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2002 ist gerettet!

Dortmund - Was wünschen sich die Deutschen am sehnlichsten für das Jahr 2002? Einen Erfolg für den EURO? Ja, wäre auch ganz nett, obwohl viele skeptische Blicke hinsichtlich der neuen Währung nicht nur nach Italien wandern. Die "fünf Wirtschaftsweisen" haben gerade mal wieder eine vernichtende Prognose für das kommende Jahr gestellt (wer hat die eigentlich für "weise" erklärt?).
Andere Wünsche? Vielleicht Frieden in der Welt? Ach Quatsch, die Deutschen sind doch gerade auf dem Weg, nach langer Abstinenz bei keinem bedeutenden Krieg mehr außen vor zu bleiben.
Was beschäftigt die heimische Bevölkerung also wirklich? Richtig, die Gunst des Fußballgottes! Nach peinlichen Niederlagen (vor allem gegen England, dessen Boulevardblätter gerne für jedes Länderspiel wieder den 2. Weltkrieg heraufbeschwören) gibt es am 14.11.2001 gegen die Ukraine die letzte Chance zur WM-Teilnahme 2002! Sogar der Bundeskanzler versucht seine Bemühungen um die Vertrauensfrage für das Länderspiel zu unterbrechen, was kann dann noch passieren, wenn sogar er auf einen deutschen Sieg tippt?!
Die Stimmung im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion ist also ausgesprochen gespannt. Die Zuschauer werden schon im Vorfeld mehrfach als 12. Mann gepriesen. Sie interpretieren das dahingehend, dass sie zur ukrainischen Nationalhymne pfeifen, vielleicht etwas übertrieben, die anderen 11 tun so was nämlich zum Glück nicht (Effe ist ja immer noch suspendiert!).
Begleitet vom OBI und Bitburger geht’s dann los (zum ersten Mal seit Monaten sehe ich länger als eine Viertelstunde öffentlich-rechtlich, trotzdem muss ich für diese Werbekanäle auch noch eine Menge zahlen!). Bereits in der 4. Minute fällt das 1:0, in der 11. Minute bereits das 2:0! Das Publikum skandiert bereits "Ihr könnt nach Hause fahren!". Vielleicht ein bisschen früh?! Das 3:0 in der 15. Minute scheint ihnen aber recht zu geben. Teamchef Rudi Völler, dem zuletzt eine kurze Karriere als Coach nachgesagt wurde, kann nun Sprechchöre zu seinen Gunsten verbuchen, anstatt sich von orangenen Hemden oder der deutschen Presse anspucken zu lassen.
In der 2. Halbzeit wird noch einer draufgelegt, mit dem 4:0 ist die Sache doch klar, Deutschland ist auch 2002 bei der WM dabei! Die Ergebniskorrektur auf ein 4:1 nimmt schon keiner mehr wahr. Das traurige Gesicht des ukrainischen Trainers, der auch mal gerne zu einer WM gefahren wäre, interessiert auch keinen mehr. Mehr Aufmerksamkeit wird dem Anruf des Kanzlers, den Hymnen des Innenministers und den hämischen Kommentaren von "Kaiser Franz" gewidmet.
2002 ist also gerettet, nicht nur für den fußballbegeisterten deutschen Fernsehzuschauer und die Wirte, die das Ganze wieder in einen kollektiven Alkoholismus ausarten lassen, nein auch für die Werbeindustrie und die Veranstalter, die vermutlich ziemliche Probleme gehabt hätten, in der Ukraine die gleichen Einnahmen wie in Deutschland zu erzielen...

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