"Was. Wir. Wissen."...
"Was. Wir. Wissen." – gesicherte Erkenntnisse über Benjamin von Stuckrad-Barre
Es ist noch gar nicht lange her, da hatte ich ein sehr angenehmes Gespräch mit einer Buchhändlerin. Wir sprachen über Gegenwartsliteratur, und waren beide der Meinung, dass zur Zeit anscheinend jeder, der zumindest irgendwie seinen Namen einigermaßen fehlerfrei schreiben kann, jeden Mist von den Verlagen veröffentlicht bekommt.
Man nennt Benjamin von Stuckrad-Barre einen "Popliteraten". Ein "Popliterat" ist jemand, der seinen Lesern eigentlich nichts zu sagen hat und dessen Schreibkunst bestenfalls dürftig zu nennen ist. Jedoch hat der "Popliterat" die unangenehme Fähigkeit, in seinen Texten sehr viel heiße Luft zu produzieren und sich sehr trendy, cool und/oder elitär zu geben.
BvSB ist die unangefochtene Nummer eins unter den Popliteraten (wie man hier , hier und hier nachlesen kann).
Und er hat ein neues Buch veröffentlicht. "Was. Wir. Wissen." heißt das Machwerk, und eigentlich hätte ich das Erscheinen dieses Buches gar nicht bemerkt, wenn mir der Kollege Sören Gütschow nicht ein sehr seltsames Interview mit BvSB zugeschickt hätte. – Dieses Interview ist in der dubiosen (Studenten-)Zeitschrift "Karriere" (Ausgabe 10/05) erschienen und in diesem Interview geht es um Stuchkrad-Barres neues Buch.
Um das Interview entsprechend würdigen zu können, ist es hilfreich, wenn man weiß, um was es in dem Buch geht. – Nämlich um Nichts. Wirklich. Es geht um Nichts. Ich war in der Buchhandlung und habe mir das Übel angesehen. – Benjamin von Stuckrad-Barre hat in dem Buch einfach nur blöde Fragen gestellt, sich dann bruchstückhafte Antworten aus dem Internet zusammengestellt/-gegoogelt, und dann die Antworten zu seitenlangen Listen zusammengefasst. – Ohne tieferen Sinn, ohne Hintergedanken, ohne Witz, ohne Hirn. Sie glauben es nicht? Bitte, hier zwei Leseproben (gekürzt):
Was kurbelt die Wirtschaft an?
- Senkung der Lohnnebenkosten durch private Vorsorge
- Ein vernünftiges Gefälle zwischen Arm und Reich
- Nachfrage nach pharmazeutischen Produkten
- Im eigenen Land Urlaub machen
- Mehr netto im Portemonnaie
- Gute Stimmung
- Autobahnbau
- Krieg
- Wiederaufbau einer zerstörten Gegend
(...)
- Alk
- Traurig sein
(...)
- Winnetou
- Der Krankenhausgesetzgeber
- Hanf
- Dummheit
- Kreative BWL-Studenten
(...)
Was lernt man auf keiner Universität?
- Kommunikation zwischen Arzt und Patient
- Die Lehren aus einer Firmenpleite
- Abstraktes Denken
(...)
- Kreativität
- Webdesign
- Arbeit mit Naturmaterial
- Management
- Rock'n Roll
(...)
- Wirklich lebenswichtige Dinge
- Wie man Menschen führt
- Ethisches Verhalten
- Programmieren
- Interdisziplinäres Arbeiten, prozessorientiertes Denken und Spaß an der Hubschrauberperspektive
Das vollständige Elend umfasst fast 250 Seiten!!
Warum tut BvSB das den LeserInnen an? Was will er uns damit sagen? – Die Antwort gibt er im Interview:
"... das ist ja die Absicht des Buches... einen relativ realistischen Einblick zu geben in das, was Welt behauptet zu sein."
Liegt die Betonung in dieser Behauptung bei "realistisch " oder doch eher bei "relativ"? Und was behauptet "Welt" denn so? Und kann man das (der) "Welt" nicht mal ausreden? Und warum spricht BvSB "Welt" ohne einen Artikel an?
