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From Sarah with love

Als ich, in meiner Funktion als Chefredakteur, vor einigen Wochen den E-mail-Redaktionsbriefkasten leerte, fand ich, neben den üblichen Beschimpfungsmails unserer Leser, und Drohungen diverser Inkasso-Unternehmen, auch ein sehr erfreuliches, wenn auch höchst geheimnisvolles Schreiben von einer Frau Namens Sarah.

Die Mail war an die Redaktionsadresse geschickt worden. – Es handelte sich bei diesem Schreiben um eine Art zarte Kontaktaufnahme, einen schüchternen Liebesbrief, um einen verzweifelten Hilferuf… aber was erzähle ich hier, lesen Sie doch einfach selbst. – Ich werde dann später dazu Stellung nehmen. Die Mail von Sarah ging nämlich so:

Hallo,

danke für deine Antwort auf mein Inserat…
Ich bin froh, dass ich endlich geschieden bin und hoffe, dass du anders als mein Ex bist…

Da ich selbst keinen Computer habe, mir eine Freundin aber geraten hat, im Internet mal ne Anzeige zu schalten, dachte ich mir, dass es am einfachsten wäre, wenn du mich auf einer anonymen Nummer anrufen kannst. Damit die Sache nicht teuer wird und du mir auf einem Anrufbeantworter deinen Namen und deine Telefonnummer hinterlassen könntest, damit ich dich zurückrufen kann. Außerdem vielleicht eine kurze Beschreibung von dir…

Damit du schon etwas Appetit auf mich bekommst, gebe ich dir im Ansagetext auch die Adresse einer Internetseite, wo ein paar Bilder von mir zu sehen sind (aus dem letzten FKK-Urlaub mit meinem Ex…).

Also wenn du Lust hast ruf mich an und hinterlasse Vornamen und Telefonnummer und schau dir meine Fotos an – ich rufe dich dann zurück. 0190 833658191 (Euro 1.86 Min)

Bis bald

Sarah


Als ich Sarahs Brief las war ich sehr gerührt, ja schon fast den Tränen nahe. Aber es taten sich auch viele Fragen auf die nun langsam beantwortet werden wollen.
Wann um Himmels Willen habe ich Sarah auf ihr Inserat geantwortet? – Von welchem Inserat spricht sie überhaupt? – Habe ich da etwas vergessen? War es vielleicht so, dass ich in einer volltrunkenen Nacht Kontaktanzeigen im Internet durchstöbert und beantwortet habe und nun nichts mehr davon weiß? Und warum schreibt Sarah mich nicht unter meiner persönlichen E-mail-Adresse an, warum benutzt sie die Redaktionsadresse? Vielleicht ist der Brief gar nicht an mich gerichtet, sondern an den Rüdiger, oder den Thomas? Oder einen anderen Herbst-Mitarbeiter? Doch das ist erst einmal nebensächlich. Viel wichtiger ist es, dieser verzweifelten Frau zu helfen.

„Ich bin froh, dass ich endlich geschieden bin und hoffe, dass du anders als mein Ex bist…“

So, sie ist also frisch geschieden. Und hofft, dass ich anders bin als ihr Ex. Sarah, wenn du
diese Zeilen liest, ich schwöre dir, ich bin ganz bestimmt anders als dein Ex, glaube mir!
Verzweifle nicht! Und wenn du willst, Sarah, dann verprügle ich auch deinen Ex, ganz bestimmt!

„Da ich selbst keinen Computer habe…“

Ich bewundere diese Frau. Sie hat nicht nur eine schwere, zerrüttete Partnerschaft und eine bestimmt nervenaufreibende Scheidung hinter sich, nein, hinzu kommt, dass die Arme noch nicht einmal einen Computer besitzt. Und trotzdem hat sie es irgendwie geschafft, eine Kontaktanzeige ins Internet zu stellen, besitzt eine E-mail-Adresse und sogar eine eigene Homepage:

„…gebe ich dir im Ansagetext auch die Adresse einer Internetseite, wo ein paar Bilder von mir zu sehen sind…“

Was für ein Teufelsweib, welche Energie muss in solch einer Frau stecken?
Und Sarah wird mir immer sympathischer, liebt sie doch auch, so wie ich, die Freikörperkultur:

„…aus dem letzten FKK-Urlaub mit meinem Ex…“

Oh Sarah, wir passen bestimmt zusammen!

Auch schätze ich an Sarah, dass sie mir von vornherein vertraut, mir sogar ihre Telefonnummer gibt. Und dieser Umstand lässt mein Herz noch mehr für Sarah schlagen, muss ich doch feststellen, dass sie in diesem gemeinen Ort mit der Vorwahl 0190 wohnt.

„0190 833658191 (Euro 1.86 min)"

Jener Ort, in dem die Bewohner so wahnsinnig hohe Telefongebühren zahlen müssen. - So hohe Gebühren, dass die Bürger dieses Ortes sogar spät abends im Fernsehen Werbespots veröffentlichen um ihre Freunde und Bekannten aufzufordern sie anzurufen, weil sie es sich selbst nicht leisten können. – Und bekleidet sind die Bewohner dieses Ortes immer nur mit einem zarten Leibchen, habe ich selbst gesehen. Wahrscheinlich langt das Geld nicht für anständige Kleidung, bei den horrenden Telefongebühren!

