Wie die Jungfrau Maria geschwängert wurde
Gott sah mit Sanftmut aber voller Bangen,
Was der Mensch mit seiner Freiheit angefangen.
Ganze Völker metzelten gnadenlos sich nieder.
Und das geschah jeden Tag und immer wieder.
Er konnte ja nicht mit jedem einzelnen reden,
Vom schwarzen Afrika bis nach Schweden.
Drum hatte er ja seine vielen Propheten,
Die den Völkern leuchteten wie die Kometen.
Doch unter den Propheten gab's viele Missklänge,
Und in den Ländern verschiedene Kirchengesänge.
Das klang in Gottes Ohr so falsch und schrill,
Dass er es einfach nicht mehr länger dulden will.
Ja, wenn er einen echten Sohn auf Erden hätte,
Gezeugt mit einer keuschen Jungfrau im Bette,
Dann könnte der an seiner Stelle verkünden,
Was Gottes Wille ist und vergeben die Sünden.
Die griechischen Götter hatten es so gemacht,
Sie zeugten mit den irdischen Frauen bei Nacht
Leibhaftige Halbgötter zwischen Himmel und Erde,
Mal wie Menschen, mal dann auch wie halbe Pferde.
Doch das waren Heiden-Götter, die unkeusch waren,
Die liebten gern die Frauen mit den langen Haaren,
Nicht aus dem Olymp die blutleeren Gespenster
Vor der Statue von Zeus oder dem Himmelsfenster.
Gott hatte allen ihre Manneskraft genommen
Und so ist es erst nach vielen Jahren gekommen,
Dass der Himmel ganz keusch und rein geworden ist,
Und sich in allen Fragen nach der Moral bemisst.
In der Hölle saßen nun diese unkeuschen Heiden
Und niemand mehr auf Erden konnte sie leiden.
In der Hölle feierten sie weiter ihre Feste.
Die Gottverfluchten waren die einzigen Gäste.
Wie sollte es Gott zu einem leiblichen Sohne bringen?
Damals bei Eva, da fühlte er noch die Sinne schwingen,
Da konnte er die Heidengötter sehr gut verstehen.
Aber dieses Reich musste gerade deshalb untergehen.
Er konnte also nicht zur Jungfrau schleichen
Bei Nacht und bei dem Mond, dem bleichen.
Sie war nach himmlischen Werten – wie man erzählt,
Noch nicht mal geprüft und richtig auserwählt.
Gott schätzte die Moral und den Heiligenschein.
Vor allem gottesfürchtig sollte die Jungfrau sein,
Mit Inbrunst voller Gebete und tiefer Religion.
Das andere, die Schönheit, na ja, die zählte schon.
So schickte er seinen Heiligen Geist auf die Erde,
Damit er nicht selbst zur irdischen Gestalt ihr werde.
Sie sollte von Ihm nur träumen und den Engelein,
In schwüler Nacht bei fahlem Mondesschein.
Von seinen Himmelsknaben wählte er nur einen aus,
Mit seinem Liebreiz war der ein wahrer Augenschmaus,
Der sollte im Traum ihr erscheinen und sie betören
Und ihr des höchsten Gottes Liebe schwören.
Damit sie hinschmilzt vor freudiger Erregung,
Wartend auf die himmlisch-leibliche Segnung.
Die brauchte sie zwingend in der irdischen Form.
Das ist nach Gottes Genetik eigentlich die Norm.
Doch Gott wusste sich da ganz klug zu helfen.
Er machte es wie beim Reigen der scheuen Elfen.
Nur im Traume sind sie wirklich leiblich da.
Nur im Traume darf die Jungfrau fühlen, was geschah.
Heiliger Geist und Engel dann zur Jungfrau kamen.
Damit sie würdig wird für Gottes Samen,
Derweil im Traum der Himmelsknabe bei ihr weilt,
Sie erst erquickt und dann beglückt enteilt.
Von dem Wasser ihrer Lüste eine Probe
Brachte er dem lieben Gott zum Lobe
Nun ins Himmelreich vor seinen Thron.
Gott träumte schon von seinem Sohn.
Gott hatte nun den wundersamen Plan
Wie damals er's bei Eva schon getan:
Er brauchte ja nur eine einz'ge Zelle
Um dann so völlig auf die Schnelle
In Marias Schoß in irdischem Gewande
Den Sohn ganz frei von jeder Schande
Auf die Menschenwelt zu bringen,
Dieweil die Engel ihre Lieder singen.
Obwohl Marias Leib so wunderschön
Genau wie Eva einst war anzusehn,
So durfte man ja keineswegs vergessen:
Damals war der Teufel so vermessen
Das eig'ne Gen dem Weibe beizumischen
Und doch die Spur der Hölle zu verwischen.
So musste Gott nun experimentieren
Und Marias Gene gründlich manipulieren,
Denn alle Zellen mussten himmlisch-rein
Bei dem geliebten Sohne Gottes sein.
Dann erst zur Nacht beim Mondesschein
Pflanzt er der Jungfrau seinen Odem ein.
Die Jungfrau kennt noch nicht den Unterschied,
Ob's wirklich war oder sie ein Traumbild sieht.
Sie fühlt sich Gott so nah, so eng verbunden,
So unvergesslich waren auch die Liebesstunden.
Erst als der Engelsknabe dann erneut erscheint
Und sie in Freude drüber Tränen weint,
Weiß sie, dass Gottes Sohn den Schoß gefunden
In jener Nacht und ihren süßen Liebesstunden.
Gott ließ ein wahrhaftiges Wunder geschehen
Wie man es noch niemals vorher gesehen:
Er wusste Marias Körpersäfte zu behandeln
Und in den Samen Gottes zu verwandeln.
Es war wie eine wundersame Selbstbestäubung
Unter Wirkung einer süßen Traumbetäubung.
Wobei des Leibes lockend heiße Lüste
Schwellen ließen ihre sehnsuchtsvollen Brüste.
Diesen unglaublichen himmlischen Zaubertrick
Legte der Heil'ge Geist als Gottes Meisterstück
Dem Jesus schon damals in die Wiege hinein,
Doch bei dem wurde Wasser immer nur zu Wein.
Gottes Sohn hatte gar keinen eigenen Samen,
Damit später nicht noch Gottes Enkel kamen.
Nie sah man Jesus je mit irdischem Gefühl
Bei einem Mägdelein im trauten Liebesspiel.
Später die Nonnen, die seine Bräute waren,
Schwärmten bei Nacht von ihm in hellen Scharen,
Doch wenn sie trächtig wurden in ihrem Wahn,
Dann war es meist der sündig-irdische Kaplan.
Dass die Jungfrau gleich mit Sicherheit wusste,
Dass in ihrem Schoß ein Sohn sein musste,
Den Gott ihr da hineingelegt zu seiner Ehre,
Nicht etwa eine Tochter, was ja möglich wäre,
Das ist kein Wunder, keine Gesetzesbeugung,
Sondern das irdische Gesetz der Zeugung.
Gott, selbst nie von einer Mutter gesäugt,
Kann nur und hat nur einen Knaben gezeugt.
So konnte Maria zur leiblichen Mutter werden
Für den himmlischen Sohn Gottes auf Erden.
Gebenedeiet sei sie nun in alle Ewigkeit
Für ihre Keuschheit und Jungfräulichkeit.