Ich hatte Schlauchboot-Sex in der Blauen Lagune
Ich bin nun fest davon überzeugt, dass es eine höhere Macht im Universum gibt. Diese Macht sorgt unter anderem dafür, dass Dinge die geschehen sollen auch geschehen.
Nachdem mein Chefredakteur nun schon eine ganze Zeit auf ein paar neue Zeilen von mir wartet, und alle Überredungsversuche (seltsam unzureichend bekleidete Frauen die um 22:00 Uhr bei mir zuhause klingeln oder auch sehr vollständig gekleidete Herren mit lustigen Sportgeräten - Baseballschlägern - die um etwa 20:00 Uhr klingeln) nicht gefruchtet haben, hat nun ein einfacher Tag dafür gesorgt, dass ich wieder mal was schreibe.
Samstag, 09:40 Uhr
Frau: Schatz wir gehen heute schwimmen, an die »Blaue Lagune«, ja?
Ich: Ja, ja, sehr gerne.
Tochter: Yippiiiii!!!
Im Verlauf der nächsten Stunde packen wir, bei etwa 27 Grad vorherrschender Wärme im Haus, folgendes auf anraten meiner Gattin und Tochter ein.
- Zwei sehr große Schwimmtaschen, gefüllt mit jeder Menge Handtüchern, Liegetüchern, einer mexikanischen Decke, Ersatzbadewäsche für drei Familienmitglieder, Bücher, Zeitschriften, ein bisschen Spielzeug fürs Kind: Walkmann, Kassetten, Pixi-Bücher (ca. 20)
- Eine auf unnatürliche Art gefüllte Plus-Markt-Gefriertüte mit 4 x 1,5 Liter Wasser bzw. Eistee, zwei
Tupperware-Behälter a 0,5 Kilo Nudelsalat, diverse Kekse, Capri-Sonne, Brötchen
- Eine Plastiktüte, gefüllt mit speziellem Sandspielzeug aus Hartplastik
- Ein Original-Plastik-Sack mit einer Strandmuschel (Gewicht ca. 2 Kilo)
- Zwei Kinder-Schaufeln zur Herstellung einer Sandburg
- Eine Doppel-Hub-Pumpe
- Und zu guter letzt: ein Schlauchboot (Gewicht ca. 10 Kilo) inkl. zusammenmontierbarem Paddel (dieses wäre, rein theoretisch sicherlich auch für amerikanischen G.I.s oder Al Kaida-Terroristen geeignet)
Schon beim Beladen des Wagens beschleichen mich erste leise Zweifel.
Samstag, 11:40 Uhr
Ich: Du Schatz, mmhh, also… ähh, ich weiß nicht so recht. Aber wir fahren doch nicht in Urlaub?
Frau (leicht angespannt): Jetzt du wieder. Du bist doch der erste der meckert wenn wir nicht genug Essen und Handtücher dabei haben.
Tochter: Papa, darf ich noch meine 3 Lieblingspuppen mitnehmen?
Auf diesen Dialog hin, wechsle ich erst mal mein völlig durchgeschwitztes T-Shirt und erkläre meiner Tochter, sollte ich irgendwas im Auto entdecken was auch nur im Entferntesten einer Puppe ähnlich sieht, ich diese Teile sofort und unwiederbringlich zerstören und tief im Wald vergraben werde.
Samstag, 12:30 Uhr
Die Zufahrt zur »Blauen Lagune« ist geprägt durch eine mindestens einhundert Autos lange Warteschlange. Alle diese glücklichen (mit Klimaanlage) und unglücklichen (ohne Klimaanlage) Menschen hoffen irgendwann in der nächsten Stunde einen Parkplatz zu ergattern.
Tochter: Papa, ich muss mal!
Gattin: Jetzt, wart doch noch, wir sind doch gleich da....
Ich: Gleich da? Wir sind gleich da, meinst du? Oh, ich denke, bis wir am Parkplatz sind ist die größte Mittagshitze bereits vorbei. Auf der anderen Seite stehen wir hier wie Scheiß-Wohnwagen-Touristen in so einer Art Stau. Wieso soll meine Tochter da auch nicht aufs Klo müssen!
Gattin (mit leicht entsetztem Blick): Beruhig dich mal wieder!
Während ich mich noch so vor mich hin freue, nehme ich mehr so unterbewußt wahr, dass vor und hinter (!) mir Holländer stehen. Ich bin quasi von Holländern eingekreist. Und da ich nichts besseres zu tun habe, fallen mir spontan Dinge wie gentechnisch verseuchte Tomaten, holländische Fußballspieler die einen zukünftigen Bundestrainer bespucken und mit dem deutschen Nationaltrikot sich schon mal den Hintern putzen, verstopfte Autobahnen und vieles mehr ein.
Da der Holländer vor mir eine vollkommen schwachsinnige Stop-and-Go-Technik anwendet, lasse ich ihn erst mal fünf Meter vorwärts hoppeln bevor ich aufschließe. In diesem Moment beginnt der Holländer hinter mir zu hupen und mit den Händen zu fuchteln. Da ich mir denken kann, dass die verwendeten Handzeichen eher nichts Gutes bedeuten und ich sowieso kurz vorm ausrasten bin steige ich aus. Ein Hitzeschock trifft mich.
Ich gehe sehr direkt auf den Holländer zu und schreie kurz etwas über das Verhalten von Gästen in diesem Land und dass ich ihm gerne ein beliebiges Körperteil dauerhaft beschädigen möchte. Der Holländer hebt beschwichtigend die Hände und schaut mich ziemlich verängstigt an.