Natürlich habe ich schnell zum Telefon gegriffen und Sarahs Nummer gewählt. Ja, und dann hörte ich zum ersten mal ihre Stimme – vom Band. Und Sarah erzählte von sich – lange. Das fand ich unglaublich toll und aufmerksam von ihr, konnte ich mir doch so schon einmal ein genaues Bild von meiner Traumfrau machen. Und endlich, nach spannenden Minuten in denen ich aufmerksam ihrer Stimme lauschte, verriet Sarah mir ihre Homepageadresse. – Auch das machte sie ganz toll. Erst nannte sie die Adresse ganz normal, anschließend buchstabierte sie noch mal die Adresse ganz, ganz langsam, damit ich auch genug Zeit zum mitschreiben hatte (was ich wieder sehr aufmerksam fand) und zur Sicherheit wiederholte sie dann noch mal die Adresse am Stück, - bevor sie sie dann noch mal buchstabierte und noch mal wiederholte. Nach ca. 15 Minuten konnte ich die Homepageadresse dann auswendig.

Dann piepste es endlich auf Sarahs Anrufbeantworter und ich hatte Gelegenheit mich vorzustellen. Da das jedoch so überraschend kam, viel mir spontan nichts ein und ich legte auf. Schnell machte ich mir ein paar Notizen was ich meiner Sarah alles mitteilen wollte. Dann rief ich noch mal an. – Ein bisschen ärgerlich war es ja schon, dass ich mir jetzt noch mal volle 30 Minuten lang Sarahs Text anhören musste, bevor ich sprechen konnte. Doch dann war es soweit, ich durfte mich vorstellen, durfte auf Sarahs Anrufbeantworter sprechen.

Das tat ich dann auch. Lange und ausführlich. Ich beschrieb alle meine Vorzüge in der kurzen Zeit die mir bis zum Bandstop von Sarahs Anrufbeantworter bleiben sollte. Ich weiß ja aus Erfahrung, dass man meistens nicht länger als zwei Minuten auf so einen Anrufbeantworter sprechen kann. Doch Sarahs Anrufbeantworter war irgendwie anders. Sehr anders. Irgendwann hatte ich auf jeden Fall den Eindruck, dass ich Sarah schon sehr lange und sehr viel von mir erzählt hatte. – Ich war gerade an der Stelle, an der ich Sarah meine Lieblingsmasturbationsphanatasie im Alter von 15 Jahren anvertraute, als ich unwillkürlich auf die Uhr blickte. Und dann dachte ich mir: „Mensch Heiner, wie schnell doch die Zeit vergeht. Schon wieder 2 Stunden rum.“ Langsam kam ich zum Ende meiner Vorstellung, was heißt, dass ich so 30 Minuten später auflegte.

Als nächstes ging es ins Internet. Zu Sarahs Homepage. Wollte ich doch nun sehen wie sie aussah. Und ich sah sie. In ihrem FKK-Urlaub. Auf einem Bauernhof! Seltsam, ich mache immer FKK-Urlaub irgendwo am Meer, am Strand. Nicht so Sarah, sie machte FKK-Urlaub auf einem Bauernhof. – Auf welchem Bauernhof kann man denn FKK machen? Was es nicht alles gibt…
Ja, da war sie, wie Gott sie schuf. Bzw. auch mal in schwarzen Dessous.

Ich muss zugeben, dass ich es schon ein wenig ungewöhnlich finde, auf einem Bauernhof in Dessous rum zu laufen. Aber andere Länder, andere Sitten…

Ja, und dann gab es auf Sarahs Homepage noch mehr Fotos zu sehen. Dazu musste ich aber in einen geheimnisvollen „Erwachsenenbereich“ eintreten und in so ein Feld meine Personalausweisnummer eingeben. Was man nicht alles macht wenn einen Armors Pfeil getroffen hat! Die folgenden Fotos, die wohl ihr „Ex“ von ihr geschossen haben muss, waren allerdings weniger vorteilhaft für Sarah. Ihr Freund hat wohl nicht so viel Ahnung vom Fotografieren. Jedes Foto war aus einer so ungünstigen Perspektive geschossen, dass es aussah als würde Sarah mit Absicht ihr Geschlecht dem Betrachter entgegenstrecken. – Und das war mit Sicherheit nicht ihre Absicht, das tut doch keine anständige Frau!

Auf jeden Fall habe ich Sarah nun in ihrer ganzen Schönheit gesehen. Ihre dauergewellten Haare, ihre geschmackvollen Dessous, ihren straffen, wohlgeformten Körper. Und ich brenne darauf Sarah kennen zu lernen.
Doch leider hat sie mir noch nicht auf meine Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter geantwortet!
Ich mache mir Sorgen. Hat sie aus Versehen meine Nachricht gelöscht? Ist ihr etwas zugestoßen? Darum meine Bitte an alle Leser dieses Artikels. Wenn jemand Sarah kennt, sagt ihr bitte sie soll sich bei mir melden! Ich will ihr doch helfen!

In einer Zeit, in der nur noch der blanke Kommerz regiert, in der es nur noch um billige Abzocke geht, hat diese Frau einen Hilferuf in die Welt hinaus geschickt. Ich habe ihn gehört! Sarah, bitte melde dich!

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Mach dich nackig du Luder Droste, Möllemann und die Juden