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Die Evolution, die den Menschen zum Affen macht

"Die Zukunft braucht uns nicht", sagt Bill Joy, der die Programmiersprache Java entwickelt hat und auch sonst mit an der Spitze der modernen Wissenschaft steht. Ausgangspunkt ist seine provokante Frage: "Was passiert, wenn ich kein Roboter sein will? Die schwächere Kultur (also unsere menschliche!) wird ausgelöscht werden, wenn wir uns nicht dagegen entscheiden.
Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die natürliche Spezies auf dieser Technologieebene sein." Viel »natürlicher« wird die Macht der Roboter sein.

Joy ist überzeugt, dass Roboter verbesserte Kopien ihrer selbst herstellen werden: "Wir werden uns durch unsere Robotertechnologie ersetzen und nahezu Unsterblichkeit erreichen, indem wir unser Bewusstsein herunterladen (wie es schon Gluschkow, der damalige Papst der Kybernetik in der Sowjetunion, vor 30 Jahren prophezeit hat). Doch... wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass wir anschließend noch wir selbst oder überhaupt menschlich sind?" Das – so unisono in der seriösen Presse – "aus dem Mund eines der klügsten Köpfe der Computerwelt"! Viele der ausgewiesenen Experten sehen die Zukunft der Menschen ähnlich wie Joy, sind deswegen jedoch nicht beunruhigt: "Eine Essenz des menschlichen Wesens existiert nicht" (zumindest keine, die man nicht auf den Computer "herunterladen" könnte), behauptet Marvin Minsky, einer der Väter der künstlichen Intelligenz. "So etwas wie die Seele des Menschen gibt es nicht... Ja, die Erde wird in die Hände von Robotern fallen, und das ist gut so... Wir sind die Schimpansen der Zukunft."

Nun ist diese Erkenntnis eigentlich gar nicht so sensationell, wie sie sich gibt. Warum sollten die Menschen das letzte Produkt der Evolution sein? Zufall und Selektion des Überlebensfähigen ist uns aus unserer eigenen Geschichte hinreichend bekannt. Die Entwicklung der Wissenschaft unterliegt selber dieser unerbittlichen Logik: Da werden eine Vielzahl von Ideen als Samenkörner in den Geist der Menschen hineingestreut, aber nur einige keimen und treiben selbst wieder Blüten. Einige haben dadurch nur eine geringe Verbreitung. Man nennt das dann Evolutionsnischen. Manche solcher Nischen überleben sehr lange, andere sterben aus.

Die Wissenschaft – evolutionstheoretisch gesehen – braucht nicht nur einen ideellen Nährboden, sondern natürlich auch einen materiellen, denn die Wissenschaftler wollen sich ja am Leben erhalten, damit sie Ideen entwickeln und verbreiten können. Darum gibt es – evolutionstheoretisch nicht verwunderlich – stets auch einen Kampf unter den Wissenschaftlern um die Wahrheit der von ihnen entwickelten Ideen. So entstehen sogar symbiotische Kampfbündnisse zwischen den verschiedenen Wissenschaftler-Gruppen, denn gemeinsam ist man viel stärker.

Manchmal gibt es auch rein klimatisch bedingte Veränderungen, z.B. zu wenig Geld von der Gesellschaft oder neue Gesellschaftssysteme mit neuen Ideen, die sich nun ungehindert breit machen und die eroberte Welt als jungfräulichen Boden ansehen. Mit dem Geist einer Zeit sterben auch ihre Wissenschaftler aus, weil für den neuen Geist ja bereits genügend neue Wissenschaftler bereit stehen.

Die Wahrheit von wissenschaftlichen Ideen erkennt man an der Macht der Wissenschaftler, die sie in der jeweiligen Gesellschaft durch den Zufluss von Forschungsgeldern errungen haben. Woran denn sonst? Wenn Ideen auf diese Weise "führend" geworden sind und die Massenmedien für ihre Verbreitung sorgen, werden andere Ideen an den Rand gedrängt, in eine Nische, in der sie manchmal noch eine zeitlang überleben können.

Jede wissenschaftliche Wahrheit weiß, dass sie selbst nur eine Etappe in der Evolution darstellen kann, denn die Evolution kommt ja nie zum Stillstand. Es kann zu Klimaänderungen kommen oder zu machtvollen anderen Ideen, die mehr und mehr an Boden gewinnen könnten. Aber damit rechnet sie nicht wirklich. Mit ihnen würde sie durch ihre tiefe Überzeugtheit von der Notwendigkeit und Richtigkeit ihrer Existenz schon fertig werden. Nur wenn sie selbst das Höchste und Letzte ist, was menschlicher Geist überhaupt hervorbringen kann, muss zwangsläufig mit der Relativierung dieser Ideen, mit ihrem Übersteigen in unbekannte Höhen, der Mensch selbst als die bisher höchste Spezies überstiegen werden. Es ist somit logisch folgerichtig, dass die Evolution den Menschen zum Schimpansen machen wird. Aber das ist nicht etwa eine Erniedrigung seines Wertes und Selbstverständnisses, sondern Ausdruck seiner sich selbst ins Unfassbare überhöhenden Geistesgaben.

Darum wird der Mensch in einer neuen Welt der intelligenten Roboter auch nicht untergehen. So wie wir heute den Naturschutz voranbringen und viele Arten vor ihrem Verschwinden zu bewahren suchen, so werden auch wir Menschen in einem Naturschutzpark der Roboter überleben. Wir haben dann zwar nicht mehr die Verantwortung für diese ständig aus den Fugen geratende Welt, könnten nun aber – ganz ohne Konkurrenz und Hass aufeinander – nur unserer glücklichen Existenz leben. Natürlich würden wir dann nicht mehr ganz so viele sein wie jetzt, aber das erkennen wir ja heute schon als ein Problem. Die intelligenten Roboter werden es für uns lösen.

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Lebenshilfe Zynismus Viermal quergedacht (13)