'Sprich mit mir' oder 'Der Frauenflüsterer'
Elvira, hilf mir! Egal was ich tue, ich kann es meiner Frau nicht rechtmachen!" So und ähnlich beginnen viele Mails verzweifelter Männer, die den einen großen Unterschied zwischen Frau und Mann noch nicht begriffen haben:
Männer wollen eine Lösung, Frauen wortreiches Mitgefühl.
Dieser Grundkonflikt der Diskussionsinkompatibilität zwischen den Geschlechtern wird oft ignoriert, denn meistens ist es so, dass man sich um das Wohl des Anderen kümmert, als ob es das eigene wäre. Das heißt, man macht das, was man selbst in dieser Situation von seinem Partner erwarten würde. Richtig? Richtig, doch hier gerade deswegen falsch!
Ein Mann - ein Wort - außer beim Sport
Männer - und da hat sich seit dem Säuglingsalter nicht wirklich etwas verändert - geben nur Laut, wenn sie etwas brauchen.
Wenn ein Mann sagt "Ich habe Kopfschmerzen!", dann steckt da nicht etwa eine komplizierte psychologische Ursache dahinter, sondern wahrscheinlich war wie immer das letzte Bier von gestern Abend schlecht und der Kronleuchter zu tief.
Wenn ein Mann sagt "Ich habe Kopfschmerzen!", möchte er keinen Fragenkatalog von "Hast Du Ärger im Büro?" bis "Vielleicht drücken die Hämorrhoiden auf einen Nerv?" beantworten.
Wenn ein Mann sagt "Ich habe Kopfschmerzen!", geht es ihm nicht um eine Runde Mitleid aufs Haus.
Wenn ein Mann sagt "Ich habe Kopfschmerzen", will er verdammt nochmal nur ein Aspirin und ein Glas Wasser.
Merke: Männer wollen Antworten, Frauen wollen Fragen
Männer reden daher auch nicht gerne über ihre Arbeit. Es sei denn, die Angetraute wäre bereit, Schneider aus der Finanzbuchhaltung mit der Doppelläufigen zu erschießen, dann würde mann öfter das eine oder andere Problem aus dem Büro mit nach Hause nehmen. - Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber grundsätzlich kann die Partnerin beim beruflichen Stress nicht viel machen.
Hinter der verbalen Enthaltsamkeit steckt auch keine Gehässigkeit, geschweige denn das Verheimlichen interessanter Details wie die Arschkopierparty der Marketing-Abteilung.
Nein, das ist es nicht! Ein Mann findet nur nach einer wohlkalkulierten Aufwand-Nutzen-Rechnung, dass sich die Mühe des Redens nicht lohnt, wenn die Ausbeute aus Sympathie und Mitleid besteht. Sympathie und Mitleid anzunehmen ist für manchen Mann so undenkbar, wie sein Foto in Damenunterwäsche der Abteilung als neuen Bildschirmschoner zur Verfügung zu stellen. James Bond, Highlander und Spiderman. Letztendlich auch alles Männer, die keine dieser Gefühlspräsente brauchen. Na also!
Und ganz ehrlich: es interessiert uns Frauen auch nicht wirklich, wie sein Tag war, aber wissen müssen wir es trotzdem. Unseres Seelenfriedens wegen. Nicht auszudenken, wenn er ohne uns Spaß hatte.
Die Aufforderung "Sprich mit mir!" gehört daher zum Feierabend mit dazu wie das 'Amen' zum Gebet.
Wenn Männer dann mal wirklich ihren gesamten Wortschatz riskieren und reden wollen - über die Eintracht oder wie man am besten einen Barsch fängt - dann, mal ehrlich Schwestern, geht uns das an eben demselben Barsch vorbei. Weil freiwillig gilt nicht!
Eine Frau - ein Buch - ein Rotes Tuch
Irgendeine berühmte Persönlichkeit (ich meine, das war sogar ich) sagte mal: "I talk because I can!"
Das trifft so ziemlich den Kern. Frauen reden, weil niemand sie daran hindert.
Aber obwohl eine Frau keine Gelegenheit verstreichen lässt, um ihre Stimmbänder zu stimmen, geht sie verschlungene Wege, wenn sie ihrem Partner ein Problem mitteilen möchte.
Wenn eine Frau sagt "Ich habe Kopfschmerzen!", dann darf man ihr keine Aspirin anbieten, denn "darum geht es nicht, du unsensibler Hackklotz".
Wenn eine Frau sagt "Ich habe Kopfschmerzen!" , sollte man seinen Kumpel anrufen und den geplanten Pokerabend wegen Zeitmangel absagen.
Wenn eine Frau sagt "Ich habe Kopfschmerzen!", sollte man spätestens jetzt Angst vor dem Ungewissen bekommen.
Wenn eine Frau sagt "Ich habe Kopfschmerzen!", hat das einen Babuschka-Effekt!
Das kann man sich folgendermaßen vorstellen:
M: "Woher meinst du, kommen die Kopfschmerzen?"
Erhoffte Antwort: "Nichts weiter, ich habe nur meine Tage."
F: "Vielleicht, weil ich seit Tagen nicht mehr geschlafen habe..."
M: "Warum kannst Du denn nicht schlafen?"
Erhoffte Antwort: "Ich stelle mir nachts immer vor, wie wir wilden ausdauernden Sex haben."
F: "Mir geht durch den Kopf, was du gesagt hast."
Intermezzo unheilschwangeren Schweigens, in dem Mann sich versucht zu erinnern, was und wann er etwas gesagt haben könnte, das schlaflose Nächte und resultierend Kopfschmerzen verursacht.
Ohne Erfolg.
M: "Was habe ich denn gesagt?"
Wenn man Glück hat, erhält man noch am gleichen Abend nach wiederholtem Bitten die Aussage, man habe vor Wochen eine Bemerkung über das Aussehen der neuen Freundin eines gemeinsamen Bekannten gemacht. Die Bemerkung, sowie den Bekannten samt Freundin hat man schon längst vergessen und ihr selbst ist das ehrlich gesagt auch eben erst wieder eingefallen, aber was soll's:
Etwas im Allgemeinen und das im Besonderen musste sowieso mal gesagt werden!
Fazit: Wenn sich die beste Freundin Ihrer Frau mal wieder daneben benommen hat, nicht einfach nur ratschlagen "Dann sag ihr doch einfach was dich stört!", und zur Fernbedienung greifen, sondern Ohren auf Durchzug und los: "Erzähl's mir von Anfang an und lass kein Wort aus!"
Und vergessen Sie nicht, mir von dem spontanen Orgasmus, den dieser Satz bei ihr ausgelöst hat, zu schreiben!
"Frauen haben eine gewandte Zunge; sie reden viel eher, viel leichter und angenehmer als Männer." (Jean-Jacqüs Rousseau )