Intellektuell
Manche Menschen mag man mögen,
manche hat man richtig gern,
manche kann man sogar lieben,
wenn diese dieses nicht verwehrn`.
Manche sind nicht so sympatisch,
manche strengen etwas an,
manche sind wie Hämorrhoiden,
weil man auf sie nicht setzen kann.
Den Menschen, die wir lieber meiden,
begegnen wir… mit Toleranz,
wenn sich die beiden Geister scheiden,
empfielt auch räumlich sich Distanz.
Doch meißtens bleiben unumgänglich
gerade die, die wir umgehn',
dann lächeln wir höchst unverfänglich,
derweil wir uns im Wege stehn.
Innerliches Messerwetzen -
äußerliches Schwanzgewedel -
anstatt zu spalten ihm den Schädel
konversiert man mit dem Blödel.
Nun sind - im Guten wie im Bösen -
wir Menschen doch soziale Wesen.
Wer wollte denn schon damit enden,
an Einzelne sich zu verschwenden?
Auf dass sich Aversionen lohnen
verachte man nicht singulär,
man wähle Gruppen von Personen,
was weitaus ökonomischer.
Zwar schwört heut` jeder hoch und heilig:
"Ich bin gewiß nicht vorurteilig..."
Man zeigt sich kritisch, trägt Gewissen...
- auf das Getue ist geschissen !
- das ist doch Alibi-Gelaber,
auf diesen Spruch folgt stehts ein: "aber...".
Ich möcht` es mir nicht nehmen lassen,
bestimmte Gruppen frei zu hassen.
Allein - mich dauert zu bekennen,
es fällt mir schwer sie zu benennen.
Es wird mir wohl nichts übrig bleiben,
als jene-welche zu beschreiben:
Sie wären gern facettenreich,
doch eben das macht sie so gleich.
Wer wollte da das Recht verwehren,
sie über einen Kamm zu scheren?
Es reizt mich sie am Schopf zu greifen,
sie zu barbieren, einzuseifen.
Und, daß ihr mich jetzt gut versteht,
man trifft sie auch beim` Kabarett.
Die Fliege lockt des Dunges Dunst
die - mit den Mücken - ziehts` zur Kunst.
Besonders bei der Bildenden
sieht man sie stehts zu Haufe stehn`.
Ausgeprägte Kunstverstände,
Kennerblicke, ohne Ende-
Lokale Größen - handverlesen!
Ihr Bein in schwarzem Nylon steckt,
Er trägt gerne Intellekt, aufgeweicht in reichlich Sekt...
den man gekonnt sich einverleibt -
allein die Kunst im Rahmen bleibt,
die, offizieller Anlaß zwar,
verkümmert gern zum Acessoir
bei Käsehäppchen-Appanage...
trifft sich die "bessere" Bagage...
das Ganze nennt sich Vernissage.-
Man zeigt, daß man im Bilde ist,
steht dümmlich rum und redet Mist.
Das größte kulturelle Grauen
sind Makler, Bänker, Zahnarztfrauen.
Denn deren Elitär-Gehabe
trägt letztlich nur die Kunst zu Grabe.
Nur der wird von der Kunst beschenkt,
wer ohne Dünkel selber denkt.
Von Kunst zu reden, müßt ihr wissen,
ist, wie mit vollem Mund zu küssen.
Doch will ich euch jetzt nicht belehren...
zurück zum Thema möcht ich kehren:
Ein sehr beliebter Zeitvertreib
der zu beschreibenden Personen,
ist Scheidung, Golf und Depressionen.
Wenn sie der eig'nen Tränen Suhle
sich gar zum Lebensinhalt machen,
ist's gleichsam traurig, wie zum Lachen.
Wie manche ihre Macken pflegen
macht glauben, Spinnen sei ein Segen.
Ist pathologisch abzuweichen
ein endogenes Gütezeichen?
Nein -
Wie mit dem Golfclub fängt es an:
Das ist halt nichts für jederman...
es golft nur, wer sich's leisten kann.
Und was viel kostet, ist uns teuer:
"Ich halt' mir eine Paranoia..."
Mit Rheuma kann ja jeder prahlen
die Frau von Welt trägt Seelenqualen.
Es läßt nicht lange auf sich warten,
der Züchter im Neu-Rosen-Garten.
"Na, wie geht's denn? - Bitte? Prächtig?
Oh, das scheint mir höchst verdächtig.
Man redet sich das gerne ein
und das kann sehr gefährlich sein..."
Wer sich da seiner Haut nicht wehrt,
wird sofort auf die Couch gezerrt
und das ist teurer noch als Golfen
und wer da meint, ihm wird geholfen,
der ist tatsächlich nicht gesund,
der Therapeut hat keinen Grund
sich zu beeilen,
uns zu heilen.
Ja soll er denn, es wär zum Lachen,
sich selber überflüssig machen?
Nein – so sehr
spinnt nicht mal der.
Der Träumer baut ein Schloß im Sinn,
ein andrer gar, der wohnt darin
und der Psychiater kann sich freun`,
er streicht die Monatsmiete ein.
Zum Thema Seelenstümpereien
fällt mir noch ein Berufszweig ein:
Gar sehr sind meinem Spott gewogen
die sozialen Pädagogen.
Die teegefüllten Weichspülflaschen,
mit Birkenstocks und Baumwolltaschen.
Doch mehr muß ich hiezu nicht sagen...
die sind ja mit sich selbst geschlagen.
Hiermit möchte ich nun enden,
noch flehend mich an jene wenden,
die nach Programmschluss danach streben,
dem "Künstler" ein Gespräch zu geben
in intellektueller Sitte:
Verschont mich! Bitte bitte bitte.