Alles für die Katz!
Mein Kumpel Werner und Ich haben uns auf dem Arbeitsamt kennen gelernt. Da der Mann vom Amt leider keine Arbeit für uns hatte, überlegten wir uns jeweils die Gründung einer Ich-AG. So hatten wir ein gutes Gefühl und die Arbeitslosenstatistik wohl bald zwei Punkte Abzug. Leider wussten wir noch nicht so genau welchen Sinn und Zweck diese Ich-AGs haben sollten, deshalb gingen wir erstmal zu unserem Lieblingskiosk* um unser ’Brainstorming’ mit ein paar ’Halben’ anzukurbeln. Nach einigen Runden kippten wir noch zwei bis acht Boonekamp und so langsam wurde aus dem anfänglichen Lüftchen ein regelrechter Ideen-Orkan.
Am Ende hatten wir einen handfesten Plan. Da sich zurzeit so viele Ich-AGs wie Katzen und Köter in unserem Viertel tummeln, müssen wir unsere Energie zusammenbringen und gemeinsam auftreten. Vier Stunden nach unserer ersten Unternehmensgründung waren wir also bereit für unsere erste Fusion. Gesagt - getan, geboren war unsere erste Wir-AG. Die Fusion wurde mit den anderen Jungs vom Kiosk gefeiert und wir versicherten uns gegenseitig eine angemessene Prämie von fünf Dosen Bier.
Unsere Firma lautete ’Alles für die Katz’ (für mögliche Expansionsvorhaben hatten wir uns noch ’Alles für die Katz & mehr’ ausgedacht). Unser Firmenmotto war der Firma gleichgesetzt. Da sich unsere Unternehmensidee jedoch nicht mit dem deutschen Gesetz vereinbaren ließ, setzten wir auf Arbeitslosenunterstützung plus Schwarzarbeit. Das einzige Bündnis für Arbeit das einwandfrei funktioniert.
Werner hatte die Aufgabe sämtliche Katzen der Region einzufangen und in eine extra angemietete Wohnung zu verschleppen. Als gelernter Tierpfleger kümmerte er sich auch um das Futter und ein Mindestmaß an Hygiene. Ich (kaufmännisch vorbelastet) studierte derweil die lokalen Anzeigenblätter und Laternenpfähle nach Vermisstenanzeigen der kleinen Viecher. Meistens sprang so eine satte Belohnung für unser kleines Unternehmen heraus.
Ein paar Wochen hatten wir ziemlich gut gelebt. Wir verschwendeten unsere Zeit und unser Geld weiterhin an unserem Lieblingskiosk. Das neue Unternehmertum hat uns also nicht abheben lassen. Nach meiner täglichen Runde kaufte ich immer eine Flasche Korn und zehn Dosen Bier und machte mich auf den Weg zu unserer Wohnung. Werner und ich versoffen so täglich unseren Gewinn. Eine Katze war dabei unser ständiger Begleiter. Werner hatte sie schon vor Wochen eingefangen, doch keine Vermisstenanzeige passte auf sie. So blieb sie in unserer Wohnung und wir hatten uns allmählich an sie gewöhnt.
Eines Tages beschloss Werner der Katze einen Namen zu geben. Nach langer feuchtfröhlicher Diskussion einigten wir uns auf den Namen ’Klara’ und ich reichte Werner eine Flasche Schnaps um das Viech zu taufen. Werner wusste was er zu tun hatte, stand mit der Flasche in der Hand im Raum und warf nach der Katze, wobei er laut "Ich taufe dich auf den Namen Klaaaaarrrraaaa!" schrie. Die Flasche hat das kleine Tier getroffen und zerschellte danach an der Wand. Werner war zu betrunken um zu kapieren, dass dies ganz große Scheiße war.
Er hatte sie umgebracht. Ich trank und redete mir die Sache schön: Immerhin ist die Katze nicht namenlos gestorben. Okay, es war schon knapp, aber bei Tod durch Taufe darf man nicht anfangen kleinlich zu sein. Zeitlupe hin oder her, hier ist Menschlichkeit gefragt. Ich war noch klar genug um einen Schuhkarton zu suchen, die Katze im Garten zu vergraben und ein Kreuz in die Erde zu schlagen. Nur hatte ich das Kreuz falsch beschriftet und musste mich nächsten Tag mit Werner streiten, ob er ’Klara’ oder laut Inschrift ’Klaaha’ gebrüllt hatte. Ich war wohl auch nicht mehr ganz nüchtern.
Seit dieser Situation hatten wir keine Katzen mehr gefangen. Ich hatte mich mit Werner zerstritten und wir trafen uns nur noch ab und zu am Kiosk. Irgendwann hatte ich Werner und einen Kiosk-Kollegen von "Neugründung“ und "Umstrukturierung“ faseln hören. Ich warnte Werner noch vor ungesetzlichen Geschäften, da wir damit schon einmal "auf den Hund gekommen“ seien. Doch er wurde plötzlich ziemlich wütend und brüllte irgendwas von "Unternehmens-Spionage“ und dass er sich "Auf den Hund gekommen & mehr" nicht von mir kaputt machen lasse. Na dann… Prost!
*Lieblingskiosk, da Zwangsdosenpfandinsellösung: es gibt kein Dosenpfand!