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Lass uns Freunde bleiben

Seit der Großteil der Menschheit in der Lage ist, über das Grunzen hinaus zu kommunizieren, wird mehr verbaler Abfall produziert, als vom Gehirn recycelt werden kann.
Für die Kategorie "Worte, die die Welt nicht braucht" qualifizieren sich vor allem all die Sprüche, die man sich am Ende einer Beziehung anhören muss. Ganz oben im Kurs steht der Satz, für den der Urheber nackt ausgezogen, mit Salz eingerieben und in eine Ziegenherde geworfen gehört:

"Lass uns Freunde bleiben!"

Das muss man sich mal verinnerlichen! Eben noch wurde das Herz durch den Eierschneider gedrückt, man hat zusammen geweint – der eine aus Schmerz, der andere aus Reflex – und jetzt heißt es "Schwamm drüber , Pflaster drauf, Küsschen aufs Nüsschen und wir haben uns wieder lieb!".
Dass statt des Küsschens nicht das Knie in den Nüsschen landet, verdankt der Exekutor nur der Tatsache, dass sich sein frisch fallengelassener Partner vor Schock noch nicht rühren kann und, in den Fängen eines schweren geistigen Ausnahmefehlers, womöglich auch noch zustimmt.

Hintergrund und Ziel dieser Floskel sind dabei grundverschieden - je nachdem ob die Frau oder der Mann sie anwendet.
Die Frau meint es ernst! Das ist wirklich so, das können Sie mir als entfernte Verwandte dieser Gattung glauben. Man hat ja schließlich Zeit zusammen verbracht, Schmierstoffe ausgetauscht und tief innen ist immer ein Platz für den Verflossenen reserviert. Zwar im Hinterhof bei den Toiletten, aber das ist eh das Kleingedruckte.
Die Absicht hinter dem Friedensangebot ist das berühmte 'Eisen im Feuer', das so schön das Ego – in Zeiten einsamer Langeweile auch schon mal das Bett - wärmt und bei einem Streit mit dem aktuellen Lover ohne größeren Aufwand als Schulter zum Ausheulen herausgeholt werden kann.

"Wer lässt sich denn so auf die lange Bank abschieben?", fragen die Herren Leser sich jetzt entgeistert, während sie die Einträge ihrer Damaligen aus dem Telefonregister löschen.
Da wären zum Beispiel:
der Nostalgiefreak, der, wie wir Frauen nach dem Wunder der Geburt, im Laufe der Zeit das Negative vergisst und sich nur noch an die schönen Momente erinnert, der Ungläubige, der sich - ähnlich einer rastlosen Seele nach einem plötzlichen Tod - weigert, ins Licht zu gehen, der Verzweifelte, der denkt "So eine wie die bekomme ich nie wieder!" und nicht zu vergessen der Rächer, in der utopischen Hoffnung, sie zurückzubekommen, um es ihr dann heimzuzahlen.

Der Mann dagegen lügt wie gedruckt! Das Letzte, was er will, ist dieses heulende Elend jemals wiederzusehen. Das würde nur stören, seine Neue ist nämlich schon seit Monaten rasend eifersüchtig auf seine 'Mitbewohnerin'. Bei dem männlichen Schlussmacher definiert sich 'Die Freundschaft Danach' als "Sei nett und mach keine Szene, ruf mich nicht an und gib mir bitte Deine Kopie von dem Video zurück. äh, Du weißt schon welches."
Doch leider hält sich nicht jede Frau an diese versteckte Botschaft. Da gibt es die Mutation, die lange tränenfeuchte Briefe schreibt, sich ausdauernd und wortreich für Fehler entschuldigt, die sie nie begangen hat und ihm regelmäßig zum Geburtstag eine Karte schickt.
In ihrer allnächtlichen Vorstellung öffnet ihr Entfleuchter die Post mit zitternden Händen, führt das salzige Papier zu seinen Lippen und wird ohnmächtig, als ihm bewusst wird, welch kapitalen Fehler er da begangen hat.
Träum weiter, Schwester!
Die nüchterne Wahrheit ist die: Briefe und Karten werden gelesen, beschmunzelt und mit dem Gefühl, ein toller Hengst zu sein, nach hinten in das Regal geschoben. Irgendwo zwischen das Benutzerhandbuch für Windows 95 und den Steuerratgeber 2001.

Gefährlich ist das Weibe, das "Eine verhängnisvolle Affäre" zu ihren Lieblingsfilmen zählt. Sie lauert ihrem Opfer vor dem Fitnessstudio auf, folgt ihm in die Kneipe und beschimpft ihn vor seinen versammelten Freunden mit Tiernamen und Musikinstrumenten (Kalter Fisch, Dummes Schwein, Arschgeige, Flötenhirn). Sie ruft seine neue Freundin an, um ihr von seiner sexuellen Vorliebe für Shetland-Ponys zu erzählen; seine Eltern wissen bereits Bescheid.
Oft bleibt dem Mann nur noch der Kauf einer neuen Identität und die Flucht nach Tibet.

All das hätte man sich ersparen können, wären da nicht die so leichtfertig ausgesprochenen Worte gewesen. Die weiteren gefährlichen Plattitüden aus dem Handbuch "Schlussmachen für Dummies" und was sie wirklich bedeuten, sind:

Platz 2: "Es liegt an mir und nicht an Dir."
( "Wenn Du das jetzt glaubst, dann bist Du blöder als ich dachte!")
Platz 3: "Ich muss eine Weile allein sein."
("Immer diese heimlichen Treffen mit anderen Frauen/Männern machen mich wahnsinnig.")
Platz 4: "Ich werde es wahrscheinlich später bereuen, aber..."
("...das wäre dann wirklich das erste Mal!")
Platz 5: "Nein, es gibt niemand Anderen."
("Jedenfalls offensichtlich nicht in Deinem Leben, haha!")
Platz 6: "Du hast etwas Besseres verdient als mich."
("Ich bin ein Lügner, Betrüger und Ehebrecher.")
Platz 7: "Vielleicht kommen wir in ein paar Jahren noch mal zusammen…"
("Für eine Nacht; der guten, alten Zeiten wegen.")
Platz 8: "Mir geht es jetzt total schlecht."
("Wahrscheinlich liegt es an dem 5-Gänge Menü, das Du heute zu unserem dreijährigen gemacht hast.")
Platz 9: "Das ist jetzt nicht leicht für mich!"
(" Hey, ich muss hier die ganze Zeit texten und Du flennst nur!")
Platz 10: "Du findest bestimmt bald jemand Neues!"
("DAS möchte ich sehen, wer Dich noch will!")

"Der Unterschied zwischen Liebe und Krieg: Kriege fängt man meist nicht gemeinsam an, aber man kann sie gemeinsam beenden. Liebesbeziehungen fängt man meistens gemeinsam an, aber sie werden meist nur von einem beendet." Wolfgang J. Reus (*1959)

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