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Reif für ein Stück Urlaubsflieger

Bei einem Geschäft in der Damentoilette in Abflughalle A erfuhr unsere Redakteurin, dass, wie aus Insiderkreisen der DGLR e.V. der Putzkolonne des Frankfurter Flughafens zugespielt wurde, die Lufthansa AG ab 2007 mit Time-Sharing ihre maroden Kassen aufbessern will. Um die Nachwehen ihres operativen Verlustes von 2003 vollständig hinter sich zu lassen und wieder ganz vorne mitzufliegen, wird die Linie mit dem Kranich nach dem Vorbild der Ferienwohnungdrücker zukünftig auf internationalen Flügen ihren Passagieren ein Stück Flugzeug anbieten.

Und zwar können Willige ab 10.000 Euro einen Mittelplatz kaufen, ab 15.000 Euro gibt es schon einen Gangplatz und Fensterplätze und Notausgänge werden ab 20.000 Euro gehandelt. Wer einen Sitz der Business Klasse für bis zu 10 Rundflügen pro Jahr sein Eigen nennen möchte, zahlt das Doppelte und die First Class ist auch beim Time-Sharing nur für Wohlhabende erschwinglich.

Für 120.000 Euro kann sogar der Co-Piloten Sitz erworben werden. Anwärter auf diesen begehrten Platz müssen sich jedoch einem medizinischen Test aussetzen, um Höhenangst, Rot-Grün-Blindheit(das Cockpit ist vollgestopft mit Kontrolllampen) und Fischallergie auszuschließen. Ein psychologisches und ethisches Gutachten soll sicherstellen, dass der Passagier weder selbstmordgefährdet, noch aktiver, bzw. potentieller Alkoholiker ist und keine religiösen Wahnvorstellungen mit 2765 Jungfrauen hat. Somit sind bereits alle Hartz-IV Empfänger, ein Großteil der Politiker und die gesamte HERBST-Redaktion als Vize-Kapitäne ausgeschlossen.

Die Verkaufsveranstaltung findet in freiem Flug statt. Nach der Vorführung des Sicherheitsvideos werden die Sicherheitsgurte per Knopfdruck fest verankert und die Passagiere müssen sich einen halbstündigen Werbefilm mit dem Titel 'Your Own Piece of Heaven' ansehen, in dem die Vorzüge am eigenen Fugzeuganteil gepriesen werden. Lufthansa plant, als Pilotversuch zuerst 50% der Sitze nur einer Boeing 777 zu verkaufen, und zwar die Reihen F bis K. Die Vorteile des Anteilseigners gegenüber dem Pauschaltouristen versprechen unter anderem besseren Service und hübschere Stewardessen, während die Reihen A-E sich mit mehr Eis als Whiskey in ihren Bechern zufrieden geben müssen und sich so die ausgemusterten Flugbegleiterinnen nicht einmal mehr schön trinken können. Des weiteren bekommt A-E ausschließlich übriggebliebene und zurückgegebene Bordmahlzeiten der Ethiopian Airlines serviert.

Während die Schlussmusik 'Time-Share flies' (eine Neuauflage des Hits von Puddle of Mud) des Filmchens noch leise ausklingt, verteilen die Flugbegleiter bereits die Vertragsformulare. Wer diese ausfüllt, darf sich endlich abschnallen und auf die Bordtoilette, die zukünftig auch nur noch von Time-Sharern mit Schlüsselkarte geöffnet werden kann. Pay-as-you-Fly Passagiere müssen sich diesen Luxus bald verkneifen oder eben eine leere Flasche mitnehmen, so ein Pressesprecher der Deutschen Lufthansa. Erwachsenen-Windeln seien dann ebenfalls gegen einen geringen Aufpreis vor dem Flug am Gate erhältlich

Für Vielflieger ist das Angebot recht verlockend, denn der Sitzanteil wird für 15 Jahre erworben und kann jederzeit weiterverkauft werden. Die Lufthansa selbst aber macht einen Riesengewinn, da - im Gegensatz zu Time-Share-Wohnungen - der Platz jeweils nur bis zu einem Tag belegt wird und so um ein Vielfaches öfter verkauft werden kann, als der Anteil einer Ferienwohnung, die im Normalfall für Wochen besetzt ist. Wie auch beim Vorbild können die Plätze untereinander getauscht werden, um dem Besitzer maximale Flexibilität zu garantieren. Die Fluggesellschaft spart damit auch Tausende von Euro für Wartung und Pflege der Sitze ein, weil sich die Anteilseigner an diesen Kosten beteiligen müssen.

Zögern die Passagiere und lassen in ihrer Begeisterung für diese verlockende Gelegenheit zu wünschen übrig, notlandet der Pilot unter einem Vorwand in unwirtlichen Orten wie Madras, Iowa, Grönland oder Mallorca und fliegt nicht weiter, bis ein Großteil der schwitzenden bzw. frierenden Teilnehmer den Vertrag unterschrieben hat. Der glückliche Teilhaber bekommt eine Urkunde, einen Flugplan mit allen Zielen 'seines' Fliegers und eine technische Zeichnung der Boeing, in der sein Sitz genau markiert ist. Außerdem erhalten alle, die an der Verkaufsveranstaltung teilgenommen haben, zwei Eintrittskarten für Euro-Disney - gültig November bis Februar, eine Mappe mit Kunstdrucken eines erfolglosen Wandmalers sowie eine Pilotenuhr aus Plastik. Schwer Entschlossene können zukünftig ihren Anteil natürlich auch auf sicherem Boden in jeder Lufthansa-Geschäftstelle oder online unter www.lufthansa.com/timeshare erwerben, nur entgeht ihnen dort der steuerliche Duty-Free Vorteil über den Wolken.

Zu den Anfragen unseres Chefredakteurs, ob die Stewardessen ebenfalls anteilig - vorzugsweise der mittlere Teil - erworben werden können, äußerte sich die Deutschen Lufthansa bisher noch nicht.

Für Marc F., als Dank für die Inspiration durch 'Rheumadecken im ICE'

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