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Rundflug

„Wann gehen denn hier die „Dinger“ aus?“
„Welche Dinger, Senora?“
Bewaffnet mit dem Duty-free-Heft (sonst reiche ich nicht ran) tippe ich gegen die No smoking Anzeige in der Lieblingsbefummelleiste der Fluggäste... Luft zu, Luft auf, Lampe an. Lampe aus, huch, wann endlich abschnallen und so.

Wiederhole meine Frage deutlicher: “Wann Senor kann ich endlich rauchen?“ „Sorry Lady, nach der Zwischenlandung in Caracas.“ Häää? denk ich... “Wieso das denn?“ frag ich. Der grinsende Steward guckt als wenn ich mich erkundigt hätte: „Kann man Brot essen?“
„Rauchen ist nur auf Flügen nach Europ erlaubt“, seine Antwort, das „a“ verschluckt er vornehm.
„Senor“, versuche ich mich zu erklären, „ich, ich habe einen Flug von Bogota nach Europa gebucht, Raucherplatz!
Ich will nicht nach Caracas!“
„Wir fliegen aber über Caracas, Senora, nicht weil ich es will, sondern weil wir Gäste mitnehmen, die nach Caracas wollen“, meint er.
„Und ich will nach 2 Stunden Flug, welche ich ja schon hinter mich gebracht habe, übrigens mit Mühe und Not, von der Warterei ganz zu Schweigen, von der Umschreiberei wegen Überfüllung ebenfalls mal abgesehen, JETZT rauchen und auf keinen Fall erst in 3 Stunden, sollte dann der Pilot, dessen Kompetenz ich hier nicht grundsätzlich in Frage stellen, aber doch anzweifeln will, die Zwischenlandung geschafft haben!“
„Die Flugroute ist: Bogota, Caracas, Frankfurt“, erklärt der Flugschaffner, ohne Ticketkontrolle aber mit einem nochmaligem „Sorry Senora“.
Ich entschuldige nicht, und mecker weiter: „Wenn die Route geändert wird, ohne meine Einwilligung, ist das ihr Problem, meine Zustimmung setzen sie voraus und das Rauchen wollen sie mir verbieten? Soll ich die Maschine nun entführen, von Bogota nach Frankfurt? Oder was?“ Ich reiße die Augen auf, schnalze einmal mit der Zunge, „Oder“, frage ich weiter „bin ich entführt worden?“
„Senora!! Ich bitte sie!!“ „ICH bitte sie nicht! Ich will!! Ich will nicht nach Caracas, ich will nach Europa (mit a) Raucherflug!“
Selbst die lungenschmächtigen Mitraucherplatzbesitzer, wobei die Plätze wirklich nicht einfach zu ergattern waren, gucken mich schon doof an... is mir doch egal, geht mir durch den Kopf... aber nachher wollnse alle qualmen...
„Also“, ereifere ich mich „vierstundenungeraucht“ weiter (Flughäfen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren), „meine Frage ist: Wann gehen die Lampen aus?“
„Nach Caracas, Senora, Sorry.“
„Bin ich denn hier im falschen Film?“ „Excuse me?“ „Können sie nicht hören, oder wollen sie nicht verstehen? Ich will meinen (schwererkämpften) Raucherplatz als Raucherin nutzen, verstehen sie?“
„Es geht auch um ihre Sicherheit, es sind doch nur 2 Stunden“, versucht er die Sicherheitsmasche, welche mich an die „Berechtigungsargumente“ der Todesstrafenbefürworter erinnert, nach dem Motto, aber wenn einer deine Mutter tötet, bist du doch sicher dafür... Ha, das hat er sich so gedacht!
„Heißt das etwa nach Caracas wird es unsicher und gefährlich für mich, weil geraucht wird? Wollen sie DAS damit sagen? Oder ist ihr Anliegen, meine Erziehung, also die Aufgabe welche schon meinen Eltern Sorgen bereitete, zu übernehmen? Es wird geraucht wenn sie es sagen? Ist die Sicherheit nicht auf dem Weg nach Europa zwingend, sondern nur in oder über Lateinamerika? Wie viele Flugzeuge sind denn im Laufe der Passagierluftfahrt wegen Rauchens abgestürzt?“
„Es gibt Vorschriften, an die wir uns halten müssen, Senora!“ meint er mit verschwörendem Blick und in noch immer gebückter Haltung, um mich im Auge zu behalten.
„Ihre Vorschriften sind unsinnig, völlig unsinnig!“ wehre ich mich, immer eine Spur lauter werdend.
„Sie sind zu befolgen! Von mir und von ihnen!“ Das obligatorische „Sorry“ hängt er an.
Sauer bin ich, soooooooo sauer, dass ich ihm kein Wort mehr gönne ...das „Verfluchte Scheiße!“ brummel ich mir in den Bart.
Als er sich durch den Gang wegschleicht, bin ich in Versuchung ihm ein Beinchen zu stellen, die Überlegung meinen Platznachbarn umzubringen, der ja schließlich auch Raucher ist, aber kein Wort über seine unsolidarischen Lippen brachte, verwerfe ich trotz des weltrekordverdächtigens Bluthochdrucks.
Tja - nun glotzen alle in ihre blödsinnigen Hefte, die neben der Kotztüte stecken. Einige vermummeln sich umständlich in der „servierten“ rotschwarzkarierten Wolldecke, mit den blöden Fransen, wahrscheinlich um ihre Lunge einzuschläfern. Diese Feiglinge! Was mache ich nun? Ist in diesem verflixten „bathroom“ ´ne Feuermeldestelle? Wenn ich mir nur sicher wäre... soll ich oder soll ich nicht? Stehe ich auf, rennt mir der „Luftbulle“ bestimmt gleich hinterher und schnüffelt an der Tür. Was kann passieren? Rausschmeißen kann er mich ja wohl schlecht ... welche Macht hat dieser Luftkellner über mich? .......................
Eigentlich bin ich ja aus dem Toilette-rauchen-Alter raus... also ich versuch`s mal mit: „Des Mauren letzter Seufzer“. Lesen lenkt ab...
Landeanflug auf Caracas!
Meeeeensch, DAS hab ich ja noch nie gesehen! Berge! Von oben, soweit das Auge reicht, so hoch, bewohnt und beleuchtet bis zur letzten Spitze - wie ein Weihnachtstannenbaumwald! Toll, wirklich toll!
Schade, dass sich der blöde Fotoapparat „verabschiedet“ hat, aber eigentlich auch gut so, denn man(n)/frau muss ja nicht alles haben, oder „wegschleppen“ was ihm/ihr gefällt. Mitgenommen habe ich es allerdings doch - im Kopf ...
und die „Zigarette danach“ schmeckte wuuuuunderbar!

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