Autoren I Autoren II Texte nach Themen Satiren in Bildern Kontakt Frankfurter Magazin
Startseite Autoren I Heiner Hänsel

Autoren I


Heiner Hänsel Rüdiger Schneider Robert Reitz Lothar Oels Thomas Nast Oliver Gaspirtz Beate Mayer Anant Kumar Horst Evers Sören Gütschow Ralf Kessler Gitta Klaßen Hedda Plecher Bodo Wenzlaff Helmut Pöll Katharina Kurz Guido Heyn Jon Martina Leach Erwin Grab Wolfgang Klein Jörg Schwedler Jochen Gerken Robert Rödel Guido Seifert



Mach dich nackig du Luder

Meine Wohnung müsste mal wieder geputzt werden. Dringend. Sie ist inzwischen wirklich nicht mehr schön anzusehen. Schuld daran ist meine Freundin. Wir leben nämlich in getrennten Wohnungen und das klappte bisher auch ganz gut. Auch das mit dem Putzen – ich putze noch selbst – klappte ganz gut. Doch das änderte sich vor knapp 6 Monaten. Seitdem wurde meine Wohnung nicht mehr gereinigt. Vor 6 Monaten nämlich offenbarte mir meine Liebste, dass es an der Zeit wäre endlich zusammen zu ziehen. Diese Ankündigung traf mich völlig überraschend. So lange sind wir ja nun auch noch nicht zusammen, dachte ich mir, dass man gleich zusammenziehen muss. Wir sind doch erst in der Phase in der man den anderen ein wenig näher kennen lernt, nach gerade mal 7 Jahren Partnerschaft. Das Frauen immer alles so überstürzen müssen.
Nach gutem Zureden ihrerseits, willigte ich jedoch ein und wir begannen mit der Suche nach einer adäquaten Bleibe. – Schnell hatte ich mir auch ein Bild von meiner Traumwohnung gemacht, man möchte sich ja schließlich wohnraumtechnisch nicht verschlechtern: mindestens 5 Zimmer, 2 Bäder (wenn möglich Marmor), Einbauküche, Balkon (Südseite), Kamin, Parkett und schöne Lage (also weiterhin Nordend!). Die Miete sollte nicht mehr als sechshundert Euro im Monat betragen – warm!
So begannen wir mit der Suche nach dieser Wohnung und ich hörte schlagartig auf zu putzen. Es wäre doch auch ärgerlich, wenn ich heute putze und morgen finden wir meine Traumwohnung. Dann wäre das ganze Staubwischen, Saugen und Fenster polieren glatt umsonst gewesen!
Ja, es ist schon nicht so ganz einfach mit den Partnerschaften und überhaupt mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Vor drei Wochen, es war im Januar, war ich mit meiner alten Freundin Annett verabredet. Wir wollten tanzen gehen. Verabredet war, dass wir uns abends um zehn vor einer Kneipe treffen, dort ein Bierchen trinken und anschließend eine Tanzlokalität Namens „Holiday“ aufsuchen. Pünktlich um zehn stand ich vor der Kneipe. Ich war der einzige. Die Kneipe hatte aus unerfindlichen Gründen geschlossen und Annett war auch nicht da. Ich wartete. Mann weiß ja, dass Frauen sich gerne ein wenig verspäten. „Ein wenig“ wurde von Annett dann neu definiert: nach 45 Minuten tauchte sie auf. In der Zwischenzeit war ich schon halb erfroren, denn in die Kneipe konnte ich ja nicht. Auch wurde ich von insgesamt 5 Halbwüchsigen gefragt ob ich ihnen Hasch verkaufen wolle. Des Weiteren hielten mir 3 ältere Herren jeweils einen Fünfzigeuroschein hin und fragten ob ich mit zu ihnen ins Auto steige. – Vielleicht ist das Frankfurter Bahnhofsviertel doch kein so geeigneter Ort um auf jemanden vor einer geschlossenen Kneipe im Winter 45 Minuten lang zu warten?
Das erste was Annett sagte, als sie dann schließlich kam, war: „Hast du meine SMS bekommen? Habe dir ja geschrieben, dass es später wird.“ Nein, ich hatte die SMS nicht bekommen. – Was auch nicht verwunderlich war, denn mein Handy lag zuhause! Aber Annett hatte ihr Handy dabei. - Und als wir mit Annetts Auto ins „Holiday“ fuhren, hielt sie mir, während sie den Wagen steuerte, dieses Handy hin und bat mich, ihren Freund per SMS darüber zu informieren wo wir hinfuhren, falls er nachkommen wolle. Sie sagte: „Schreib einfach: Fahren ins Holiday, wie schaut`s aus?“ Ich darf an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, dass ich wegen einer blöden, nicht erhaltenen SMS, 45 Minuten lang in eisiger Kälte ausgeharrt hatte und meine Finger noch ziemlich klamm und unbeweglich waren. Wahrscheinlich war das der Grund, warum ich ganz aus Versehen, einen nur minimal abweichenden Text in das Mobiltelefon tippte. Mein Text ging so: Fahre in Holiday, es ist aus! Annetts Freund meldete sich an diesem Abend nicht mehr.
