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Grillfleisch

Ein x-beliebiger Tag im Sommer. Nehmen wir mal an es ist Pfingsten oder Ferienbeginn in Hamburg. Ich begebe mich zum ortsansässigen Supermarkt. Schon im Eingangsbereich beginnt die unausweichliche Reizüberflutung. Halbnackte Frauenkörper werben für Sonnenmilch und Ritter Sport (Joghurt-Rote Grütze).

Die Ostsee-Touristen haben unser kleines Städtchen belagert und der Supermarkt hat alle zehn Kassen besetzt. Pastellfarbene Jogginganzüge springen mitten in mein Gesicht, doch ich halte an meiner Mission fest: Ich will Grillfleisch kaufen!

Herr Tourist kauft Bier und Frau Tourist ist für Milch, Käse, etc pp zuständig. An der Fleischtheke waren Bürger aus 12 Bundesländern vereinigt, aber trotz Sprachschwierigkeiten ging es relativ zügig weiter. Mit dem freundlichen Lächeln hat die Verkäuferin schon vor Stunden aufgehört, auch ihre höfliche Wortwahl ist nur noch ein Teil der alten Routine.

„Was darf es denn sein, junger Mann?“

„Ich hätte gerne 4 Stück Fleisch!“

„An was für Fleisch hatten Sie denn gedacht?“

„Grillfleisch!“...

Meine präzisen Angaben rauben der Verkäuferin die letzten Nerven und ich amüsier mich noch ein bisschen über die Situation, während ich meinen Einkauf fortsetze. Zum Fleisch (Grillfleisch) kommt noch eine Kiste Bier und Toast, sowie Salatzubehör und „TÜV-geprüfte“ Grillanzünder (leicht entzündlich!). An der Kasse verwünsche ich tausend Tode, frage mich aber ob es tatsächlich schneller voran gehen würde, wenn einer meiner Vordermänner einen Herzschlag erleidet. Es hat dann auch ohne Toten geklappt. Einige Zeit später genieße ich den Duft der Holzkohle und überprüfe die Haltbarkeitsdaten des beeindruckenden Saucensortiments.

Da es sich bei den Anwesenden nur um BWL-Studenten und Spardosen-Kaufleute handelt, die „Gott“ schon lange durch Massenkonsumgüter ersetzt haben, beginnt eine angeregte Diskussion, ob Saucen „Verbrauchs- oder Gebrauchsgüter“ sind. Plötzlich entdecke ich folgenden Vermerk auf einer der kraftvollen Ketchupflaschen:

„Nach dem Öffnen kühl aufbewahren und innerhalb von 6 Wochen aufbrauchen.“

Es handelt sich also ganz klar um ein „Aufbrauchsgut“! Nicht alle meiner Grillfreunde teilen meine Ansicht, aber in diesem Augenblick entdecke ich einen weiteren Vermerk:

„Verbraucherservice: 01802 – 25 85 88 (eine Gebühreneinheit pro Anruf aus dem Festnetz)“

Kennen Sie die richtige Bezeichnung? Nein - dann grüßen Sie die freundliche Telefondame bitte von mir.

Mein Favorit (...auf der Bügelflasche von FLENSBURGER PILSENER):

„Leere Flaschen bitte offen lassen. Fragen? 0180 / 18 63 368 (Ortstarif)“

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