Christian Ströbele ist tot!
Ruhig Brauner: Ströbele ist gar nicht tot! Vermutlich radelt er gerade durch Kreuzberg, die türkische Nationalhymne auf den Lippen. Eigentlich ist auch niemand gestorben. Eher verendet. Es ist der Gutmensch, der seinen letzten Grünkernkeks verkrümelt hat. Und beim finalen Happen an einem Knorpel Realität erstickt ist.
Das ist auch gut so. Denn der Gutmensch als solcher hat uns ganz schön Kummer gemacht. Achtundsechzig hat er den Staat revolutioniert und sich die Haare lang wachsen lassen. Ist dann nach Wackersdorf und zur Startbahn West gepilgert und hat im Vorbeigehen die RAF und die Multikulturelle Gesellschaft gegründet.
Doch schon nach der Wende ist es ruhig geworden um ihn. Im nationalen Taumel und unter dem Druck der Globalisierung musste er sich eine Arbeit suchen und konnte nicht mehr so menscheln wie gewünscht. Immer seltener wurde er. Immer leiser wurde es um ihn. Fast hätte man denken können, er sei - zusammen mit seinem Freund dem Pazifisten - im Kosovokrieg gefallen.
Erst jetzt ist er wieder aufgetaucht. Und hat seinem Namen keine Ehre gemacht. Der Gutmensch war plötzlich wieder da. Zurück im Geschäft und an allem Schuld. Integration, wirtschaftlicher Verfall, Ehrenmord und Negerkeile in Potsdam. Der Gutmensch hatte überall seine Finger im Spiel. Böses tut wer gutes im Namen trägt - so lautete die Parole. Und rasch war er die Sau, die vom rechts nach links durchs Dorf getrieben wurde.
Ich habe ihn nicht gekannt. Nur aus Erzählungen. Irgendwie kam es mir vor als sei er nicht mehr als eine Seifenblase die in bunten Farben schimmernd lautlos gegen eine Wand schwebt und nur einen seifigen Fleck hinterlässt. Ein Fabelwesen - zu blöd um wirklich zu sein. Aber das ist jetzt auch egal. Der Totenschein ist schon ausgefüllt. Die Prügelei kann also aufhören. Der Gutmensch ist jetzt offiziell nicht mehr Schuld. Er hat - das muss jetzt nur noch jemand Claudia Roth sagen - seine Schuldigkeit getan.