Brief an John F. Kerry
Dear Senator Kerry!
Da Sie nun auch offiziell als ernstzunehmender Gegner und Kandidat für die Präsidentschaftswahl in den USA nominiert wurden, wird es Zeit für einen offenen Brief.
Who the F*** is Kerry?
Das fragten sich nicht nur politisch Verarmte wie ich, sondern auch diejenigen mit dem Finger am Puls der Zeit und dem Newsticker als Bildschirmschoner, als Sie der staunenden Welt als demokratisches As im Ärmel vorgestellt wurden.
Das Deja-Vu Gefühl, Sie schon irgendwo gesehen zu haben, entpuppte sich schnell als eine frappierende Ähnlichkeit Ihrer Person mit John Cleese in Perücke. Was Ihnen Anfang November bei Monty Python Fans jedoch sicher einige Extrapunkte mehr einbringen wird.
Sie sind nun mal kein Schauspieler, Wrestler oder Vatersöhnchen, wie soll sich die Öffentlichkeit da ein vernünftiges Bild von Ihnen machen können?
Nun ziehen Sie doch nicht so ein langes Gesicht! Sie verstehen mich falsch, Ihre Unbekanntheit ist durchaus ein Plus. Schließlich weiß jeder bereits, was er von George W. Bush zu erwarten hat und besitzt dementsprechend - nach vier Jahren destruktiver Amtszeit - eine geringe Erwartungshaltung. - Hauptsache, er drückt nicht aus Versehen auf den roten Knopf!
Der gute Dabbelju ist sogar schon so nervös, dass er bei jeder Fehlzündung des Mopeds seiner Tochter die Antiterroreinheit anruft. Verwandte und Nachbarn sind sich einig, dass es Zeit wird, dass er sich auf seinen Alterssitz in Maine zurückzieht.
SIE jedoch sind eine WildCard, ein Clark Kent, der nur noch in das Supermann-Kostüm gesteckt werden muss; und nicht nur das amerikanische Volk sieht in Ihnen den Weltfriedensstifter und Rächer der Armen. Rund um den Globus stützt sich die Hoffnung der Menschheit auf Ihre zukünftigen Taten. Ein Robin Hood aus den Wäldern Massachusetts - oder doch eher Little John?
Da tut es auch nichts zur Sache, dass Sie sich in Ihrem Wahlkampf so oft widersprechen.
So kritisieren Sie Bush, er missbrauche den 9/11 Terror-Krieg als Werbung für sich. Das sei unmoralisch.
Wir sind mit Ihnen einer Meinung, dass der Vietnam-Krieg dagegen ein legitimer Appell an die Wählerschaft ist. Schließlich haben Sie ihrem Land gedient und nicht wie Ihr Kontrahent den Schwanz eingezogen als es zum Dienst an der Waffe ging.
Doch damit nicht genug. Zwar glorifizieren Sie sich als Kriegsheld, verurteilen jedoch gleichzeitig Vietnam in posterum, indem Sie alle Ihre, für die Ausübung ihre Pflicht erworbenen, Medaillen wegwerfen. Außer den Purple Hearts natürlich, denn da hängt – na, was schon - ihr Herz dran. Durchaus verständlich, Mr. Kerry.
Auch was die Eheschließung unter Homosexuellen angeht, da können Sie sich nicht entscheiden. Als Senator von Massachusetts – dem ersten US-Staat, der diese erlaubt - sind Sie zuerst dafür, dann dagegen und nun wieder dafür. Wie kommt's? Hat ihr Friseur sich geweigert, Ihnen weiterhin die Haare zu legen?
Sie sagen, George Bushs Politik ziele nur auf die Reichen des Landes ab. Verzeihen Sie mir, wenn ich mich frage, wie Sie bei der Selektion Ihrer Ehefrauen vorgehen. Ihre derzeitige Angetraute ist schließlich die 600 Millionen Dollar Erbin des Riesenkonzerns Heinz. So sehr kann man Ketchup gar nicht mögen. Böse Zungen behaupten, die Wahlkampagne sei ein Geschenk Ihrer Frau zum Hochzeitstag. Ich hoffe für Sie, dass Sie mit Ihrem Vorsatz, den Reichen des Landes höhere Steuern aufzubürden, nicht einen Ehekrach heraufbeschwören.
Nomen est Omen, Mr. Kerry. Sie tragen einen großen Namen, bzw. dessen Initialen. John Forbes Kerry, oder kurz JFK. Wie mir bekannt ist, haben Sie als Sohn eines Diplomaten durchaus mit den Kennedys verkehrt. Wahrscheinlich tragen Sie sogar die mit Monogramm bestickte Unterwäsche des verstorbenen John F. als Glücksbringer. Sollten Sie im November den Wahlkampf gewinnen und Präsident werden, rate ich Ihnen jedoch, sich nur im geschlossenen Auto in Straßenparaden zu zeigen.
Wahrscheinlich können Sie sich jetzt nicht entscheiden, ob Sie aus meinem Brief eine Kritik herauslesen oder nicht. Bitte zerbrechen Sie sich darüber nicht Ihren voluminösen Kopf, denn es kann keinen besseren Präsidenten geben, als einen, der seine Meinung der der Mehrheit des Volkes anpasst. DAS ist schließlich die Essenz, aus der Demokratie gemacht wird. Ihre Partei muss stolz auf Sie sein.
Nun bleibt mir nur noch übrig, Ihnen Glück für die bevorstehende Wahl zu wünschen. Auch wenn Ihr Charisma dem eines leeren Stuhls in einer Podiumsdiskussion gleicht, so ist ein einfacher Geist doch immer besser als ein Paranoider.
Best Wishes
Ihre Elvira J.