Samstag, 13:40 Uhr
Nach nur siebzig Minuten stehen wir direkt an der kostenfrei nutzbaren Parkfläche und ein junger Mensch, so zwischen 15 und 17, weist mich nach rechts auf den Parkplatz. - Obwohl links auf dem Parkplatz - dieser befindet sich deutlich näher am Haupteingang, und ich denke an die Dinge die wir so dabei haben - jede Menge Plätze frei sind.
Ich: Hören Sie, wir haben sehr, sehr viele schwere Dinge bei uns. Lassen Sie mich bitte links parken.
Junger Park-Wächter: Nein, wir verteilen die Leute gleichmäßig.
Ich steige sehr schnell aus und erkläre dem jungen Mann, wenn er mich nicht umgehend nach links einweist, werden Dinge geschehen die er sich niemals vorstellen kann und will.
Wir parken links.
Samstag, 13:50 Uhr
An der Kasse (hinter mir etwa hundertfünfzig Menschen).
Kassenfrau: Wie viel?
Ich: Zwei Erwachsene, ein sechsjähriges Kind.
Kassenfrau: Die sieht mir aber älter aus...
Ich: Hören Sie, wenn ich sage, die ist sechs dann ist die sechs. Ich stelle ja auch keine Mutmaßungen über Ihren äußern Zustand und Ihr Alter an!
Kassenfrau: Unverschämtheit!
Ich: Ja, ich weis. Meine Tochter ist sechs Jahre!
Kassenfrau: Chef, kommen Sie mal bitte!
Kassenchef: Was gibt es denn?
Ich: Hören Sie, dieses Kind ist 6 Jahre alt. Ihre wertgeschätzte Mitarbeiterin bezweifelt dies.
In der Reihe hinter mir werden erste Rufe laut.
Kassenchef: Ja, ja, das geht schon in Ordnung.
Ich zahle und taumle durch den Kassenbereich, noch völlig verwirrt ob der schnellen Bearbeitung durch den Kassenchef, da hält mich ein ca. hundertfünfzig Kilo schwerer, glatzköpfiger Bulle auf.
Bulle: Haben Sie Glasflaschen dabei?
Ich: Nein, nur PET-Flaschen.
Bulle: Öffnen Sie die Kühltüte
Ich: Denken Sie ich lüge? Denken Sie, ich setze meine Tochter der Gefahr von Glasflaschen aus ,vom Gewicht der Flaschen mal abgesehen?
Bulle: Bitte öffnen Sie die Tüte!
Ich: Unter gar keinen Umständen...
Gattin: Jetzt mach doch bitte...
Tochter: Papa, gleich muß ich Pipi!
Da kommt der Kassenchef aus dem Häuschen.
Er schaut mich an, schaut den Bullen an und winkt mich lächelnd durch.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser nette Kassenchef, an diesem Tag im Sommer 2003, ein Blutbad von Erfurter Ausmaßen verhindert hat.
Samstag, 14:15 Uhr
An einem lustigen Platz, nur rund 1 Kilometer vom Wasser entfernt, eingekeilt zwischen einer lustigen deutschen Familie, von der das Oberhaupt schon jetzt fünf leere Bierflaschen neben sich stehen hat und - ich weis es klingt unwahrscheinlich - einer holländischen Clique, beginne ich mit dem Auspacken.
Anschließend baue ich die Strandmuschel auf. Der Vorgang kommt relativ nah an den Spaß heran, den ich habe, wenn ich etwas aus dem Hause IKEA aufbaue. Anschließend trinke ich etwas, da ich befürchte zu dehydrieren.
Nun blase ich das Schlauchboot mit der mitgeführten Doppel-Hub-Pumpe auf. Ich befinde mich nun körperlich als auch psychisch jenseits aller menschlichen Regungen.
Gattin: Ach, schön hier...
Ich: Sei bitte still!
Gattin: Jetzt komm mal wieder runter.
Samstag, 15:00 Uhr
Ich versuche, in die Strandmuschel gekauert, einzuschlafen. Was nicht gleich gelingt, da es aufgrund fehlender Windbewegungen sehr schwül in der Strandmuschel ist.
Samstag, 16:00 Uhr
Als ich aufwache brennt mein Rücken ein bisschen. Nein, er schmerzt wie die Hölle. Ich habe in meinem angeschlagenen Zustand die Tatsache, dass sich die Erde um sich selbst und um die Sonne dreht, sträflich ignoriert. In diesem Zustand verlange ich, dass wir sofort aufbrechen. Meine Frau und meine Tochter wehren sich, doch ich beginne die Luft aus dem Schlauchboot abzulassen.
Dies gelingt jedoch, ohne dass ich mich drauflege, nur zum Teil. Also lege ich mich mit dem Bauch auf das Schlauchboot. Der Sonnenbrand schmerzt unerträglich.
Ab einem gewissen Stadium, muss ich das dreiviertel leere Schlauchboot an mich drücken um auch den letzten Rest der Luft herauszupressen.
So liege ich da, schnaufe und gebe mein bestes, als eine vorbeilaufende, ältere Frau mir - wohl durch mein Geschnaufe angelockt - die Frage stellt: Was machen Sie denn da?
Ich: ....
Ältere Frau: Ihr Rücken ist ja ganz rot, haben Sie sich nicht eingecremt?
Ich: Ich ficke mein Schlauchboot, mögen Sie mitmachen?
Die Frau geht schnell weiter.
Ich kauere mich zusammen unter fange unter Schmerzen an zu weinen.