E-Mail from God
Gestern habe ich eine Mail mit dem Betreff 'E-Mail from God' bekommen. Landete in meinem Spam-Postfach und blieb daher erst einmal unbemerkt. Man sollte meinen, Gott weiß, dass man nicht einfach so die gesamte Erdbevölkerung in die Adresszeile eintragen und dann an den Junkmail-Filtern vorbei predigen kann.
Doch weshalb wählt der große Meister gerade diesen Weg, um der Menschheit seinen Willen mitzuteilen? Warum nicht auf die gute alte Art und Weise, mit Donnergrollen, Lichtstrahl durch die Wolken und die Hand Gottes zeigt auf seine Schäfchen hinab und aus dem Off kommt die heilige Botschaft?
Das ist ja heutzutage nicht mehr so einfach. Bei Special Effekts aus heiterem Himmel denkt jeder sofort an Peter Jackson, der entweder 'Braindead 2' oder den noch geheimen vierten Teil von 'Der Herr der Ringe' abdreht. Vielleicht handelt es sich auch einfach nur um eine Bierwerbung für 'Engelbräu'.
So wurde mein Bräunungsvorgang am Strand diesen Sommer von einer riesigen Corona-Flasche am Firmament beschattet. Da glaubte ich zuerst noch an einen göttlichen Lieferservice, bis ich die kleine Propellermaschine sah, die das Banner zog. Solche Enttäuschungen sind es doch, die immer mehr Leute vom religiösen Glauben abziehen.
Außerdem erfordert die antike Methode viel zu viel Arbeit: die himmlische Nebelmaschine an, raus aus den Wolken, rein in die Wolken, jedes Mal den gleichen Sermon herunterbeten und das immer und immer wieder in alle vier Himmelsrichtungen. Das hat schnell den schlechten Beigeschmack eines Vorwerk-Vertreters, dem schon aus Prinzip jeder mit einem herzlichen "Geh' zum Teufel!" die Tür vor der Nase zuschlägt.
"Oh Gott, ja, bitte komm!"
Gott wurde ja schließlich nicht erst gestern aus sich selbst geboren. Der kennt seine Pappenheimer, auch wenn sie über die Jahre ein Eigenleben entwickelt haben. Dieser Computerkram zum Beispiel ist ganz klar ein Werk des Gehörnten. Bill Gates wurde dafür direkt exkommuniziert. Aber wie philosophierte Luther so passend: "Man muss die Sprache des Volkes sprechen." Schön und gut, doch dafür muss der Erlöser erst einmal wieder Zuhörer finden. Inzwischen betet ja niemand mehr.
"Oh Gott, ja, bitte komm!" ist - wie der Erschöpfer jedes Mal schweißgebadet am Tatort feststellen muss - nicht an ihn gerichtet, sondern an Adams Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel, der es der - immerhin knienden - Bittstellerin gerade überirdisch a tergo besorgt.
Ganz klar, der Monolog an Gott ist out. Gibt es doch im Internet eine Unzahl von religiösen Talkgroups, die jede Glaubensfrage per Mausklick beantworten. Und das innerhalb von wenigen Minuten. Wer möchte da schon lebenslänglich auf ein Zeichen des Allmächtigen warten, das zu allem Überfluss auch noch interpretiert werden muss?
'Theologie-Forum' statt brennendem Dornbusch und überhaupt: Wer war der Creator dieses Netzes ex Nihilo noch mal? Lee? Wird wegen Gotteslästerung ebenfalls exkommuniziert. Bill Gates bekommt zusätzlich noch die sieben Plagen für den Windows Explorer auf den Hals. Just to make sure.
Zeit für Gott, sein eigenes Netz aufzubauen; world wide worship.org oder die Omnipotent-GmbH statt dem Ego-Tripper Ich-Ag. Ohne eigene Internetpräsenz wird ja niemand mehr ernst genommen und www.gott.com ist derzeit noch 'under construction', und zwar schon länger als die üblichen 7 Tage.
Ein bisschen moderner sollte er seine Botschaften formulieren. Tod und Teufel schüchtern niemanden mehr ein, selbst die Leiden Christi bebildern inzwischen das übliche Vater-Sohn-Verhältnis und mit Marihuana hat die kirchliche Weihrauchdröhnung auch ihre Anziehungskraft verloren.
Doch man soll die Hoffnung und den Glauben ja nie aufgeben. Gott findet einen Weg, selbst zu seinen hippsten Jüngern, denn Gott ist der Weg, bzw. inzwischen auch die Datenautobahn - wie man ganz deutlich an seiner E-Mail sieht.
Der Inhalt seiner Botschaft?
Dass sich alle meine weltlichen Probleme mit einer simplen Penisvergrößerung lösen lassen.
Ich habe es geahnt! Gott ist ein Chauvinistenschwein!
"Nach der alten Religion ist ein Atheist, der nicht an Gott glaubt. Die neue sagt: Atheist ist, der an sich selbst glaubt.“ Swami Vivekânanda
"Ich war Atheist, bis ich gemerkt habe, dass ich Gott bin" Unbekannt