Über die Band 'Element of Crime'...
Über die Band 'Element of Crime' in wenigen Sätzen
An wünschelrutigen Rätseln ist diese Welt, in der man tagtäglich zu Rande kommen muss, nicht gerade arm. Eines dieser Rätsel ist und bleibt jene musisch-hochstilistische, fast entgeisternde Frage: Warum mag die Wahlberliner Band 'Element of Crime' eigentlich so seltsam beleumundet sein? Sind wir doch mal ehrlich. Vorausgesetzt, Sie kennen, resp. mögen die Songs von Element of Crime in einer wunderbar anmutenden Weise, wie ich es von mir selbst behaupten kann. Ist es nicht der immergleiche Dialog:
"Hach, du hörst Element of Crime? Bist du so allein? Geht's dir schlecht? Kann man helfen? Oder noch schlimmer: Können wir drüber reden? Über irgendwas, du wir können die CD ruhig dabei laufen lassen, wenn's dir nur hilft."
Element of Crime stellten während der Aufnahmen zur Platte 'The Ballad of Jimmy and Johnny' im Jahr 1989 fest, dass man vor allem für zumeist anglistisch umwobene Ohren mit einem sehr gewagten Bremer Slang die Sprache John Cales nicht unbedingt auf ewig in die Länge ziehen kann. Als sie dann anfingen, bei Livekonzerten ausgewählte Stücke der ewigen Mythen in linksliberalen Tüten von Brecht und Weill aufzuführen, muss es im Bandbus auf der Strecke Lüdinghausen-Bielefeld wohl zum sehr weisen Entschluss gekommen sein: in the mood of the ducks, let's try to sing only in the mothercake, in deutsch. Und das taten sie dann. Bis heute. Der tontragende Nachfolger von 'Jimmy and Johnny' nannte sich 'Damals hinterm Mond'. Es folgten - wie jene genannte Platte - bis heute die Songrepertoires, mit denen es, sehr prima umsorgt von der noch recht unverbrauchten Firma Motor Music, markant nach oben ging. In die tönenden Verkaufscharts. In die großen Konzertsäle. Mit den Feuerzeugen unter der Decke. Dass da man nichts anbrannte in schwerer See.
Element of Crime schreiben Lieder, Chansons & Songs. Das mag zwar auf den ersten Blick irgendwie nur deutsch, französisch & englisch übersetzt, ja gleich klingen, doch es gibt einen Unterschied zwischen dem, was andere Bands zusammenspielen und dem typischen Lied von Element of Crime. Es klingt eben element-of-crimig, wenn Sänger Sven Regener die güldene Trompete hebt und dem Publikum rasant dosiert einen Hauch von Trauer einbläst. Meistens in Moll, in a- oder d-Moll. Sie gelten als Kummerkastenband ob dieses Umstandes. Es müssen viele Menschen viel Kummer haben in diesem Land. Die Verkaufszahlen, die stets überfüllten Zusatzkonzerte von Element of Crime, belegen dies. Element of Crime kann man - im Vergleich zu weiteren, geheimen Liebschaften auf dem Musikermarkt - öffentlich hören. Ohne sich dafür schämen zu müssen. Selbst Menschen, für die das unbekannte, bibelrüchige, ja pädagogische Wort der 'Verständnis' eigentlich fremd ist, nicken beharrlich mit dem Specknacken. Sie erkennen: Da gibt sich jemand einer ihnen unbekannten Form der Intonisierung hin. Weder wird geschrieen, noch gerappt, noch wirklich gesungen. Es streichen die Geigen, die Gitarren zirpen wie Grillen, das Schlagzeug snart sich bedächtig dahin. Ein Break. Und die Trompete von Sven Regener weint dazu. Verständnis kommt auf im unbekannten Zuhörer mit dem Specknacken. Schon bald wird auch er eine Platte von Element of Crime kaufen wollen.
Eines traurigen Tages werden sich Element of Crime vermutlich trennen, ja auflösen, wie es dann im Rolling Stone, im Spiegel und in jeder verhuschten Stadtillustrierten verkündet werden mag. Wohin dann mit all dem Kummer? Mit all dem wunderbaren Schaum vorm Mund? Man möchte für die rätselhafte Menschheit hier gerne hoffen, dass dies nicht so bald geschieht. Und spult immer wieder zurück im Autotapedeck. Das Lied von Element Crime. Es bringt dich sicher nach Haus, ins traurige Heim.