenn diese minderbemittelten Herren und Damen beim Doping erwischt werden, können sie aufgrund von Unzurechnungsfähigkeit mit Freisprüchen rechnen… und Sie sind die arme Sau, die es ausbaden muss!
Nein, nein, wenn Sie trotz Gesundheitsreformen und finanziellem Kahlschlag unserer Gesundheitssysteme Karriere in der Medizin machen wollen, dann nehmen Sie sich die Fettabsauger sowie die Brust- und Faltenaufspritzer zum Vorbild! Eine Empfehlung zur Marktforschung: Schauen Sie sich die allgegenwärtigen Gesichtszombies in den Realityshows an! Dann wissen Sie: Selbst mit mäßigen Leistungen können Sie als Schönheitschirurg ganz nach oben kommen!