Tschüss ZYN! - Ein Nachruf
ZYN!, das selbsternannte "einzige deutsche Satiremagazin" hat endlich etwas mit der TITANIC gemeinsam: beide sind untergegangen.
ZYN!, das 1992 als eine Art Newsletter aus dem Boden gestampft wurde und seit 1995 im Netz mit eigener Seite präsent war, ist seit zwei Wochen sang-, klang- und humorlos vom Erdboden verschwunden. Die Frage, mit welchem Eisberg ZYN! zusammenstieß, muss wohl eher lauten: mit welchem nicht? ZYN! bescheinigte sich eine hohe Anzahl von Autoren, angeblich bis zu 300 Freiwillige schrieben für das Internetmagazin, doch trotz dieser Quantität sank die Qualität immer mehr. Texte wurden nicht redigiert, nicht auf Fehler überprüft, und auch nicht (auch wenn sie noch so miserabel waren) abgewiesen, Geschmackloses hatte seine eigene Sparte: die "Splatter"-Zone. Für Beiträge der Kategorie "Was issn daran Satire?" gab es den "Tucholsky" und für brandeiligen Dünnschiss die "News".
Es wurden immer mehr Säue unter die Perlen geworfen, mit dem Ergebnis, dass die richtig guten Autoren - von denen ZYN! einige hatte - im Morast versanken und irgendwann ihre Motivation verloren. Wirklich ALLES ging bei ZYN! (da kannte ZYN! wirklich keine Gnade), und nun heißt es rien ne vas plus, wenn man auf die Homepage kommt.
Der Zuspruch von 'Oben' fehlte. Das Rubinzimmer stand leer, weil der GroeHaZ (Größter Herausgeber aller Zeiten), Markus Klein alias Sammy, sich rar machte und die 'Schergen' ließen die Sau raus. Die polnische Putzfrau hatte im Tower immer weniger zu tun, da die Ratten das sinkende Schiff langsam aber sicher verließen. Das Publikum erreichte nur noch selten das postpubertäre Stadium und die Towerbitches machten sich daher lieber dünn als strafbar.
ZYN! hatte viele gute Ideen, um die Leser bei Laune zu halten. Leider wurden viele dieser Ideen nicht ausgeführt, wie z.B., die getragenen Socken und die Unterwäsche der Autoren bei eBay zu versteigern. Die brillante Maßnahme, den "Spiggl" als Spiegel-Online Parodie einzuführen, hielt leider nur eine Weile vor, dann verlor der Herausgeber das Interesse und widmete sich seinem neuesten Projekt namens "Toonster". "Toonster", das sich später als größter Sargnagel ZYN!s entpuppte, vermarktete die Comics der hauseigenen "Stricher". Da Marketing gelernt sein will, wurde "Toonster" zu "Doomster" und zog ZYN! gleich mit in den monetären Abgrund. Da halfen auch die ganzen Spenden nichts, die einige Autoren (auf Bitten des Herausgebers) regelmäßig an ZYN! zahlten.
Inkonsistenz, wenn nicht gar Inkontinenz, verbreitete sich auf der Homepage.
ZYN! hatte seine "famous Moments". Opel klagte und Friedrich Merz klaute. Doch statt diese öffentlichen Momente und erhöhten Zugriffe zu nutzen, um die eigene Darstellung ein bisschen aufzupolieren, erstarrte ZYN! zur Salzsäule.
Da, laut Otto Graf von Bismarck, einem etwas fehlt, wenn man einen ebenbürtigen Konkurrenten überlebt, nehmen wir ehrlich bestürzt Abschied und sagen: "Macht's gut und danke für den Fisch!"
"Man soll den Gegner nicht schlechter machen, als er ohnehin ist."
Mark Twain, (1835 - 1910)