Ich hab keinen Dachschaden!
Irgendwann in grauer Vorzeit bekam ich meine erste eigene Wohnung, und die lag schon unterm Dach. Im Werbetext meines Lieblingsarchitekten steht: Dachbodenausbau ermöglicht ein Wohnen mit der Sonne - Jahreszeiten werden auch in der Stadt erlebbar -...
Und genau so war es: Im Sommer ein bisschen heißer als anderswo, im Winter deutlich kälter.
Der Architekt weiter: Dachbodenausbau ist Ausdruck städtischer Wohnkultur für Individualisten, die Urbanität und gleichzeitig „einfamilienhausähnliches“ Wohnen anstreben.
Komisch, zwei meiner Freunde wohnten auch in einem Dachboden, aber die waren in der tiefsten Provinz. Es handelte sich allerdings in beiden Fällen eher um zweifamilienhausähnliche Wohnsituationen, die dem Individualismus der von ihren Eltern noch nicht abgenabelten eher abträglich waren. Und außerdem gab es nicht einmal eine Terrasse! Nur x-beliebige Kombinationen von Dachflächenfenstern und Gaupenarchitektur. Und das ist, wie ich heute besser weiß, abzulehnen.
Hingegen gilt: Altes und Neues sind zusammenzuführen - daraus ergeben sich vielfältige Spannungsfelder.
Altes und Neues sorgfältig auseinander zu halten, könnte eben doch seine Vorteile haben...
Auf jeden Fall muss der Dachboden riesengroß sein, denn sonst - ich zitiere weiter -wird es ein unkonventionelles Wohnen auf beengtem Raum.
Das bedeutet dann schräg abgesägte Kästen, sollten sich derlei konventionelle Möbelstücke überhaupt unterbringen lassen. Oder dass man sich im Bett nicht aufsetzen kann, gegen irgendwelche Pfeiler läuft, sich an diversen Balken den Kopf anhaut, oder ein Faible für indirekte Beleuchtung in Kniehöhe entwickelt.
Und mit diesen meinen Erfahrungen stehe ich gar nicht so allein da, denn »my darling« schreibt weiter den individuellen Wünschen der Auftraggeber sind jedoch aufgrund der jeweils spezifischen räumlichen Situationen Grenzen gesetzt.
So ist es - ich mag einfach seine Ehrlichkeit!
Seine Dachbodenwohnung übrigens auch. Nur als Werbetexterin wird er mich wahrscheinlich nicht mehr brauchen. Aber falls es sich Leser aus dem Großeinzugsgebiet von Wien überlegen - ich kenne da einen Spezialisten für die fünfte Fassade des Hauses oder die letzten Raumreserven der Stadt.