Der repräsentative Wählerwille
Es war und ist auch weiterhin die Zeit der Wahlen. Saarland, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern liegen hinter uns, die nächsten stehen ins Haus.
Leider ist die Wahlbegeisterung, oder wenigstens Wahlbereitschaft, sehr zurückgegangen. Aber dank einer weisen und weitsichtigen Regelung ist etwas in die Fundamente unserer "repräsentativen Demokratie" (von "demos" = Volk und "kratein" = herrschen) eingegangen, das einen hundertprozentigen Wählerwillen gewährleistet: die Hochrechnung!
Wenn beispielsweise nur 50% der Bürger (was der Realität sehr nahe kommt) zur Wahl gehen, dann haben ja auch nur 50% die eine oder andere Partei gewählt. Wenn man aber nun den Wähler "hochrechnet", dann nimmt man offensichtlich an oder unterstellt, dass er selber ein Repräsentant ist: der Repräsentant eines Nichtwählers, der wie sein Spiegelbild genau die gleiche Partei wie er gewählt hätte, wenn er ... ja wenn er auch gewählt hätte.
Nun gab es – und wird es auch weiterhin geben – kluge Kommentatoren, die beispielsweise dem Wählervolk klarmachen, dass von einer geringen Wahlbeteiligung vor allem die DVU (in Sachsen z.B.) profitiert hätte, weil sie ihre Wähler besser mobilisier hätte. Also; Jeder reale DVU-Wähler repräsentiert nun leider außerdem auch noch einen weiteren Gesinnungsgenossen.
Wie traurig für die Demokratie und wie gut für die DVU, die mit 4,5% der wirklichen Wählerstimmen nicht einmal in den Landtag gekommen wäre. Aber gilt denn das für die FDP und die Grünen (in Sachsen) nicht ebenso? Gibt es nicht wirklich auch nur 23% der Wählerstimmen für die CDU statt der hochgerechneten 46%? Traurig ist man, weil die "absolute Mehrheit? (die es so ja nie geben hat) verloren ging. Aber schon mit der mit weniger als 3% gewählten FDP hätte man nun doch noch die verloren gegangene "absolute Mehrheit" wieder zurück.
Gebührt darum der traditionelle Dank nach einer Wahl nur den Wählern? Nicht auch den Nichtwählern?? Vor allem Parteien, die gerade so die "5%-Hürde" übersprungen haben, sollten dem Nichtwähler besonders dankbar sein. Er war es, der einige Polit-Existenzen in Lohn und Brot gebracht hat!
Es verwundert mich darum immer wieder, wie dann später in der "Legislatur-Periode" (so oft es geht) der "Wille des Wählers" bemüht wird.