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For Ladies

Es gibt da so ein spezielles Problem, das ich Tag für Tag lösen muss: Was zieh ich an? Jahrelange Übung und stundenlanges Einkaufen haben mich nämlich noch immer nicht so weit gebracht, dass ich für JEDE Gelegenheit ins Passende passe,...

das Angemessene (nicht wörtlich – das kann ich mir nicht leisten! -) finde (schon wörtlich) und vor Peinlichkeiten aller Art gefeit wäre.

Am einfachsten ist ja noch das Anlegen der morgendlichen Rüstung. Erstens hab ich da keine Zeit, zweitens kann ich mich da irgendwie an der Jahreszeit orientieren und drittens wird sowieso jeder Fetzen von meinem Chef kommentiert. (Letzteres sollten wahrscheinlich Komplimente sein, aber dass er nicht farbenblind ist, hab ich schon vor langer Zeit kapiert...)

Viel lustiger ist`s schon danach – die arbeitende Rabenmutter, die sich zum Abholen tummelte, sitzt entweder overdressed am Spielplatz ( besonders empfehlenswert sind Sandkistenränder), zerreißt sich die Strümpfe beim Ballsuchen und steigt in ihren Kostümchen auf den Gerüsten umher.

Apropos Kostüme – ich arbeite ja auch daran, NICHT aufzufallen. Das schaut dann so aus, dass mich beim Fürnkranz alle nach dem Preis fragen (braunes Kostüm) oder am Flughafen alle nach dem Weg (blaues) oder die Leute um ein Bier rufen (schwarzer Minirock) ... ok, ich übertreib ein bissi ... Und es haben mich auch nicht gerade Scharen von Japanern auf der Kärtner Straße fotografiert, nur weil ich grad im Dirndl Werbung für ein Trachtengeschäft machte ...

Alle diese Sachen nützen mir aber gar nichts, wenn ich am Abend fortgehe. Wenn nur Kartenspielen angesagt ist, ist mir ja ungefähr klar, was bequem ist. So richtig spannend wird es, wenn ich das Lokal nicht kenne, die Leute dort nicht kenne und mir ungefähr ausrechnen kann, dass die Örtlichkeit auch noch gewechselt werden soll. Nach einer unserer Weihnachtsfeiern, als ich diese noch mit meiner Anwesenheit beehrte, fand ich mich im Seidenkleid in der Meierei wieder und das war definitiv seltsam. Oder einmal war ich die einzige in Jeans, während alle anderen im Abendkleid tafelten. Mir hat es aber auch geschmeckt! Seit neuestem wird in Wien mancherorts auch genauestens aufs Gewand geschaut, wieder ein paar Stätten weniger zum Wohlfühlen ... Und ganz schwierig ist natürlich, was man sich zum Heurigen anzieht! ... (Dort wird man allerdings immer reingelassen.)

PS: .. und dann ist die richtige Hose zu kurz und das richtige Paar Schuhe nicht geputzt und das richtige Top nicht gebügelt und der richtige Träger gerissen und der richtige Rock zu eng und die richtige Handtasche nicht auffindbar, und die richtige Jacke hat einen Fleck, und ... überhaupt war ich schon lang nicht mehr Einkaufen ...

PPS: Ich arbeite jetzt an meinem Charakter.

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