Beinahe nicht mehr gemeldet, habe ich mich auch bei einer Frau, die ich vor Jahren kennen lernte. – An einem Samstagabend in einer Szenekneipe. Eigentlich fing alles ganz nett an. Wir kamen zufällig ins Gespräch, unterhielten uns recht gut und tranken ein paar Gläser Wein. Auch als sie fragte, ob ich noch auf einen Tee mit zu ihr kommen wolle – sie wohnte gleich um die Ecke – schöpfte ich noch keinen Verdacht und war völlig entspannt. - Ich bejahte. Doch als wir dann bei ihr waren, auf einer rosa-grünen Couch saßen und Tee schlürften, ließ sie die Katze aus dem Sack: „Du, ich bin Esoterikerin, musst du wissen.“
Eiskalt lief es mir den Rücken runter, ich zitterte. Hatte mir meine Mutti nicht immer gesagt, ich solle nicht mit zu fremden Frauen in die Wohnung gehen? Das hatte ich nun davon. Verzweifelt rang ich nach Worten um mich aus der misslichen Lage zu befreien. „Toll“, rief ich, „und ich bin Sodomit (Person, die Sex mit Tieren macht, Anm. d. Red.)!“ Sie strahlte und klatschte in die Hände: „Ich wusste gleich, dass wir zusammenpassen.“ – Es war zum Verzweifeln. Schon holte sie ihre „Stein-Sammlung“ um sie mir zu präsentieren. Diese Sammlung bestand aus ungefähr fünfzehn kleinen, bunten Steinen. Jeder Stein hatte „eine ganz tolle Wirkung“ auf sie. Die Steine wirkten, indem sie sich die Dinger auf den Kopf legte, so dass die Steine optimal „strahlen“ konnten. – Sagte sie jedenfalls. Sie wirkten gegen Kopfweh, Bauchweh, schlechtes Wetter, Pickel, Blasendrang und wahrscheinlich auch gegen Pest. Meine Situation wurde immer hoffnungsloser, die Frau steigerte sich immer weiter in ihren Vortrag hinein und legte sich im Sekundenwechsel die doofen Steine auf den Kopf. Auch ich suchte verzweifelt nach einem Stein. – einem großen! Aber weder ein Pflasterstein noch ein Klumpen Plutonium (strahlt auch!) waren in erreichbarer Nähe. Dabei hätte ich ihr gerne auch mal so ein Ding auf den Kopf gelegt. –Mehrmals hintereinander und ganz fest!
So blieb mir letztendlich nur noch eine Rettungsmöglichkeit. Die Flucht in und mit der Rhetorik. – Um aus dieser Situation heraus zu kommen war Feingefühl gefragt, die geschickte Konversation, pointierte Randbemerkungen, die dialektische Betrachtung und Ausformulierung des an sich und in sich betrachtet durch das für sich, transzendiert durch das Über-Ich… oder so ähnlich…
Während sie mir also gerade erzählte, wie oft sie schon gelebt hätte und dass alle Bäume, die sie ganz besonders mochte, ihre Freunde seien, blickte ich sie an und sagte: „Ist ja gut, und jetzt mach dich nackig du Luder!“ Und setzte nach: „Ich will jetzt ficken.“
Schweigen. Sie sah mich mit starrem Blick an. Dann wies sie mir die Tür. Schnell zog ich meine Jacke an und machte, mein Grinsen unterdrückend, dass ich davon kam. Als sie die Tür hinter mir ins Schloss warf, und ich im Treppenhaus stand, rief ich ihr noch mal zur Sicherheit hinterher: „Dann gehe ich halt wieder in den Wald Bäume ficken!“
Ein halbes Jahr nach diesem Ereignis lernte ich meine jetzige Freundin (die mit der Wohnungsnot) kennen. Kurz nach unserem Kennenlernen lud sie mich auf eine Grillparty ihrer Eltern ein. Dort wurde ich dann Teilen der Familie vorgestellt. – Darunter befand sich auch eine Cousine, deren Gesicht mir irgendwie bekannt vorkam. „Baumficker“, sagte die Cousine zu mir. Und hier die 500.000 Euro Frage: Wie tief kann ein Fettnapf sein in den man tritt? 2 Meter, oder 3? Vorschläge erbeten!

Druckbare Version

Mit Taliban TV SPIELFILM und Prinzen... From Sarah with love