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Ein Paket geht auf Reisen

Was kann man im Internet nicht alles bestellen? Endlich hat man das Al-Bundy T-Shirt mit der Nummer Polk-High-33 gefunden. Und die Tool-Time-Fussmatte wird gleich mitbestellt, so etwas gehört doch heute in jeden Standardhaushalt. Nur leider kann man die Sachen nicht direkt mitnehmen wie im Kaufhaus in der Nachbarschaft, ein Zustelldienst wird eingeschaltet.
Tom Hanks in dem Film "Verschollen" hält hier die Fahne hoch für FedEx, der sortiert die angeschwemmten Pakete auch auf einer einsamen Insel noch nach Zustellbezirken. Ob dieser Vorbildcharakter auch auf die heimischen Zusteller vom DPD abfärben kann? Rund eine Woche nach der Bestellung liegt ein informativer Zettel im Briefkasten. Aus diesem geht hervor, dass der Zusteller pünktlich um 12.20 Uhr vor meiner Haustür vergeblich darauf wartete, dass ich ihm die Tür öffne, und im Gegenzug meiner Barschaft das Paket entgegennehme. Jetzt befand ich mich aber dummerweise gerade auf der Arbeit, das kommt Mittwoch mittags gelegentlich vor. Ziemlich rücksichtslos von mir den Mann da so einfach stehen zu lassen! Aber keine Sorge, auf dem Zettel steht auch direkt wann er wieder mal reinschaut: Donnerstagmittag!

Die Freude über den unbändigen Willen zur Zustellung erhält aber doch schnell einen Dämpfer, leider befinde ich mich auch Donnerstagmittag wieder auf der Arbeit?! Um dem Zusteller eine erneute Enttäuschung vor der verschlossenen Tür zu ersparen, greife ich also gleich Donnerstag morgen zum Telefonhörer, um weitere mittägliche Zustellungen zu unterbinden. Nur leider hallt mir auch beim 20.Versuch immer wieder ein fröhliches Besetztzeichen entgegen. Weihnachten ist doch gerade vorbei? Ob vielleicht auch andere mittags nicht zuhause waren?

Aber es gibt noch andere Mittel und Wege: die aufgedruckte Faxnummer kann doch auch genutzt werden. Das Fax geht auch direkt durch und hier teilt man DPD mit, die möchten das Paket dann doch in die Firma liefern, weil mit abends und Wochenende haben die es nun mal auch nicht! Also wartet man einen Tag, zwei Tage, drei Tage... Ob die ihr Faxgerät versehentlich direkt über der Rundablage namens Papierkorb postiert haben?

Am Wochenende habe ich noch einen guten Tipp bekommen! Im Internet kann man mit der Paketnummer feststellen wo sich das Ding gerade befindet. Wirklich interessant, das funktioniert sogar! Da gibt es eine "Einrollung" am 29.01. um 16:50 Uhr, 13 Stunden später ist das Paket bereits beim richtigen Depot und die erste "Ausrollung" gibt es schon nach gut drei weiteren Stunden! Fix, die Jungs, ich könnte mich vor Gram verkriechen, dass ich mir an dem Tag keinen Urlaub genommen habe, denn schließlich ist die zügige Auslieferung ja nur an mir gescheitert! Das Ende der Liste ist mit Code 42 gekennzeichnet, gleichbedeutend mit "nicht angetroffen und zweimal benachrichtigt" Ja, die haben ihre Arbeit getan, wenn die sich ein zweites Telefon zulegen würden, könnte ich mich heute wenigstens direkt für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, die ich DPD bereitet habe. Oder soll ich noch mal ein Fax schicken? Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass die Tool-Time Fußmatte unverrichteter Dinge an den Absender zurückgeht...
Nein, halt, eine Chance gibt es noch! Auch bei einem Zustelldienst ist Abholung möglich (Logisch, oder?). Allerdings muss die Abholung vorher vereinbart werden?! OK, wählen wir mal wieder ein wenig, fest davon überzeugt die Kontaktaufnahme nach dem 25. Versuch einzustellen, meldet sich eine Stimme am anderen Ende. AHA, doch keine Briefkastenfirma! Die vorsichtige Anfrage nach dem verschollenen Fax wird postwendend beantwortet:
"Bin den ersten Tag heute hier, kann ich Ihnen leider nichts zu sagen!"
"DARF ich denn mein Paket dann vielleicht bei Ihnen abholen?"
"Ja, ich muss das dann erst mal suchen und rufe Sie dann an. Ist, damit Sie nicht so lange warten müssen!"
Na also, soll noch mal einer was über die Dienstleistungswüste Deutschland sagen, darauf wäre sogar Tom Hanks stolz gewesen! Er hat zwar nicht angerufen, aber der gute Wille zählt ja schließlich auch!

Aber man fährt trotzdem hin, irgendwo im Haus muss sich das Paket befinden, steht ja im Internet so drin. Die recht allgemein gehaltene Adresse Europaallee lässt sich bei ein wenig Ortskenntnis immer noch ausmachen, dann wird man in einen Parkplatz eingewunken, der in Schilda sicher Furore gemacht hätte: 300m lang und vier Meter breit inkl. Fahrspur, wenn man zwei Büsche plattfährt kann man da auch parken. Auf geht's zur Tür; die wo riesengroß Paketannahme draufsteht ist die richtige zum Abholen! Und was sehe ich da hinter der Theke? Drei nagelneue Faxgeräte und darüber ein Schild: "Nur für eingehende Faxe". Theoretisch hätte es also hier eintreffen müssen?! Nach nur einer Viertelstunde tritt ein aufgeschlossener Südländer mein Paket durch die Tür. Ob der wohl wusste, dass da eine Fußmatte drin ist und er genau das richtige Körperteil einsetzt? Auch sonst schafft er direkt eine persönliche Atmosphäre, weil er mich doch gleich beim Vornamen anspricht:
"Nachnahme is kompliziert, müssen Sie mit mir nach hinten kommen?"
Bis hier her bin ich gekommen, jetzt gebe ich auch nicht mehr auf! Ich folge ihm also durch eine weiss gekachelte Halle, die jeder Klapse bestimmt zur Ehre gereicht hätte, in den hinteren Teil der Büros. Hier empfängt mich eine Wasserstoffblondine inkl. Schosspinscher auf dem Schreibtisch, die sichtlich genervt ist, dass so kurz vor Feierabend auch noch eine Nachnahme anrückt! Nach der Kontrolle des Personalausweises erklärt sie sich sogar bereit, mein Geld entgegenzunehmen! Und dann war nach einer Unterschrift das Paket tatsächlich mein, ich konnte mein Glück noch gar nicht fassen. Leider gestaltete sich die Abreise etwas schwieriger, ein Kunde war direkt mit seinem Auto in der Einfahrt stehen geblieben, weil er keine Büsche zum Plattfahren mehr gefunden hat.
Wenn ich also je noch einmal etwas über das Internet bestelle, achte ich auch darauf, dass auf jeden Fall DPD anliefert, was hätte ich sonst alles verpasst?!

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