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Sind sie Salmonellendauerausscheider?

Der Not leidende Student lässt sich üblicherweise gerne kaufen. Einige prostituieren sich für Kleingeld, Cocktails oder Zigaretten, andere lassen sich Blut abzapfen. Diese kleinen Nebenverdienste sind löblich und dienen dem Allgemeinwohl. Nun kann man nicht wöchentlich zur Blutspende, nur etwa alle zehn Wochen bekommt man zwanzig Mark für die schnelle Flüssigkeitsabgabe. Zwanzig Mark, das sind 10 Euro!

Neulich saß ich wieder im Wartezimmer des Krankenhauses und trank reichlich Mineralwasser um meinen Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen und um die Nachwirkungen einer durchzechten Nacht zu bekämpfen. Bis jetzt bin ich immer problemlos durch den ärztlichen Routinecheck gekommen, an diesem Tag war ich allerdings nicht sehr zuversichtlich. Mir gegenüber hockte ein älterer Herr, der ebenfalls den notwendigen Papierkram ausfüllte und mich zwischendurch misstrauisch beäugte.

"Na Jungchen, dir sollten sie mal lieber einen halben Liter reinpumpen", belästigte er mich und amüsierte sich königlich. Ich ermahnte ihn kurz, dass es gerade im hohen Alter sehr wichtig sei ausreichend zu trinken. Er watschelte mürrisch aber einsichtig zum Getränkespender. Nur eines seiner Kreuze hatte ich währenddessen versetzt und schon war aus dem gesunden Rentner ein kranker Mann geworden.

Ich gab mein Fragebogen bei der Krankenschwester ab und durfte es mir trotz Kopfschmerzen und Eisenmangel auf einer Liege bequem machen. Glück gehabt. Neben mir lag ein mir bekanntes Gesicht. Es war Inge Petersen, die Metzgersgattin von Nebenan. Nicht schlecht, dachte ich, tagein tagaus nur Blut und Wurst vor der Nase und nach Feierabend immer noch nicht genug davon.

Aber da sieht man es wieder, der Blutspender hat das Herz auf dem rechten Fleck, und nicht selten sind das eben die kleinen Leute. Ich unterbreitete Inge meine Theorie, aber sie entgegnete, dass der reiche Fleischfabrikant sicher nicht auf "zwanzig Mark zusätzlich" angewiesen sei und der, auf den ersten Blick, ehrenwerte Bürger sein Herz auch oft nur in der rechten Hosentasche trage. Dies sei der Grund dafür, dass so mancher Mann auf die Frage, ob er seine Familie vom ganzen Herzen liebe, nur kurz sein Portemonnaie zückt und pflichtbewusst zeigt wie Frau und Kind vom Porträt lächeln.

Die Geldbörse, das Herz des kleinen Mannes.

Verdammt, ich war ja auch nur hier um die zehn Euro einzusacken. Egal, um mein Gewissen nicht zu überfordern lenkte ich das Gespräch schnell auf etwas belanglosere Themen und einigte mich mit ihr auf unverschämte Ölpreise, stinkfaule Politiker und schlechtes Wetter. Plötzlich brach der Rentner in Tränen aus, da die Krankenschwester seinen Blutspendeausweis kurz vor seiner 150. Blutspende und seinen Augen zerschnitt. Die goldene Blutspender-Ehrennadel konnte er sich somit nicht an den Hut stecken. "Alles klar, Opa?", fragte ich einfühlsam und schnell schlug sein Entsetzen in Hass um. Er schrie, dass es so etwas wie mich früher nicht gegeben hätte und Ähnliches.

Ich war in dieser Situation jedoch der Gutmensch und Opa war der vermeintliche Salmonellendauerausscheider. So kam es, dass sich das anwesende Krankenhauspersonal und Inge Petersen auf meine Seite schlugen. Der Störenfried wurde mittels leichter Gewalt vor die Tür gesetzt und die Blutspende kam langsam zum Ende.

Im Aufenthaltsraum tranken Inge und ich dann noch eine Cola zusammen und redeten über Gott und die Landespolitik. Unsere Landespolitiker haben diese Woche nämlich nichts Wichtiges zu entscheiden, wollen jedoch etwas Gutes tun. Der Landtagspräsident, Martin Kayenburg, hat angekündigt, dass der Landtag deswegen zum Blutspenden geht. Ganz richtig ist das jedoch nicht, denn die Politiker werden, vermutlich mediengerecht, im Konferenzsaal des Landeshauses angezapft. Wie eingangs erwähnt, ist das leider nur alle 10 Wochen möglich.

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Sören Gütschow "Schwule Männer finden mich attraktiv."...