Autoren I Autoren II Texte nach Themen Satiren in Bildern Kontakt Frankfurter Magazin
Startseite Autoren I Heiner Hänsel

Autoren I


Heiner Hänsel Rüdiger Schneider Robert Reitz Lothar Oels Thomas Nast Oliver Gaspirtz Beate Mayer Anant Kumar Horst Evers Sören Gütschow Ralf Kessler Gitta Klaßen Hedda Plecher Bodo Wenzlaff Helmut Pöll Katharina Kurz Guido Heyn Jon Martina Leach Erwin Grab Wolfgang Klein Jörg Schwedler Jochen Gerken Robert Rödel Guido Seifert



Das Ejakulat des Satans über Frankfurt

Bericht vom 29. Evangelischen Kirchentag in Frankfurt

Sie kamen aus heiterem Himmel. Wie eine Heuschreckenplage. – Die Besucher des 29. Evangelischen Kirchentages in Frankfurt am Main. In Rotten fielen sie in die Stadt ein. Asoziales, hässliches und verkommenes Gesindel.
Über diese Kreaturen schrieb Jürgen Roth am 15.03.2001 in der taz: „Gott würde kotzen“
Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen!
Das Pack verstopfte restlos alle U-, S- und Straßenbahnen, von den Bussen ganz zu schweigen. Doch damit nicht genug. Nein, sie belagerten auch die Straßen der Innenstadt, setzten oder legten sich - auf ihren mitgebrachten lila Wolldecken - mitten in die Fußgängerzone (Zeil) und sangen falsch und laut zur ungestimmten Gitarre. Wenn sie nicht in der Gegend rumgammelten, dann liefen sie wie verwirrte Lemminge in der Stadt herum. Man erkannte sie sofort: Rucksack auf dem Rücken, Stadtplan in der Hand, Sandalen an den Füßen, lila Bänder um den Hals, und die jüngeren von ihnen hatten Pickel im Gesicht. Das mit den Stadtplänen in der Hand habe ich übrigens nie begriffen. - Warum hatten die Stadtpläne? Die waren doch sowieso zu blöd um sie zu lesen, bzw. versuchten es erst gar nicht. Ständig wurde man, wenn man durch die Stadt ging, von der Seite dumm angepöbelt und von irgend einem Idioten gefragt, ob man ihm sagen könne, wo er gerade sei. „Frankfurt - in Deutschland“ lautete stets meine Antwort. Die alten von denen suchten ständig den Römer (- Platz wo das Rathaus steht und wo eine Bühne aufgebaut war), die jungen suchten ständig Mac Donalds (Restaurant zum schnellen Verzehr von Bulettenbrötchen).
Doch hatte der Kirchentag (das Wort ist übrigens Augenwischerei, es wahren mehrere Tage, habe nachgezählt!) auch seine lustigen Seiten. Hier meine persönliche Bilanz:
1. Ganz aus Versehen auf insgesamt sieben Christen, die auf der Zeil lagen oder saßen draufgetreten. Manchmal auch aus Versehen mehrmals hintereinander. Hat mir Leid getan. Das ergab fünf gebrochene Rippen, zwei zerquetschte Hände, drei gebrochene Arme, ein verstauchter Knöchel und zwei Nasenbeinbrüche.
2. Habe 47 Christen die den Römer suchten, darunter eine zwölfköpfige Truppe aus der Zone, eine exakte Beschreibung gegeben, wie sie ins Frankfurter Bahnhofsviertel kommen. Extra schlimme Gegend ausgesucht, die von der Russenmafia kontrolliert wird. Habe niemanden von den genannten Personen jemals wiedergesehen.
3. Konnte insgesamt 11 junge Christinnen durch geschickte Rhetorik davon überzeugen, dass ich Gottes auferstandener Sohn bin. Habe ihnen anschließend das mit der unbefleckten Empfängnis ausführlich erklärt und praktisch demonstriert. Der Trick mit dem Handtuch unterlegen hat jedesmal geklappt, meine Bettwäsche ist bis heute unbefleckt, obwohl alle Christinnen von mir empfangen haben.
Die LeserInnen bemerken, ich habe getan was ich konnte, um die Plage ein wenig einzudämmen. – Und unter uns, mal ganz offen gesprochen. Was ist das für ein Gott, der solch lästige Kreaturen erschafft und sie dann auch noch aussendet um anderen Menschen das Leben schwer zu machen? – Oder waren diese Kreaturen am Ende gar nicht gottgesandt? – Waren sie eine Ausgeburt des Satans? Hatte der Anti-Christ seine Hände im Spiel? Diese These halte ich für sehr wahrscheinlich, denn so kam es mir wirklich während des Kirchentages vor; - als hätte der Satan in großen Schüben sein Ejakulat über Frankfurt ergossen....

Fantastische Bilder vom Kirchentag gibt es hier!

Druckbare Version

Kritik-Kolumne Nr. 3 Impressionen vom Kirchentag