Autoren I Autoren II Texte nach Themen Satiren in Bildern Kontakt Frankfurter Magazin
Startseite Autoren I Horst Evers

Autoren I


Heiner Hänsel Rüdiger Schneider Robert Reitz Lothar Oels Thomas Nast Oliver Gaspirtz Beate Mayer Anant Kumar Horst Evers Sören Gütschow Ralf Kessler Gitta Klaßen Hedda Plecher Bodo Wenzlaff Helmut Pöll Katharina Kurz Guido Heyn Jon Martina Leach Erwin Grab Wolfgang Klein Jörg Schwedler Jochen Gerken Robert Rödel Guido Seifert



Innere Sicherheit I

Passiert ist es irgendwann Anfang der 90er Jahre in London und bis heute nimmt dieses Erlebnis in meiner persönlichen Top 10 von Momenten größter Angst, genauso wie in meiner Rangliste peinlichster Situationen einen absoluten Spitzenplatz ein. Es geschah nach einem Theaterbesuch.

Nach Ende der Vorstellung musste ich noch schnell auf Toilette. Ich ging, wohin ich gehen musste und ließ, wie es so meine Art ist, meinen Rucksack solange vor der Sitzreihe stehen. Das war ein Fehler. Gerade hatte ich alle notwendigen vorbereitenden Verrichtungen getroffen und auf der Brille platzgenommen, als es plötzlich von außen an die Kabinentür hämmerte: »Open the door!«
Mir fiel in meiner Not nix Besseres ein, als zurückzubrüllen: »Is occupied!«
»Security, open the door immidiately!!!«
Ich öffnete die Tür und sah drei bewaffnete Männer, zwei davon mit der Waffe im Anschlag. In diesem Moment lernte ich, dass die Redensart sich vor Angst in die Hosen machen, nicht nur eine Redensart ist. Gott sei Dank saß ich ja schon auf Toilette. Tatsächlich leerten sich beim Anblick der beiden auf mich gerichteten Waffen Darmtrakt und Harnblase so schnell, unkompliziert und grundlegend aus, dass bei aller Angst auch ein gewisses Glücksgefühl nicht ausblieb. Eine interessante Erfahrung. Auch für die Securitykräfte muss der Anblick des sich hilflos, endlos entleerenden Touristen etwas zutiefst Anrührendes gehabt haben, woraufhin sie mich sofort als harmlos einstuften und ihre Waffen sinken ließen. Dennoch ermahnten sie mich später streng, dass ich nie wieder an öffentlichen Orten Taschen oder Ähnliches stehen lassen sollte. Natürlich fand ich seinerzeit die allgegenwärtige Panik der Engländer vor Anschlägen der IRA reichlich übertrieben, gab den Wachleuten aber vorsichtshalber in allem recht.
Trotzdem muss ich zugeben, dass ich seither in Zeiten wirklich schlimmer Verdauungsbeschwerden recht gerne in Berlin mit einem leeren Aktenkoffer zum Flughafen fahre, ihn irgendwo auffällig stehen lasse, auf Toilette gehe und geduldig warte, bis mir ein Trupp bewaffneter Wachleute Erlösung bringt.

Druckbare Version

Das große Spiel Innere Sicherheit II