- Der fehlende Artikel vor "Welt" lässt sich allerdings auch aus dem Interview erklären, denn:
"Eine Ausbildung habe ich nie abgeschlossen. Nach dem Abitur fing ich an, in Hamburg Germanistik zu studieren. Zwei Tage lang, dann war Schluss."
- Das erklärt natürlich einiges; schauen wir uns doch an, warum BvSB sein Germanistikstudium geschmissen hat:
"Es ging mir auf die Nerven, im Schneidersitz zu sitzen und sich darüber zu beschweren, wie teuer die Wohnungen sind. (...)"
Mal davon abgesehen, dass BvSB in seiner Antwort einfach mal völlig falsch von der ersten in die dritte Person wechselt ("... mir auf die Nerven... sich darüber zu Beschweren"), ist es natürlich verständlich, wenn BvSB sein Studium nach zwei (!) Tagen abbricht, weil die doofen Germanisten nur blöde im Schneidersitz rumsitzen und über teure Wohnungen lamentieren. – Nichts anderes kennt man ja von denen.
– Merke, schuld am traurigen Werdegang von BvSB sind letztendlich überteuerter Wohnraum und eine falsche Sitzposition. Das ist traurig.
Aber ein bisschen was, hat BvSB doch in seinem Leben gelernt, denn:
"Ich weiß leider zu viel über Fußball zwischen 1980 und 1990. Das geht auch nie mehr weg. Ich habe oft genug versucht, das zu vertreiben, aber sinnlos."
Das ist natürlich schockierend, dass das "nie mehr weg" geht. – Praktisch so wie eine dieser unangenehmen Krankheiten im Genitalbereich, wo es dann juckt oder brennt…
Aber warum wollte er "das" "vertreiben"? Quält ihn sein Fußballwissen (zwischen 1980 und 1990!) so sehr, dass er es wirklich austreiben muss? – Und wie hat er "versucht, das zu vertreiben"?
Vielleicht sollte er mal was anderes versuchen? Z.B., sich fünfmal täglich mit einem mittelgroßen Vorschlaghammer auf den Kopf hauen lassen? Ich denke, irgendwann wird "das" dann auch vertrieben sein…
Vielleicht schlägt BvSB sich aber schon täglich selbst mit dem Hammer auf den Kopf, denn anders - als mit einer ziemlich üblen Deformation seines Hirns – ist sein "Literaturverständnis" nicht erklärbar:
"Nach meinem Literaturverständnis ist mein Buch sogar als ein Roman zu sehen, der Auskunft über die Welt gibt, in der wir leben."
- Nein, nein, das habe ich mir nicht ausgedacht! Das hat der wirklich gesagt. Das steht da so. Wahrhaftig. Ja, lesen Sie ruhig noch mal oben in diesem Text die spannenden Beispiele aus dem "Roman".
- Nach meinem "Literaturverständnis" ist auch das Telefonbuch von Frankfurt am Main nichts weiter als ein großer, extrem versauter Erotik-Roman, denn er/es gibt "Auskunft" über potentielle Beischlafpartner aus der Stadt "in der wir leben". Oder die Gebrauchsanleitung meiner Mikrowelle: eine vorzügliche Novelle!
Spätestens jetzt dürften auch Sie sich fragen, wie Benjamin von Stuckrad-Barre jemals auf die blöde Idee kommen konnte zu schreiben:
"Ja, ich habe angefangen zu schreiben, weil ich Herbert Grönemeyer anfassen wollte."
Okay, das erklärt natürlich einiges. Das ist ein echter Grund. Eine echte Motivation. Grönemeyer anfassen. Mir ging es ähnlich. Ich habe angefangen zu schreiben, weil ich Britney Spears anfassen wollte... na ja... nicht nur anfassen... vielleicht auch ein bisschen mehr... Sie wissen schon...
Zum Schluss noch was in eigener Sache. Mein neues Buch: