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Student in starker Stresssituation...

oder welche Farbe hat der Tod
Das Ergebnis der Gruppenarbeit soll am morgigen Tage präsentiert werden. Es ist also "Fünf vor Zwölf“, doch in Wirklichkeit zehn Uhr morgens, als ich mich zu der Adresse meiner Mitstudentin begebe. Es ist ein schöner Samstagmorgen. Auf dem Weg genieße ich die frische Luft und die warme Sonne. Meine Studienkollegin öffnet die Tür. Ich kann das Mädel nicht leiden, zwinge mich aber zu einer freundlichen Maske. Die Wohnung ist sauber und vor allem weiß. Weiße Gardinen, weißer Teppich, weiße Ledercouch, weiße Türen, weiße Stühle, weiße Blumen.

Überall liegen kleine weiße Deckchen. Ja, sie hat selbst ihren Fernseher samt Fernbedienung weiß lackieren lassen. Das Sonnenlicht schimmert durch die weißen Gardinen und das ganze Zimmer erstrahlt im hellen Glanz. Die Möbel scheinen zu leuchten.

Einfach himmlisch.

Möglicherweise hab ich sie zu vorschnell abgeschrieben. Ein frisch gedeckter Frühstückstisch (kaum zu glauben, mit weißem Besteck!) und diese allumfassende Hygiene lassen auf ein paar versteckte Schweinereien schließen, die man ihr nur mit ein bisschen Charme und viel Weißwein aus dem Hirn (bzw. Hintern) kitzeln müsste. Nach dreiminütigem Geplauder will ich sie gedanklich schon über die weiße Ledercouch… als auch schon die restlichen Gruppenmitglieder an der Wohnungstür klingeln. Also erstmal frühstücken, alles Andere kann später noch erledigt werden.

Satt und zufrieden machen wir uns an die Unterlagen. Die Gruppe scheitert schon an der Interpretation der Aufgabenstellung. Bei den restlichen Gruppenmitgliedern hat sich das vermeintliche "satt und zufrieden“ sehr schnell in ein "fett und träge“ verwandelt, weswegen ich mit der Gastgeberin die Unterlagen im Alleingang durchackere. Nach fünf Stunden unsinniger Diskussion bin ich am Ende. Sie hat meine Geduld wirklich überreizt. Gedanklich hat sie keine Sackgasse ausgelassen und kurz vor der Erleuchtung kommt jedes Mal von irgendwo ein polyphoner Klingelton daher. Zack, ist ihr Kopf leer. Ich will mich von meiner Wut ablenken, doch ich sehe nur weiße Deckchen, weiße Wände und die weiße Schnepfe. Meine Augen schmerzen, da die Sonne die Wohnungseinrichtung mittlerweile in einen grellen, alles zerfressenden, weißen Klumpen verwandelt hat.
Es ist die Hölle!

Ich hör die Schnepfe mit ihrem Handy telefonieren und die fetten Gruppenmitglieder über Bayern München quatschen, als ich zum Selbstschutz nur noch die Augen schließen kann und langsam in meine eigene Welt flüchte. Ich spüre wie meine Halsschlagader immer stärker schlägt, das Blut steigt mir zu Kopf. In meinen Gedanken läuft ebensolches Blut die weißen Wände hinab. Mein Hals pumpt wie der BLADE- Soundtrack. Ich warte auf die blut-spritzende Sprengleranlage (ebenfalls aus dem BLADE -Film geklaut) die das Zimmer mit einem friedlichen Rot bedeckt und mich erlöst. Als ich wieder zu mir komme starren mich meine Gruppenmitglieder fassungslos an.
Während meiner kleinen Auszeit hatte ich versucht, einen der fetten Fußballfreaks mit einer Kugelschreibermine abzustechen. Das war natürlich ziemlich ergebnislos und so flog ich nach ein paar Schlägen auf die Straße. Jetzt hab ich mein Blut, halte meine Hände vors Gesicht, doch besudle meine kompletten Klamotten. Alles blutrot. Auf dem Weg nach Hause gehe ich über eine rote Ampel und werde beinahe von einem roten Golf in die Hölle geschickt. Scheiß Tag!

Zu Hause angekommen, nehme ich eine Dusche und sehe dem rot gefärbten Wasser zu, dass, langsam über meinen Körper fließend, im Abfluss verschwindet. Irgendwie beruhigend. Ich erhole mich von meinem anstrengenden Tag mit Tomatensuppe und ein bisschen Rotwein. Nach der dritten Flasche überrede ich meine Mitbewohnerin zu einem kleinen Ausflug an den nahe liegenden Ostseestrand [nach Helgoland würde natürlich besser passen, aber irgendwann geht diese Farbgeschichte auch zu weit! Anm. des Autors]. Die Sonne geht gerade unter als wir am Strand ankommen und der ganze Horizont spielt mit unterschiedlichen Rottönen. Am Ende dieses anstrengenden Tages, als ich schon ziemlich betrunken mit ihr quatsche, kann ich nur immer wieder brabbeln:
"Ich weiß nicht was mir am Ende droht, aber die Hölle ist weiß und der Himmel ist rot!"

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Ein Staat in dem Zucht und Ordnung herrscht Frühjahrsputz