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Als ich mal umgefahren wurde

Aha, Sie sind also auch so ein alter, zerkrumpelter, verwachsener Andereleuteumfahrer? Obacht, sage ich da. Es ist zwar gewiss ein schönes Hobby, das Sie da haben. Aber riskant. Man könnte z.B. erwischt werden, z.B. von der Gendarmerie, wie man es in einigen Nachbarländern (Österreich, Schweiz) ausdrücken würde. In ganz anderen Ländern, die keine harmlos und puschelig klingende Gendarmerie, sondern möglicherweise eine Geheimpolizei o.ä. haben, sollte man sich erst recht nicht erwischen lassen. Und dann gibt es außerdem Länder, in denen sollte man sich bei GAR NICHTS erwischen lassen. Ich z.B. möchte niemals in Saudiarabien beim Äppelklauen erwischt werden. Na gut, das ist evtl. ein etwas abwegiges Beispiel. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Äppel geklaut. Ich habe auch noch nie Heringsstipp gegessen und wusste bis zu einem Alter von achtzehn Jahren nicht, was der Todesstern ist. Und bis zum dritten Schuljahr habe ich noch nie gelogen, was mir aber damals bedrückenderweise niemand geglaubt hat.

Jedenfalls wurde ich neulich umgefahren, bzw.: alle Beteiligten haben sich gegenseitig umgefahren, sind kollidiert, quasi. Mein Fahrrad und ich kollidierten praktisch mit zwei anderen Fahrrädern. Jene Fahrräder wurden beherrscht von geschwindigkeitsrauschfreudigen Menschen, die zusammengenommen wahrscheinlich ungefähr halb so alt waren wie ich. Na, sagen wir: zwei Drittel. Die haben sich glücklicherweise nichts getan. Unglücklicherweise habe aber ICH mir was getan, oder genauer: meinem einen Finger wurde was getan. Und aus reiner Misanthropie, aus vorsätzlicher Bosheit, weil ich weiß, wie der Rezipient gemeinhin erschauert, ja: erbebt und sich vor Ekel schüttelt, weil ich das genau weiß, HAHA, werde ich jetzt schildern, was mit dem Finger passiert ist.

Auf rustikale Weise hatte sich ein Teil des Lenkers der feindlichen Partei übelwollend unter die Haut des untersten Fingergelenks gefräst. Folglich guckte mich ein bloßgelegter, blutiger Nagel an. Huh, wie fies! Ich kriegte sofort schlimmes Grausen, die Kinder machten auch ganz betretene Gesichter. Der Finger troff und schwoll und machte einen zermatschten Eindruck. Ich hätte es angebrachter gefunden, wenn jemand anders einen zermatschten Eindruck gemacht hätte: der Mann im Auto. Der Mann im Auto ist bisher noch nicht aufgetaucht, aber er war die ganze Zeit über schon da. Das muss man jetzt nachträglich in die Szenerie hineinintegrieren. Das Missgeschick trug sich nämlich auf einem Parkplatz zu. Der Mann im Auto saß lustig mit offener Fahrertür herum und sah zu, wie die hilfslose alte Omma (ich) sich entsetzt vor ihrem eigenen Fittich fürchtete. Gern hätte die Omma dem Mann im Auto seine Gleichgültigkeit und Herzenskälte aus der Birne gewemst. Aber ging ja nicht, ich hatte ja zu tun, mit der beschädigten Flosse. Ich möchte jedenfalls, dass der Mann im Auto sich nachträglich so sehr schämt, dass er keinen Tag mehr verstreichen lässt, ohne ihn mit einer pfadfindermäßig guten Tat zu veredeln. Ich könnte ihm natürlich auch die Krätze ans Wadenbein wünschen oder Wanzen im Gebälk. Oder einen Hausspuk. Oder eine zehnköpfige Familie als Nachbarn, mit lauter Tieren, gegen die er allergisch ist. Tue ich aber nicht. Nein, denn ich will ein Vorbild sein.

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Was Heidi Klum alles essen darf und was nicht... Bianca Stücker