Die Kanzlerpacker
Erschütternd
Wieder mal stand der Kanzler sinnlos in der Gegend herum.
Niemand hatte ihn kommen sehen, also hatte er sich unbemerkt in die Einkaufsstraße in D. bei E. in H. schleichen können.
"Ist doch alles da, was wollt Ihr denn noch, Ihr Nörgler und Defätisten.
Da hättet Ihr mal in die Zone fahren müssen, da gab’s nix!" rief der Kanzler den Passanten zu, die wie er in die prallgefüllten Schaufenster blickten.
"Nix, gab's da und die Leute hatten Geld. Hier könnt Ihr alles kaufen und Ihr jammert noch, Ihr Miesepeter, Süßwassermatrosen und Sparschweinschlachter."
In der Nähe stand seine magere Gattin, die wie wild auf ihrem Handy herumtippte.
Denn das war wieder einmal:
EIN FALL FÜR DIE KANZLERPACKER
Innerhalb kürzester Zeit hörte man den ohrenbetäubenden Lärm eines sich nähernden Helikopters und die Passanten flohen in die umliegenden Geschäfte.
"Konjunkturbelebung ist das, jawoll. Sehet, die Menschen kaufen wieder ein", schrie der Kanzler, "man muss nur die rechten Worte finden."
Ungefähr zehn kräftige Männer in Kampfanzügen sprangen aus dem Hubschrauber und stürzten sich auf den Kanzler.
Dieser beruhigte sich erst, als sie Richtung Berlin flogen.
"Schatz, du kannst doch nicht vor allen Leuten solch einen Unsinn reden. Mach das doch lieber nur im Bundestag", riet ihm seine Frau beschwichtigend, die Hand auf seinem Arm, "da bist du unter Deinesgleichen und niemand hört dir zu."
Der Kanzler blickte versonnen aus dem kleinen Fenster auf die karge Landschaft unter ihm.
"Aber die Leute haben wieder eingekauft und das ist doch die Hauptsache", brummelte er zufrieden mit sich und der Welt und grinste.