Der Tod kommt nach Frankfurt
Ostdeutsche! Menschen an der Oder! Wo seid ihr?
Haben wir (Wessis) euch (Ossis) nicht auch geholfen bei eurem »Jahrhunderthochwasser«? Sind nicht Robert Reitz, Rüdiger Schneider und ich, mit je einem schweren Sandsack beladen, in die Zone gereist um zu helfen? Hat der HERBST nicht einen Spendenaufruf für die Hochwasseropfer gestartet?
Ostdeutsche! Jetzt ist das Hochwasser bei uns, im Westen. Jetzt brauchen wir eure Hilfe! Das Grauen und das Leid hier im Westen ist unvorstellbar. Wie Robert Reitz am gestrigen Tag berichtete, spielten sich in München dramatische Szenen ab. Er selbst konnte nur knapp dem Tod entgehen, als er gestern, am späten Abend, in eine PFÜTZE trat und sein rechter Socken "total durchnässt" (RR) war. - Eine schlimme Verkühlung seines rechten kleinen Zehs war die brutale Folge dieses unglaublichen Hochwasserunfalls!
Doch am schlimmsten hat es Frankfurt am Main erwischt. Unvorstellbare Dramen spielten sich hier ab! Ich möchte den LeserInnen Zeugnis über die furchtbaren Ereignisse der letzten 48 Stunden ablegen. Vielleicht sollten Jugendliche unter 18 Jahren die folgenden Zeilen nicht lesen, sie sind zu grausam, zu brutal. Ja, man möchte fast sagen, zu unmenschlich!
Doch ich zitiere hier nur offizielle Organe, in diesem Fall die »Frankfurter Neue Presse«, die mit investigativem, schonungslosem und brutal offenem Journalismus ihre Leser am Elend in Frankfurt am Main teilhaben lässt.
Und das berichtet die »Frankfurter Neue Presse« am Samstag, den 4. Januar 2003:
"Frankfurt. Das Wasser kam in der Nacht, überflutete die Ställe des Kleintierzuchtvereins Heddernheim am Urselbach. Schnell wurden die Züchter alarmiert, die 150 Hühner und 70 Kaninchen in Sicherheit bringen konnten. Für vier Zwerghühner des 1. Vorsitzenden Fritz Hofmann aber kam die Rettungsaktion zu spät: Die rebhuhnfarbenen Tiere (Rasse: Welsumer) waren in ihrem Stall ertrunken. …"
Für vier Zwerghühner (Welsumer!!) kam die Rettungsaktion zu spät. Ostdeutsche, lest es ruhig noch mal. Immer wieder! Solange bis auch euch die Tränen in die Augen schießen.
Wir alle trauern mit dem 1. Vorsitzenden des Kleintierzuchtvereins. Morgen gehen in Frankfurt die Flaggen auf Halbmast. Um 11.00 Uhr wird eine Schweigeminute eingelegt.
Und wo wart ihr, Oder-Anwohner und Zonenbewohner? Wo war eure Solidarität? Wie immer, wenn man euch braucht, wart ihr nicht da. Schämt euch!
Aber lasst es euch gesagt sein, das nächste Hochwasser an der Oder kommt bestimmt. Und dann werdet ihr vergeblich auf uns und unsere helfenden Hände warten. Die Rache der Welsumer sei mit euch!
