Nie wieder Fitness
Wer kennt sie nicht, die Models beiderlei Geschlechts, die trotz ihres Untergewichts noch sonnengebräunt von der Plakatwand lächeln können?! Eigentlich wären ja alle gut bedient, wenn man denen einfach ein paar Kilos abgeben könnte, aber so einfach ist das nun mal leider nicht!
Im Sommer kann man sich aufs Fahrrad schwingen, und auch nach der täglichen Arbeit noch bis in den späten Abend angenehme Temperaturen und Helligkeit genießen. Aber was ist mit dem Winter? 16.00 Uhr wird’s dunkel, kalt ist es eh schon den ganzen Tag, ein bisschen Bewegung wäre aber trotzdem nicht schlecht!
Also fällt der Vorschlag eines Freundes schnell auf fruchtbaren Boden, er kennt da schon ein Studio, in dem Fitness, Gesundheit, und Sauberkeit groß geschrieben werden, was soll also noch schief gehen?! Das Beratungsgespräch verläuft in angenehmer Atmosphäre, der Studio-Boss persönlich wagt es kaum die ganzen Vorteile seines Stolzes hervorzuheben. Ausgebildete Trainer, einen Monat zur Probe für DM 1, neueste Geräte, Sauna, Parkplätze im Einkaufszentrum vor der Tür und und und...
Vertrags-Stilllegung während der Sommermonate? Überhaupt kein Problem, da unterschreibt er sogar noch neben der in das Formular eingedruckten Gebühr von 35 DM, die ist gestrichen! Da ist die eigene Unterschrift eigentlich nur noch Formsache, ohne Risiko, es gibt ja einen Probemonat! Jetzt wird direkt ein Termin vereinbart für das erste Training unter fachmännischer Aufsicht. Eine sympathische Sportstudentin zeigt einem den ganzen Parcours, stellt einen Plan auf, nach dem die nächsten Wochen trainiert werden kann. Genau das tut man auch, vielleicht nicht so oft wie ursprünglich beabsichtigt, aber man tut es. Man ändert sich den Plan persönlich ab, es gibt halt Foltermaschinen die man lieber aufsucht als andere...
Der Probemonat ist rum, man könnte es hier vielleicht doch 12 Monate (mit Unterbrechung durch die Sommermonate) aushalten. Nach etwa zwei Monaten möchte man mal einen neuen Trainingsplan haben, auch kein Problem, nur diesmal hat die Dame im besten Alter eher die Mentalität eines Schleifers bei den Marines und möchte das ganze Thema doch möglichst schnell hinter sich bringen. Gibt schon Abzüge in der B-Note. Auch sonst lässt die Begeisterung schnell nach, in der Umkleide ständig Gedränge in der gleichen Ecke, weil die Spindschlüssel ganz clever immer nebeneinanderliegend ausgegeben werden. Oft kommt man an die präferierten Geräte nicht heran, da sitzen Leute rum, die entweder ein nettes Schwätzchen halten oder nur so vor sich hinträumen, nur ums Verrecken nicht ins Schwitzen kommen wollen.
Was soll’s? Ab Mai ist erst mal Pause, das Formular wird eingereicht, kein Problem. Allerdings wird der Monatsbeitrag weiter vom Konto abgebucht. Na ja, die Stilllegung ist am 29.04. vielleicht doch etwas spät eingereicht worden, macht ja nix, die Vorauszahlung wird ja auf spätere Monate angerechnet. Im folgenden November geht’s wieder los, mit dem Ablauf des Jahresvertrages zum 30.04. nächsten Jahres möchte man jetzt aber gerne kündigen. "Bitte schriftlich einreichen" heißt es an der Rezeption. Kein Problem, handhaben wir das Ganze doch einfach schriftlich. Nur die Antwort war die Falsche. Die Kündigung hätte doch längst in der Stilllegungszeit eingehen müssen, dadurch hätte sich der Vertrag automatisch ein halbes Jahr verlängert. Und das obwohl noch nahezu ein halbes Jahr Nutzungszeit ansteht! Lustige Auffassung! Und ob einem vielleicht irgendwas nicht zugesagt hätte? Und ob!!! Das lässt sich auch klar in Worte fassen...
In einem endlosen Schriftwechsel muss man sich jetzt belehren lassen, dass die Nutzung in dem Studio jetzt doch nur auf Kulanzbasis läuft, ich hätte doch auch im Sommer das Studio nutzen können, es hatte ja schließlich geöffnet. Der Begriff Vertrags-Stilllegung hat hier wohl eine andere Bedeutung? Jetzt erinnert man sich daran, dass doch immer wieder Nachrichten über dubiose Verträge von solchen Buden durch die Presse geistern. Der Vertrag wird nochmals rausgeholt, da steht allerdings von solchen Praktiken nix drin...
Währenddessen wird im Dezember das gesamte Studio umgebaut, es ist kaum wiederzuerkennen! Und wo ist meine Lieblings-Foltermaschine? Oh sorry, die ist nicht mehr da, die hat auch zu viel Platz gebraucht. Richtig, denn jetzt wurde alles auf reinen Herdenbetrieb ausgerichtet, und da sind Maschinen, die Platz brauchen, vollkommen fehl am Platze. Dafür gibt es jetzt aber den ganz besonderen Service: 24-Stunden geöffnet! Super, nachts um 3 Uhr hatte ich doch schon immer mal das Bedürfnis ein bisschen auf dem Standrad zu fahren! Dieser Service hat doch so viel Begeisterung hervorgerufen, dass ich auch in den schon bezahlten Monaten beinahe nicht mehr da anzutreffen war.
Der Schriftwechsel ließ inzwischen nach, die Fronten waren aber immer noch die gleichen. Dies bedeutet folgerichtig, dass ich Anfang Mai eine Beitragsabbuchung in Höhe von 89 DM von meinem Konto stornieren lassen musste. Jetzt folgten Mahnungen, Zahlungsaufforderungen und Drohungen bez. gerichtlicher Schritte. Aber selbst das dauert bei dem Laden ewig lange...Diesen Winter werde ich wohl doch lieber einen Fernseh-Marathon bewältigen; die dazugehörige Bier-Olympiade und den Chips-Grand-Prix kann ich ja diesmal auslassen...